Zu Ende gedacht?
29.04.2024 |
Die Gründe, die von den Verantwortlichen in einem „Eckpunktepapier“ für diesen Schritt aufgeführt werden, sind wenig überraschend. Die Caritas versteht sich als politische Interessensvertretung. Das heißt, es geht dem Verband immer auch darum, inhaltlich auf die politischen Entscheidungen Einfluss zu nehmen, vor allem zugunsten der schwachen, ärmeren, kranken, geflüchteten und sonst auf irgendeine Art benachteiligten Menschen. Zudem ist die Caritas zur Finanzierung ihrer Projekte in hohem Maße auf staatliche Gelder angewiesen. Das gilt für Projekte in Deutschland, aber auch für die unablässige und unverzichtbare Entwicklungs- und Katastrophenhilfe wie sie von Caritas international geleistet wird. Sowohl die politische als auch die finanzielle Lobbyarbeit erscheinen auf den ersten Blick erfolgversprechender, wenn die Wege kurz und auch spontane Treffen zwischen wichtigen Akteuren auf beiden Seiten möglich sind.
So plausibel diese Argumentation zunächst daherkommt – Anfragen müssen erlaubt sein: Ist die räumliche Präsenz der Caritas-Zentrale in Berlin im Zeitalter der unkomplizierten digitalen Kommunikation wirklich unabdingbar? Sind die bereits bestehenden Caritas-Büros in Berlin nicht Präsenz genug, sodass es gar keine Verlegung der Zentrale braucht? Ist die Caritas im Vergleich zu anderen Wohlfahrtsverbänden, die schon länger in Berlin sind, in den letzten Jahren wirklich politisch und finanziell ins Hintertreffen geraten, weil sich ihre Zentrale am anderen Ende des Landes befindet? Umgekehrt: Könnte es möglicherweise sogar sinnvoll sein, bewusst nicht dort zu agieren, wo sich ohnehin schon sämtliche Verbände, Einrichtungen und Lobbyisten der Republik auf die Füße treten, um Einfluss zu nehmen?
Möglicherweise sind ja die Entscheider in Berlin für diejenigen Lobbyisten offener, von denen sie wissen, dass sie nicht gleich am nächsten Tag persönlich auf der Matte stehen. Und verfügt die Stadt Freiburg mit ihrem herausragenden Image nicht über einen besonderen Charme, der sich künftig sogar als Standortvorteil erweisen könnte? Kurzum: Bei näherem Hinsehen erscheint bei der Entscheidung für den Umzug nicht alles zu Ende gedacht. Aber noch wäre ja noch Zeit zum weiteren Nachdenken.
Michael Winter
Der Beschluss der Caritas zum Umzug nach Berlin wirft Fragen auf
Es ist eine schlechte Nachricht für Freiburg. Für die Stadt wie auch für das Erzbistum. Der Deutsche Caritasverband (DCV) hat beschlossen, seine Zentrale alsbald nach Berlin zu verlagern. Zwar soll in Freiburg eine Geschäftsstelle des DCV verbleiben. Aber dass die „Musik“ an der Spree und nicht mehr an der Dreisam spielen wird, dürfte außer Frage stehen. Die Rede von der „Caritas“-Hauptstadt Freiburg wird obsolet. Der Beschluss im Caritasrat, einer Art Aufsichtsrat des Verbandes, erfolgte einstimmig. Immerhin: Es wird keine standortbezogenen Kündigungen geben.
Die Gründe, die von den Verantwortlichen in einem „Eckpunktepapier“ für diesen Schritt aufgeführt werden, sind wenig überraschend. Die Caritas versteht sich als politische Interessensvertretung. Das heißt, es geht dem Verband immer auch darum, inhaltlich auf die politischen Entscheidungen Einfluss zu nehmen, vor allem zugunsten der schwachen, ärmeren, kranken, geflüchteten und sonst auf irgendeine Art benachteiligten Menschen. Zudem ist die Caritas zur Finanzierung ihrer Projekte in hohem Maße auf staatliche Gelder angewiesen. Das gilt für Projekte in Deutschland, aber auch für die unablässige und unverzichtbare Entwicklungs- und Katastrophenhilfe wie sie von Caritas international geleistet wird. Sowohl die politische als auch die finanzielle Lobbyarbeit erscheinen auf den ersten Blick erfolgversprechender, wenn die Wege kurz und auch spontane Treffen zwischen wichtigen Akteuren auf beiden Seiten möglich sind.
So plausibel diese Argumentation zunächst daherkommt – Anfragen müssen erlaubt sein: Ist die räumliche Präsenz der Caritas-Zentrale in Berlin im Zeitalter der unkomplizierten digitalen Kommunikation wirklich unabdingbar? Sind die bereits bestehenden Caritas-Büros in Berlin nicht Präsenz genug, sodass es gar keine Verlegung der Zentrale braucht? Ist die Caritas im Vergleich zu anderen Wohlfahrtsverbänden, die schon länger in Berlin sind, in den letzten Jahren wirklich politisch und finanziell ins Hintertreffen geraten, weil sich ihre Zentrale am anderen Ende des Landes befindet? Umgekehrt: Könnte es möglicherweise sogar sinnvoll sein, bewusst nicht dort zu agieren, wo sich ohnehin schon sämtliche Verbände, Einrichtungen und Lobbyisten der Republik auf die Füße treten, um Einfluss zu nehmen?
Möglicherweise sind ja die Entscheider in Berlin für diejenigen Lobbyisten offener, von denen sie wissen, dass sie nicht gleich am nächsten Tag persönlich auf der Matte stehen. Und verfügt die Stadt Freiburg mit ihrem herausragenden Image nicht über einen besonderen Charme, der sich künftig sogar als Standortvorteil erweisen könnte? Kurzum: Bei näherem Hinsehen erscheint bei der Entscheidung für den Umzug nicht alles zu Ende gedacht. Aber noch wäre ja noch Zeit zum weiteren Nachdenken.
Michael Winter