Experiment mit Folgen
20.01.2026 |
Gesagt – getan, könnte man meinen, wenn man an die in der ARD übertragenen Christmette aus St. Maria in Stuttgart denkt. Dort lag nicht das Jesuskind in einer Krippe, sondern ein vollständig in nasses Reispapier gehüllter, atmender und sich windender Mensch auf einer Unterlage aus Stroh – eigens für den Gottesdienst inszeniert von der Künstlerin Milena Lorek. Rundfunkpfarrer Thomas Steiger erklärte die Darstellung im Gottesdienst so: „Die Krippe zeigt einen echten Menschen. Er liegt dort, elend, nackt und bloß.“ Und weiter: „So radikal wird Gott Mensch; nah, berührbar, ohne Distanz, echt.“
Zweifellos ein mutiges Experiment – noch dazu mit enormer Reichweite im Fernsehen. Doch statt vielleicht kirchenferne Menschen damit anzusprechen, hat es offensichtlich eher abgestoßen. Die „Bild“-Zeitung trat eine Lawine der Empörung los, indem sie genüsslich „Weihnachtsmesse mit Schleim-Jesus“ titelte. Neben einigen Befürwortern gab es in der überwiegenden Mehrheit kritische Stimmen bis hin zu Beschwerden an den SWR, aber auch an die Diözese. Über die Verantwortlichen ergoss sich teilweise ein „Shitstorm“, auch von Kirchenaustritten war die Rede.
Die Welle der Entrüstung vorüberschwappen zu lassen, war nun nicht mehr möglich. Die Diözese distanzierte sich von der Installation und sprach im Namen der Verantwortlichen ihr Bedauern aus. Zu keinem Zeitpunkt sei „eine Provokation oder eine Herabwürdigung zentraler Glaubensinhalte beabsichtigt“ gewesen. Natürlich nicht! Aber wie weit dürfen Experimente gehen ohne religiöse Gefühle zu verletzen? Über Kunst und guten Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Letztlich ist es eine Frage des pastoralen Feingefühls, zu spüren, was – zumal an Weihnachten – geht oder nicht, damit das Christkind und seine Botschaft nicht um des Verkünstelns willen „mit dem Bade“ – in diesem Fall mit dem Reispapier und „ausgeschüttet wird“.
Ein Gastkommentar von Beate-Maria Link, Sonntagsblatt-Chefredakteurin
Als der Rottenburger Bischof Klaus Krämer nach seiner Ernennung seine ersten Statements vor den Medien abgab, sagte er unter anderem, Kirche müsse verständlich sein, auch für diejenigen, die nicht in ihr sozialisiert sind. Das könne auch bedeuten, alte Formen durch neue zu ersetzen und Experimente zuzulassen.
Gesagt – getan, könnte man meinen, wenn man an die in der ARD übertragenen Christmette aus St. Maria in Stuttgart denkt. Dort lag nicht das Jesuskind in einer Krippe, sondern ein vollständig in nasses Reispapier gehüllter, atmender und sich windender Mensch auf einer Unterlage aus Stroh – eigens für den Gottesdienst inszeniert von der Künstlerin Milena Lorek. Rundfunkpfarrer Thomas Steiger erklärte die Darstellung im Gottesdienst so: „Die Krippe zeigt einen echten Menschen. Er liegt dort, elend, nackt und bloß.“ Und weiter: „So radikal wird Gott Mensch; nah, berührbar, ohne Distanz, echt.“
Zweifellos ein mutiges Experiment – noch dazu mit enormer Reichweite im Fernsehen. Doch statt vielleicht kirchenferne Menschen damit anzusprechen, hat es offensichtlich eher abgestoßen. Die „Bild“-Zeitung trat eine Lawine der Empörung los, indem sie genüsslich „Weihnachtsmesse mit Schleim-Jesus“ titelte. Neben einigen Befürwortern gab es in der überwiegenden Mehrheit kritische Stimmen bis hin zu Beschwerden an den SWR, aber auch an die Diözese. Über die Verantwortlichen ergoss sich teilweise ein „Shitstorm“, auch von Kirchenaustritten war die Rede.
Die Welle der Entrüstung vorüberschwappen zu lassen, war nun nicht mehr möglich. Die Diözese distanzierte sich von der Installation und sprach im Namen der Verantwortlichen ihr Bedauern aus. Zu keinem Zeitpunkt sei „eine Provokation oder eine Herabwürdigung zentraler Glaubensinhalte beabsichtigt“ gewesen. Natürlich nicht! Aber wie weit dürfen Experimente gehen ohne religiöse Gefühle zu verletzen? Über Kunst und guten Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Letztlich ist es eine Frage des pastoralen Feingefühls, zu spüren, was – zumal an Weihnachten – geht oder nicht, damit das Christkind und seine Botschaft nicht um des Verkünstelns willen „mit dem Bade“ – in diesem Fall mit dem Reispapier und „ausgeschüttet wird“.
Beate-Maria Link ist Chefredakteurin des Katholischen Sonntagsblatts in der Diözese Rottenburg-Stuttgart.