Macht und Meinung

14.02.2024 |

Eine Pop-Ikone wird in den USA zu einem politischen Faktor. Beängstigend, meint Yvonne Jarosch.

Angsteinflößend wirkt Taylor Swift, eine der erfolgreichsten amerikanischen Popsängerinnen, nicht gerade. Dennoch hat einer der mächtigsten Männer der Welt Angst vor ihr – Donald Trump. Und wenn einer der mächtigsten Männer Angst vor Taylor Swift hat, macht sie das dann im Umkehrschluss zur mächtigsten Frau der Welt? Was ihren Einfluss betrifft, mit Sicherheit.
Denn viele Swifties, wie sich die Fans (und in den USA sind das rund 130 Millionen) der 34-Jährigen bezeichnen, machen ihre Stimmabgabe bei der US-Wahl gern auch mal von dem Mega-Star abhängig und würden den Kandidaten wählen, den sie unterstützt. Das hat schon der letzte Wahlkampf gezeigt: Ein Post von Swift für Joe Biden führte zu 35 000 Wählerregistrierungen. Taylor Swift kann also nicht nur die Inflationsrate in dem Land ansteigen lassen, durch das sie gerade tourt, bei ihren Konzerten die Erde zum Beben bringen und Amnesien verursachen, sondern auch Wählerstimmen beeinflussen. Und die hätte Biden nötig, um den Wahlkampf gegen Donald Trump zu gewinnen. 

Mal angenommen, Taylor Swift würde sich auch dieses Mal für Biden aussprechen und würde ihre Fans dazu bewegen, ihn zu wählen … Das könnte die Demokratie in den USA aufrechterhalten – fürs Erste jedenfalls. Denn wahre Überzeugung sieht anders aus. Überzeugt sind die Fans von Taylor Swift – nicht von Biden oder der Demokratie. Soziale Medien beeinflussen Meinungen und Entscheidungen mehr denn je. Nicht nur beim Kleiderkauf oder der Frage, wohin die nächste Reise gehen soll – auch im politischen und gesellschaftlichen Bereich. Die sogenannten Influencer, („Beeinflusser“, die die sozialen Medien beherrschen), können Menschen gewaltig verführen. Und diese Medaille hat zwei Seiten, die aufs Erste recht ähnlich scheinen: Nutzer können ihre Meinung in sozialen Medien frei äußern, politische Diskussionen führen, ihre Anliegen teilen und mobilisieren – aber eben in alle Richtungen. Dabei entstehen nicht selten Fake-News, Polarisierung, Hassreden und Desinformation. Wie auch im Fall Taylor Swift. Die einen lieben sie, die anderen fürchten sie:  Trump-Anhänger sogar so sehr, dass sie Verschwörungstheorien à la „Taylor Swift sei die ferngesteuerte Geheimwaffe der Demokraten“ verbreiten. Und irgendwie ist es beängstigend, welch gewaltige Wirkung, welchen Einfluss, ja welche Macht ein einziger Mensch haben kann. Aber sorgt man sich um die amerikanische Demokratie, so kann man sich ein Statement von Swift für Biden nur wünschen. Oder noch besser: Taylor Swift for President. Dann kommen die Stimmen der Swifties wenigstens direkt bei dem Mega-Star an und müssen keine Umwege mehr machen.                                                                            Yvonne Jarosch