Kundig dagegen!
19.09.2025 |
Wenn die Botschaft von „Christfluencern“ Schlagseite hat
Was haben der kürzlich bei einem Attentat tödlich verletzte amerikanische evangelikale Aktivist Charlie Kirk sowie der vom Papst kreierte „Internetpatron“ Carlo Acutis (1991-2006) gemeinsam? Nun, alle zwei werden unter dem Begriff „Influencer“ geführt. Dem englischsprachigen Fremdwort liegt das lateinische Verb „influere“ zugrunde, mit den Bedeutungen „hineinfließen, hineinströmen“ – oder „eindringen, sich einschleichen, sich einschmeicheln“. Die auf den ersten Blick scheinbar gegensätzlichen Bedeutungen wirken wie ein Fingerzeig, dass der Übergang von einer zur anderen Lesart kaum merklich vonstattengehen kann.
Carlo Acutis, der aus Mailand stammende erste heilige „Millennial“ (also nach 1990 geboren) und „Influencer Gottes“, soll ein frommes Leben mit täglichen Messbesuchen, Rosenkranzgebeten und ehrenamtlichem Engagement geführt haben. Weltweite Bekanntheit erlangte er als „Cyber-Apostel“ oder „Internet-Patron“, weil er seine Freizeit dem Aufbau und der Pflege von Internetseiten widmete, etwa für seine Heimatgemeinde in Mailand. Dagegen war Kirk auch ein zutiefst auf Polarisierung gebürsteter politischer Aktivist, der seine Gegner zum Schäumen brachte.
Influencer sind Personen, die über soziale Medien wie Instagram, YouTube oder TikTok eine oft riesige Anhängerschaft gewinnen und mittels gezielter Information und Meinung die Entscheidungen und das Verhalten der sogenannten Follower beeinflussen. Spätestens hier freilich setzt die gewaltige Verantwortung für das eigene digitale Tun ein. Die anerkannte Expertise in Verbindung mit der nicht selten immensen virtuellen Reichweite des Auftritts der Influencer nutzen dem beworbenen „Produkt“ – bei Carlo Acutis ist es eindeutig die Verbreitung des Glaubens an Gott und seinen menschgewordenen Sohn Jesus Christus: eine friedliche, eine menschenfreundliche Botschaft.
Dass „frommer Aktivismus“ auch in Fundamentalismus umschlagen kann, illustriert Charlie Kirk und seine „Produktwerbung“, die das Land nach seiner kaltblütigen Ermordung noch mehr polarisiert und noch mehr spaltet; die katholische Kirche hat der glühende Evangelikale Kirk zeitlebens höchst kritisch beobachtet. Solche „Christfluencer“ verbreiten ihre giftige Botschaft längst nicht nur in den Vereinigten Staaten. Da hilft wohl nur eins: kundig „dagegen glauben“!
Brigitte Böttner