Berechenbar

21.11.2023 |

Stephan Burger stellt vor dem Diözesanrat klar, wie er bischöfliche Leitung versteht. 

Anerkennend und doch auch etwas verhalten. So wäre der Applaus zu beschreiben, den Erzbischof Stephan Burger nach seiner Rede vor den Mitgliedern des Diözesanrats zum Thema Synodalität erhielt. Eine ehrliche Reaktion.

Auf der einen Seite ließ Stephan Burger keinen Zweifel an seinem Einsatz für eine synodale Kirche. Im Erzbistum Freiburg steht dafür neben unterschiedlichen Gremien, Räten, Ausschüssen und Kommissionen auch das vom Erzbischof bereits wiederholt einberufene Diözesanforum, das auch im nächsten Herbst wieder zusammenkommen wird. Zudem machte Stephan Burger deutlich, dass er das Eingebundensein in synodale Strukturen gerade nicht als Einschränkung seiner vermeintlichen bischöflichen „Allmacht“ empfindet (mit der es ohnehin nicht so weit her ist), sondern als unverzichtbare Hilfe, um überhaupt kompetente Entscheidungen treffen zu können. Dass er bei aller Letztverantwortung nicht abgehoben und autonom unterwegs sein will, sondern „in und mit dem Volk Gottes“. Jeder und jede im Saal, nahm ihm das ab.

Andererseits bekannte sich der Erzbischof vor den Delegierten des Laiengremiums klar zur hierarchischen Struktur der Kirche und damit auch zu seiner eigenen bischöflichen Autorität und Entscheidungsgewalt. Zudem unterstrich er die Einbindung des Erzbistums in die Gemeinschaft der Weltkirche und die konsequente Orientierung am gültigen Kirchenrecht. Alleingänge wie sie von anderen Bischöfen in Betracht gezogen werden, lehnte Stephan Burger ebenso ab wie eine mögliche „Selbstverpflichtung“, sich Abstimmungsergebnissen zu beugen. Damit steht fest, dass es im Erzbistum Freiburg für Reformforderungen des Synodalen Weges, die den derzeit gültigen kirchenrechtlichen Rahmen verlassen, keine Aussicht auf Umsetzung gibt. Für die Mehrheit der Delegierten sicher eine ernüchternde Erkenntnis.

Aber ganz unabhängig davon, ob einem die Haltung Burgers zu einzelnen kirchenpolitischen Fragen und Reformforderungen „schmeckt“, sollte es nach dessen Ansprache  in einem wichtigen Punkt Konsens geben: Die Gläubigen im Erzbistum Freiburg wissen, wie ihr Erzbischof „tickt“ und von welchen Grundsätzen er sich leiten lässt. Statt taktierend vorzugehen und notfalls über die Bande zu spielen, redet und handelt er nach dem Motto: „Hier stehe ich und kann und will nicht anders.“ Das mag manchen zu wenig sein. Aber es bedeutet Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Berechenbarkeit. Das ist sehr viel in diesen Tagen.                                                                                                         
 
Michael Winter