An einen Tisch
25.06.2025 |
Seit 2007, also seit fast 20 Jahren, tritt das sogenannte „Forum der Religionen“ in Mannheim für ein friedliches, vertrauensvolles und freundschaftliches Miteinander der Religionen in der Stadt ein. Dieses etablierte Dialog-Format zahlte sich besonders in Krisensituationen aus.
Es ist ein Armutszeugnis für unser Land, dass Juden im Angesicht eines zunehmenden Antisemitismus um ihre Sicherheit fürchten müssen, wenn sie sich in der Öffentlichkeit zu ihrem Glauben bekennen. Und es ist bitter, dass diese Angst nun
auch den vor allem im Angesicht des Nahost-Krieges so wichtigen Dialog verhindert – nicht nur zwischen den Vertreterinnen und Vertretern der abrahamitischen Religionen, sondern vor allem auch mit „Hinz und Kunz“. Denn niederschwellige Orte und Begegnungsmöglichkeiten, die geeignet wären, um Vorurteile gegenüber Juden und Muslimen abzubauen, aber auch um ihre Sicht auf die Weltlage zu erfahren, sind rar.
Es bleibt zu hoffen, dass es Mannheim, das sich sonst für seine kulturelle und religiöse Toleranz rühmt, gelingen wird, aus dem Schatten des Nahost-Krieges herauszutreten. Vielleicht ist eine „bunte Tafel“ angesichts der ernsten Lage ja wirklich nicht das Format der Stunde, ein interreligiöses Treffen, das die Nationalitäten und Religionen an einen Tisch bringt, wäre es auf jeden Fall.
Zur Absage der „Meile der Religionen“ in Mannheim
Es ist ein unvergessenes Bild: Als am 31. Mai des vergangenen Jahres in Mannheim ein IS-Sympathisant
den Polizisten Rouven Lahr bei einem Messerangriff tötete und fünf weitere Personen schwer verletzte, gedachten eine Woche später auch Vertreter der verschiedenen Religionsgemeinschaften der Stadt gemeinsam der Opfer. Das Bild vom Marktplatz, wie die Vorsteher der Gemeinden niederknieten, um eine weiße Rose abzulegen, sprach für sich: Die Stadtgesellschaft und mit ihr die Religionsgemeinschaften stehen für Gewaltfreiheit und lassen sich nicht entzweien.
den Polizisten Rouven Lahr bei einem Messerangriff tötete und fünf weitere Personen schwer verletzte, gedachten eine Woche später auch Vertreter der verschiedenen Religionsgemeinschaften der Stadt gemeinsam der Opfer. Das Bild vom Marktplatz, wie die Vorsteher der Gemeinden niederknieten, um eine weiße Rose abzulegen, sprach für sich: Die Stadtgesellschaft und mit ihr die Religionsgemeinschaften stehen für Gewaltfreiheit und lassen sich nicht entzweien.
Seit 2007, also seit fast 20 Jahren, tritt das sogenannte „Forum der Religionen“ in Mannheim für ein friedliches, vertrauensvolles und freundschaftliches Miteinander der Religionen in der Stadt ein. Dieses etablierte Dialog-Format zahlte sich besonders in Krisensituationen aus.
2009 veranstaltete das Forum erstmals eine „Meile der Religionen“, bei der das gute Miteinander durch eine lange, bunt gedeckte Tafel und interreligiöse Gebete seinen Ausdruck findet – ein bundesweit einmaliges Projekt. Am 24. Juni dieses Jahres sollte das Friedens- und Begegnungsfest zum sechsten Mal stattfinden und wurde nun kurzfristig abgesagt. Schon vor Monaten hatte Mannheims größte Moschee ihre Teilnahme zurückgezogen, angesichts des eskalierenden Nahost-Kriegs stieg kurzfristig auch die jüdische Gemeinde wegen Sicherheitsbedenken aus. Weitere Gruppen folgten, die christlichen Gemeinschaften waren nicht darunter.
Es ist ein Armutszeugnis für unser Land, dass Juden im Angesicht eines zunehmenden Antisemitismus um ihre Sicherheit fürchten müssen, wenn sie sich in der Öffentlichkeit zu ihrem Glauben bekennen. Und es ist bitter, dass diese Angst nun
auch den vor allem im Angesicht des Nahost-Krieges so wichtigen Dialog verhindert – nicht nur zwischen den Vertreterinnen und Vertretern der abrahamitischen Religionen, sondern vor allem auch mit „Hinz und Kunz“. Denn niederschwellige Orte und Begegnungsmöglichkeiten, die geeignet wären, um Vorurteile gegenüber Juden und Muslimen abzubauen, aber auch um ihre Sicht auf die Weltlage zu erfahren, sind rar.
Es bleibt zu hoffen, dass es Mannheim, das sich sonst für seine kulturelle und religiöse Toleranz rühmt, gelingen wird, aus dem Schatten des Nahost-Krieges herauszutreten. Vielleicht ist eine „bunte Tafel“ angesichts der ernsten Lage ja wirklich nicht das Format der Stunde, ein interreligiöses Treffen, das die Nationalitäten und Religionen an einen Tisch bringt, wäre es auf jeden Fall.
Kirsten Zimmerer