Einklang mit der Natur

05.05.2025 |

Ein Gastkommentar von Bettina Locklair, Bundesgeschäftstführerin der Katholischen Landvolkbewegung

Der verstorbene Papst Franziskus hat soziale Gerechtigkeit – die Option für die Armen – und die Umweltgerechtigkeit – den Schrei der Erde – miteinander verzahnt und beides gemeinsam gefordert. Dieses ist für uns Christinnen und Christen nun ein Vermächtnis! Wie können wir die Nutzung der Welt für und durch den Menschen im Einklang mit der Natur und nicht auf deren Kosten realisieren? Mit dem Grund und Boden im Eigentum der Kirche, der landwirtschaftlich genutzt wird, bieten sich Möglichkeiten, dieses Vermächtnis ernst zu nehmen – im Sinne der Natur und im Sinne der Landwirtinnen und Landwirte und der Nahrungsmittelerzeugung. 

Die Kirche kann ihre Verantwortung als Verpächterin wahrnehmen, wenn sie mit den Landwirtinnen und Landwirten gemeinsam eine Mehrgewinnstrategie entwickelt. Die zu bedenkenden Fragen sind vielfältig: Wie können Pächterin und Pächter unterstützt werden? Wie kann der Pachtvertrag – Dauer, Preis, Anforderungen und Kriterien für die Bewirtschaftung – in diesem Sinne gestaltet werden? Was wollen die Verpächter? Was braucht der Pächter? Welche Kriterien für eine nachhaltige Bewirtschaftung können entwickelt werden, ohne die Landwirte zu überfordern? Wichtig ist die Transparenz auf beiden Seiten und der Dialog, ein Miteinander, kein Gegeneinander. Dies gilt auch mit Blick auf die unterschiedlichen Bewirtschaftungsarten, bei denen ökologisch nicht per se als besser angesehen werden soll. 
 
Gerade in der konventionellen Landwirtschaft gibt es viele Betriebe, die ausgesprochen ökologisch wirtschaften, das Bodenleben fördern, die Umweltbedingungen verbessern, ohne ein Biolabel anzustreben. Unterschätzt wird häufig die Abhängigkeit der Landwirtschaft von den Eigentümern. Heute befinden sich fast zwei Drittel der bewirtschafteten Fläche eines landwirtschaftlichen Betriebes in der Hand verschiedener Eigentümer und sind gepachtet. In einer Region wie in und um Freiburg ist dies aufgrund der so genannten Realteilung ein besonderes Problem. Wertschätzung, Kontinuität und Verbindlichkeit sind nicht nur die Wünsche der Landwirtinnen und Landwirte, sondern für ein gutes Miteinander auch von Umwelt und Nahrungsmittelproduktion erforderlich.