Tugend Teilen
04.11.2025 |
Wenn ich von Problemen im Stadtbild höre, denke ich an Menschen, die keine Wohnung haben. Solche, die gezwungen sind, sich eine wettergeschützte Schlafstelle zu suchen, etwa an den Eingängen leerstehender Kaufhäuser. Ich denke an Versäumnisse beim Bau bezahlbarer Wohnungen, an Fehler beim Verkauf staatlicher Wohnungsbaugenossenschaften, an den Drang, Wohnungen landauf landab in Luxusobjekte mit hoher Rendite umzuwandeln, die man nach zehn Jahren gewinnbringend weiterverkaufen kann – unbehelligt vom Finanzamt. Was kann man gegen dieses Problem im Stadtbild tun?
Wir sollten uns auf eine Tugend besinnen, an die uns der heilige Martin erinnert: das Teilen. In seiner Heiligengeschichte überlässt Martin einem Bettler am Wegesrand die Hälfte seines Mantels. Sein Teilen ist Zeichen tätiger Nächstenliebe im Angesicht der Armut. Doch viel zu selten nehmen wir uns ein Beispiel an diesem prominenten Heiligen. Papst Leo schlägt in seinem ersten Lehrschreiben „Dilexi Te“ in eine ähnliche Kerbe; er mahnt, nicht nur die materielle Armut anzugehen, sondern auch andere Formen der Armut zu erkennen: die der sozial Ausgegrenzten, die moralische und geistliche, sowie die kulturelle Armut.
Gehen wir materielle Armut an, indem wir Geld mit den Ärmsten teilen – oder wie Leo schreibt „uns nicht auf das Risiko einlassen, einen Menschen ohne das Nötigste für ein würdiges Leben seinem Schicksal zu überlassen“. Widmen wir uns sozial Ausgegrenzten, indem wir Geld und Zeit teilen, etwa bei karitativen Einrichtungen. Teilen wir Macht, indem wir unsere Stimme einsetzen für menschenwürdige staatliche Unterstützung und kluge Wohnraumpolitik, die auch die Ärmsten im Blick hat. Machen wir es wie Martin – schenken wir Wärme!
Benedikt Hohl
Was St. Martin mit „Dilexi Te“ verbindet
In diesem Herbst wird nicht nur das Wetter, sondern auch das soziale Klima kälter. Das Bürgergeld wird zur Grundversorgung umbenannt und mit härteren Sanktionen bis hin zur Totalaussetzung bewehrt. Gleichzeitig wird von Problemen im Stadtbild geraunt, offenlassend, was man damit nun genau meint – vage Verweise auf Töchter der Zuhörenden hinterherschiebend.
Wenn ich von Problemen im Stadtbild höre, denke ich an Menschen, die keine Wohnung haben. Solche, die gezwungen sind, sich eine wettergeschützte Schlafstelle zu suchen, etwa an den Eingängen leerstehender Kaufhäuser. Ich denke an Versäumnisse beim Bau bezahlbarer Wohnungen, an Fehler beim Verkauf staatlicher Wohnungsbaugenossenschaften, an den Drang, Wohnungen landauf landab in Luxusobjekte mit hoher Rendite umzuwandeln, die man nach zehn Jahren gewinnbringend weiterverkaufen kann – unbehelligt vom Finanzamt. Was kann man gegen dieses Problem im Stadtbild tun?
Wir sollten uns auf eine Tugend besinnen, an die uns der heilige Martin erinnert: das Teilen. In seiner Heiligengeschichte überlässt Martin einem Bettler am Wegesrand die Hälfte seines Mantels. Sein Teilen ist Zeichen tätiger Nächstenliebe im Angesicht der Armut. Doch viel zu selten nehmen wir uns ein Beispiel an diesem prominenten Heiligen. Papst Leo schlägt in seinem ersten Lehrschreiben „Dilexi Te“ in eine ähnliche Kerbe; er mahnt, nicht nur die materielle Armut anzugehen, sondern auch andere Formen der Armut zu erkennen: die der sozial Ausgegrenzten, die moralische und geistliche, sowie die kulturelle Armut.
Gehen wir materielle Armut an, indem wir Geld mit den Ärmsten teilen – oder wie Leo schreibt „uns nicht auf das Risiko einlassen, einen Menschen ohne das Nötigste für ein würdiges Leben seinem Schicksal zu überlassen“. Widmen wir uns sozial Ausgegrenzten, indem wir Geld und Zeit teilen, etwa bei karitativen Einrichtungen. Teilen wir Macht, indem wir unsere Stimme einsetzen für menschenwürdige staatliche Unterstützung und kluge Wohnraumpolitik, die auch die Ärmsten im Blick hat. Machen wir es wie Martin – schenken wir Wärme!
Benedikt Hohl