Erkranktes Weltgewissen

12.03.2025 |

In der sich rasant verändernden Welt fehlt die Stimme des Papstes

Von Klaus Gaßner
 
Es sind berührende Bilder, die seit Wochen durch die Medien gehen. Zu jeder Tages- und Nachtzeit kommen Menschen in Rom zusammen und beten für den Papst, auf dem riesigen Petersplatz oder auf dem nüchternen Vorplatz der Gemelli-Klinik. Und weltweit vergeht kein Tag, an dem nicht Religionsführer mit unterschiedlichstem Hintergrund und Menschen aller Konfessionen ihre Sorge um das Oberhaupt der katholischen Kirche ausdrücken. Was gerade jetzt, in dieser schweren Zeit für den Papst, einmal mehr deutlich macht, wie unumstritten die Autorität des Heiligen Vaters ist. Abseits aller innervatikanischen Querelen, kirchenpolitischer Kontroversen oder auch bisweilen unglücklichen Äußerungen zu den weltpolitischen Herausforderungen dieser Zeit.

Die moralische Macht des Papstes ist eine der großen Stärken der katholischen Kirche. Und umso einschneidender ist es, dass nun ausgerechnet in diesen Monaten dieses personifizierte Weltgewissen ans Krankenbett gebunden ist. Der Veränderungsprozess der Welt hat in den vergangenen Wochen noch einmal an Rasanz zugelegt. Nun verschieben sich auch machtpolitische Gewichte, neue Führer werden gesucht, um die sich die Staaten gruppieren können. Und die Summen, die in die militärische Aufrüstung gepumpt werden, sind gigantisch. Das lässt nicht wenige Menschen in Sorge geraten. Gerade in solchen Zeiten sind verlässliche Größen gefragt, eine davon ist der Papst. Und der kann sich derzeit nur eingeschränkt äußern. Paradox mag es scheinen, dass die aktive politische Rolle des Papstes eigentlich überschaubar ist. Seine Machtmittel sind begrenzt, trotz der enormen Zahl von 1,4 Milliarden katholischen Gläubigen weltweit. Dass er dennoch den außerordentlichen Nimbus hat, der ihn von den meisten anderen Kirchenführern unterscheidet, liegt auch an der Konstruktion des Amtes. Als „Fels, auf dem die Kirche ruht“ gilt es von Anfang an. Im Laufe der Zeit wurde es aufgeladen zu einer quasi absoluten Machtfülle. Aber nicht die gibt dem Amt die Bedeutung in einer Zeit, in der andere, säkulare Herrscher mit einer solchen quasi absoluten Machtfülle ihr Land regieren und die Welt ins Unglück stürzen. 

Im Gegenteil: Der Papst gilt gerade mit seiner Machtfülle als Anwalt der Machtlosen. Als unbestechlicher Streiter für Arme, für Menschen am Rand. Seine einfache Sprache wirkt oft, als sei sie aus der Zeit gefallen. Und seine Friedensappelle mögen naiv erscheinen. Aber gerade deshalb fehlen sie in einer Welt, in der Erwachsene bar jeder Vernunft handeln.