Begegnet euch!
18.11.2025 |
Also Lichterketten aus, Musikboxen runterdrehen und den Glühwein am eigenen Herd auf Temperatur bringen? Nein! Denn bei allem Pessimismus: Weihnachtsmärkte haben sich in ihrer Art verändert – aber es ist wesentlicher Bestandteil von Kultur, dass sie neue Ideen einbringt und Überholtes verwirft. Der Kern der Märkte ist gerade in den kleinen Orten und Stadtteilen gleichgeblieben. Die Menschen vor Ort kommen zusammen, weil sich Vereine und Gruppen engagieren und etwas für die Ortsgemeinschaft bieten wollen.
Dort, wo man bei der Musikkapelle einen Glühwein bekommt, beim Sportverein die Bratwurst und bei den Pfadfindern die Waffel, locken die Weihnachtsmärkte aus der zurückgezogenen Privatheit. Beim Schlendern über den Markt sieht man sich, man kennt sich, man kommt mit Nachbarn und Bekannten ins Gespräch. Solche Anlässe sind für die Ortsgemeinschaft unerlässlich, weil ein Austausch von Angesicht zu Angesicht stattfinden kann.
Die Sicherheitsvorgaben sind aufgrund terroristischer Anschläge gestiegen; deshalb stehen gerade kleine Veranstalter unter Druck. Sicherheitspersonal und Autosperren kosten auch bei kleinen Märkten Geld. Die Veranstalter verdienen Unterstützung und Engagement, Weihnachtsmärkte als Orte des Zusammenkommens zu erhalten. Glühwein und Plätzchen zu kaufen, kann den notorisch klammen Vereinskassen helfen und wer weiß: vielleicht erwärmt der Plastikengel das Herz gerade genug, um ihn daheim auf dem Sideboard zu platzieren.
Benedikt Hohl
Auf Weihnachtsmärkten, die von Engagierten getragen werden
Auf Weihnachtsmärkten gibt es viel, darunter auch viel Kitsch. Deshalb beginnt für Kulturpessimisten bald wieder eine schwere Zeit: Saisonale Staubfänger, die in der Wohnung Platz wegnehmen, Räucherstäbchen, die allerlei große Versprechen machen. Und wenn man doch einmal eine lokale Kunsthandwerkerin findet, die schöne Kostbarkeiten anbietet, überlagern die wabernden Röstaromen der nächsten Bratwurstbude das gemütliche Stöbern.
Doch Weihnachtsmärkte können mehr sein als Orte des geschmacklosen Konsums: Orte des Zusammenkommens. Kulturpessimisten dürfen sich an Aspekten der Weihnachstmärkte stören. Das verfrühte Aufstellen von Weihnachtsbäumen, was von der kulturellen Unkenntnis vieler Menschen zeugt. Das Übergehen der vielen schönen Adventslieder in deutscher Sprache, die von Hits à la Last Christmas verdrängt werden. Oder die Nutzung christlicher Symbole, um mehr Leute auf den Markt zu bringen und größere Umsätze zu generieren.
Also Lichterketten aus, Musikboxen runterdrehen und den Glühwein am eigenen Herd auf Temperatur bringen? Nein! Denn bei allem Pessimismus: Weihnachtsmärkte haben sich in ihrer Art verändert – aber es ist wesentlicher Bestandteil von Kultur, dass sie neue Ideen einbringt und Überholtes verwirft. Der Kern der Märkte ist gerade in den kleinen Orten und Stadtteilen gleichgeblieben. Die Menschen vor Ort kommen zusammen, weil sich Vereine und Gruppen engagieren und etwas für die Ortsgemeinschaft bieten wollen.
Dort, wo man bei der Musikkapelle einen Glühwein bekommt, beim Sportverein die Bratwurst und bei den Pfadfindern die Waffel, locken die Weihnachtsmärkte aus der zurückgezogenen Privatheit. Beim Schlendern über den Markt sieht man sich, man kennt sich, man kommt mit Nachbarn und Bekannten ins Gespräch. Solche Anlässe sind für die Ortsgemeinschaft unerlässlich, weil ein Austausch von Angesicht zu Angesicht stattfinden kann.
Die Sicherheitsvorgaben sind aufgrund terroristischer Anschläge gestiegen; deshalb stehen gerade kleine Veranstalter unter Druck. Sicherheitspersonal und Autosperren kosten auch bei kleinen Märkten Geld. Die Veranstalter verdienen Unterstützung und Engagement, Weihnachtsmärkte als Orte des Zusammenkommens zu erhalten. Glühwein und Plätzchen zu kaufen, kann den notorisch klammen Vereinskassen helfen und wer weiß: vielleicht erwärmt der Plastikengel das Herz gerade genug, um ihn daheim auf dem Sideboard zu platzieren.
Benedikt Hohl