Himmlisches Schauspiel

20.08.2026 |

Der Mensch ist auf Erden zu Hause. Und im Weltall ...

Wann haben Sie das letzte Mal in den Himmel geschaut? Hoffentlich nicht 1999, als die geschäftstüchtig vermarktete „SoFi“ stattfand und Betriebe ihre Belegschaft mit Spezialbrillen versorgte, damit die Angestellten für den Tag des kosmischen Spektakels nicht reihenweise Urlaub beantragten … Am Karlsruher Schloss soll besagte Sonnenfinsternis gut zu beobachten gewesen sein, wurde mir damals berichtet. Ich allerdings harrte ihrer auf dem Turm des Freiburger Münsters, ein Standort, der sich als absoluter Flop erweisen sollte.

Gewiefte Sterngucker wissen, wann sie ihre Aufmerksamkeit himmelwärts richten sollten, um in den Genuss zu kommen, eine Sternschnuppe beobachten zu können. Eigentlich ein trauriges Ereignis, weil ein Todesfall. Für die Weiten des Universums aber ein tägliches, nein: sekündliches Geschehen. Jeder Sternenhimmel, den wir staunend betrachten, ist gewissermaßen ein unendlich weiter Himmelsfriedhof. Werden und Vergehen, so schlicht lässt sich formulieren, wie Evolution funktioniert. Alles unter dem Gesetz, sich Verschwendung in Fülle leisten zu wollen, ein unfassbar vielfältiges, Jahrmillionen 
altes Spiel. 

Wenn der jüdisch-christliche Gott also ein passionierter Spieler ist, dann gehört der irdische Monat August wohl zu seinen betriebsamsten Jahreszeiten: im August bietet der Himmel alles auf, was Astrofans begeistert: Perseidenschauer, Laurenzi-Tränen und dieses Jahr sogar das seltene Doppelpack von Sonnenfinsternis (am 12. August) und Mondverdüsterung (Ende des Monats).

Jenseits allen marktschreierischen Hypes bieten diese Himmelsereignisse eine so seltene wie kostbare Gelegenheit, sich als Mensch neu aufzustellen und zu verorten. Sich bewusst zu werden, in den Weiten des Kosmos kaum die Größe eines Staubkorns auszumachen. Aber doch ein Geschöpf unter unzählig vielen anderen zu sein, dazuzugehören und – immerhin – aus Sternenstaub zusammengesetzt zu sein. Jeder und jede von uns wurde ins Dasein gebracht von Mitmenschen, die sich auf das Gesetz des Lebens eingelassen haben. Auf das unendliche Werden und Vergehen dieser Welt, aus der reinen Lust an allem, was dann da ist. 
Ja, Gott ist auch ein leidenschaftlicher Spieler. Und am liebsten spielt er Schöpfung. Er lässt sich zwar nicht in die Karten gucken, freut sich aber über jeden Mitspieler.

Brigitte Böttner