Nicht exklusiv ...

11.12.2023 |

... sondern herausgehoben: Was uns an Maria aufgehen kann

Mitten in der vorweihnachtlichen Zeit steht im katholischen Adventskalender ein Marienfeiertag an: Das „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau Maria“ vom 8. Dezember. Das Dogma, ausgegeben von Pius IX. im Jahr 1854, akzentuiert eine Grundaussage des Glaubens: Gott setzt in Maria einen radikalen Neuanfang in seiner Geschichte mit den Menschen und unterbricht durch seine Menschwerdung den Kreislauf des Bösen. An Maria wird deutlich, verkündet die Kirche, wie Gott den Menschen von seinem Ursprung her gedacht hat; sie ist gewissermaßen das „unverdorbene Konzept“ Gottes vom Menschen.

Ein Dogma allerdings mit Schieflage, findet der Münchner Theologe Andreas Batlogg – und schlägt eine Umbenennung vor. Die „Vollversion“ des Festnamens enthalte nämlich „eine Reihe theologischer Hypotheken“ und der volkstümlich „unbefleckte Empfängnis“ genannte Glaubenssatz bestätige den Vorwurf der kirchlichen Sexualfeindlichkeit. Bis heute, wo die Institution in Sachen Moral gründlich abgewirtschaftet hat. Nicht nur vor diesem Hintergrund wirkt die Vorstellung einer sogenannten „Erbsünde“ der Menschheit, eine theologische Mitgift des Kirchenvaters Augustinus aus dem 4. Jahrhundert, heute mehr als unzeitgemäß. Am 8. Dezember geht es nicht darum, Maria als gehorsame Magd oder demütige, makellose Jungfrau darzustellen. Sondern den Blick auf diese von Gott ausersehene Frau aus dem Volke zu richten. „Im Blick auf Jesus, der einen neuen Anfang in der Weltgeschichte gesetzt hat, ist der Anfang Marias wunderbar“ (Batlogg). Der Begriff „Mariä Erwählung“ trifft somit besser, worum es geht.

Stichwort „demütig“: Jahrhunderte­lang wurde der Ungehorsam des ersten Menschenpaares als Ursache unserer „Vertreibung aus dem Paradies“ herangezogen, um Menschen Gehorsam zu predigen. Und das nicht selten mit Verweis auf die verhängnisvolle Verführbarkeit „der Frau“. Was im Umkehrschluss dazu führte, dass die demütig-gehorsame Jungfrau-Muttergottes als perfektes Gegenbild diente. Das ist mindestens missbräuchlich. 

Maria als Vorbild in Glaubensmut und Gottvertrauen illustriert ja gerade, dass der Mensch, von Gott als Ebenbild geschaffen, an der guten Schöpfung mitwirken kann und dazu berufen ist, wie gleich zu Beginn der Bibel betont. „Mariä Erwählung“ ist gerade nicht exklusiv. Der Anruf Gottes an die „Mutter aller Lebenden“ (so einer ihrer Titel) gilt uns allen.
 
Brigitte Böttner