Der Krieg und die Folgen
16.05.2023 |
Vor welche Herausforderungen der Ukraine-Konflikt das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis stellt. Gastkommentar von Erzbischof Heiner Koch
Mehr als ein Jahr dauert dieser unfassbare Krieg in der Ukraine nun schon. Wer oder was soll ihn stoppen? Wie lange sollen Leid und Elend noch dauern? Klar ist: Die Menschen in der Ukraine dürfen nicht alleine gelassen werden – und sie werden nicht alleine gelassen. Dank der großen, bis heute andauernden Solidarität und Spendenbereitschaft, auch in Deutschland.
Das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis konnte allein 2022 150 Nothilfe-Projekte mit rund 9,34 Millionen Euro für die vom Krieg Betroffenen ermöglichen. Und die Unterstützung wird noch sehr lange gebraucht werden – es könnte Jahrzehnte dauern, das Land wieder aufzubauen und die seelischen Verwundungen zu heilen.
Auch die weiteren Länder im Osten Europas, die Renovabis fördert, leiden massiv unter den Folgen des Krieges, zusätzlich zu den schon bestehenden sozialen Nöten, den Defiziten im Bildungsbereich oder den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Denken wir nur an die vielen Geflüchteten, die in den Nachbarländern der Ukraine eine sichere Bleibe gefunden haben, denken wir an die Energiekrise, an die hohe Inflation … Deshalb ist es so wichtig, dass das Engagement von Renovabis auch dort weitergeht.
Das bedeutet keineswegs „Business as usual“, das ist kein „Sich-Gewöhnen“ an diesen schrecklichen Krieg gegen die Ukraine: Es bedeutet vielmehr, die Sorgen und Nöte aller 29 Partnerländer zu sehen und wahrzunehmen.
Die Renovabis-Pfingstaktion 2023 beschäftigt sich mit einem komplexen Thema: Der Arbeitsmigration aus Osteuropa. Arbeitskräfte werden in Deutschland dringend gebraucht. Die einen kommen aus freier Entscheidung, da sie sich hier bessere Chancen erhoffen. Andere sehen sich gezwungen zu gehen, weil die Bedingungen in der Heimat zu schlecht sind und es keine Perspektiven für sie dort gibt.
Doch ist uns bewusst, was der massenhafte Wegzug aus den Ländern Ost- und Südosteuropas für diese bedeutet? Das Leitwort der Renovabis-Pfingstaktion beschreibt das Dilemma sehr treffend: „Sie fehlen. Immer. Irgendwo.“
Erzbischof Heiner Koch, Vorsitzender des Aktionsrates von Renovabis