Kümmernis
27.11.2023 |
Zum Wesenskern des Katholischseins gehört der Blick auf Rom. Und zu ihm gehört auch das, was man als „apostolische Sukzession“ bezeichnet, die Weitergabe des Sendungsauftrags von einer Generation der Bischöfe zu der nächsten. Dieses tief grundierte, sakramentale Autoritätsprinzip mag sich zuweilen schwer mit modernem Führungsdenken vertragen, aber weist nicht auch diese Sperrigkeit auf viele andere Widersprüchlichkeiten in der Welt hin? Jede Organisationsform mag ihre Macken haben, aber ohne ein verlässliches Vertrauen in die Institutionen geht es nun mal nicht. Deshalb lässt sich ein Brief aus Rom nicht allein mit zur Schau getragener Gelassenheit beantworten. Wohlgemerkt: das Schreiben des Kardinalstaatssekretärs ging an die Bischöfe, und die werden dem Brief schon etwas mehr Aufmerksamkeit schenken.
So gesehen ist es mehr als dringlich, dass die Verbindungen zwischen der deutschen katholischen Kirche und Rom wieder geschmeidiger werden. Dort fehlt es ganz offensichtlich an umsichtigen Vertretern, die deutsche Interessen im Blick haben und weltkirchliche dabei nicht außer Acht lassen. Das gibt Anlass zu Kümmernis.
Briefe aus Rom sollte man in Deutschland ernster nehmen.
„Betont unbekümmert“ reagiert das Zentralkommittee der Katholiken auf die neuesten Briefvolten aus Rom; „betont unbekümmert“? Seit Längerem beklagt man in Deutschland, im Vatikan wenig Gehör zu finden. Nun schreibt einer der ranghöchsten Vertreter der Kurie und alles was er erntet, soll ein Schulterzucken sein?
Zum Wesenskern des Katholischseins gehört der Blick auf Rom. Und zu ihm gehört auch das, was man als „apostolische Sukzession“ bezeichnet, die Weitergabe des Sendungsauftrags von einer Generation der Bischöfe zu der nächsten. Dieses tief grundierte, sakramentale Autoritätsprinzip mag sich zuweilen schwer mit modernem Führungsdenken vertragen, aber weist nicht auch diese Sperrigkeit auf viele andere Widersprüchlichkeiten in der Welt hin? Jede Organisationsform mag ihre Macken haben, aber ohne ein verlässliches Vertrauen in die Institutionen geht es nun mal nicht. Deshalb lässt sich ein Brief aus Rom nicht allein mit zur Schau getragener Gelassenheit beantworten. Wohlgemerkt: das Schreiben des Kardinalstaatssekretärs ging an die Bischöfe, und die werden dem Brief schon etwas mehr Aufmerksamkeit schenken.
Aber auch die deutschen Reformkräfte werden nicht umhin kommen, die realistischen Gefahren einzuschätzen, die ein weitergehendes Zerwürfnis mit dem Vatikan bedeuten könnte. Zumal der Papst in dieselbe Kerbe schlägt mit seinem Brief an vier Professorinnen. Das alles zeigt: Man sorgt sich in Rom.
Allerdings sorgt man sich auch hierzulande über vieles in und an der katholischen Kirche. Mehr noch: eine länger werdende Reihe von Bistümern wartet seit Langem vergeblich auf eine Personalentscheidung, Kölns Kardinal Woelki sogar auf eine Antwort auf seinen eingereichten Rückzug. Darunter leidet er, aber darunter leidet auch ein ganzes Erzbistum, das nicht zu den unbedeutendsten der Welt gehört. Da wirkt es dann doch irritierend, wenn vier reformkritische Laiinnen eine persönliche Antwort des Pontifex erhalten – andere indes weiter auf amtliche Antworten warten. Die vatikanische Administration war jahrhundertelang ein Muster an Akkuratesse, sie überzeugt in diesen Tagen wenig.
Allerdings sorgt man sich auch hierzulande über vieles in und an der katholischen Kirche. Mehr noch: eine länger werdende Reihe von Bistümern wartet seit Langem vergeblich auf eine Personalentscheidung, Kölns Kardinal Woelki sogar auf eine Antwort auf seinen eingereichten Rückzug. Darunter leidet er, aber darunter leidet auch ein ganzes Erzbistum, das nicht zu den unbedeutendsten der Welt gehört. Da wirkt es dann doch irritierend, wenn vier reformkritische Laiinnen eine persönliche Antwort des Pontifex erhalten – andere indes weiter auf amtliche Antworten warten. Die vatikanische Administration war jahrhundertelang ein Muster an Akkuratesse, sie überzeugt in diesen Tagen wenig.
So gesehen ist es mehr als dringlich, dass die Verbindungen zwischen der deutschen katholischen Kirche und Rom wieder geschmeidiger werden. Dort fehlt es ganz offensichtlich an umsichtigen Vertretern, die deutsche Interessen im Blick haben und weltkirchliche dabei nicht außer Acht lassen. Das gibt Anlass zu Kümmernis.
Klaus Gaßner