Und danach?

31.10.2023 |

Eine Umfrage zeigt den fragilen Glauben an Leben nach dem Tod

„Ach, der November trägt den Trauerflor ...“, heißt es so trefflich in Erich Kästners „Dreizehn Monaten“ zum Elften in der Reihe. Der Schriftsteller findet viele anschauliche Bilder für das, was die Lebenden im Rahmen der zahlreichen Gedenktage zu bestehen haben: das dunkle Tor des Friedhofs passieren, ihre Toten besuchen, der Gefallenen der Weltkriege gedenken, sich den Klagegesängen der Liturgie aussetzen. Und das womöglich in feucht-kalter Witterung unter wolkenverhangenem Himmel. Kein Wunder, dass der November als „Depri-Monat“ schlechthin gilt, daran ändern auch mögliche sonnige und milde Tage des späten Herbstes nicht; das Attribut „golden“ hat der Oktober erobert.
 
Eine neue Umfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur wartet nun mit einem weiteren ernüchternden Befund auf: Knapp jeder Fünfte in Deutschland glaubt fest an ein Leben nach dem Tod; jüngere Menschen eher als ältere. Jeder Sechste hat große Angst vor dem Sterben. Dass mit zunehmendem Alter die Tendenz zu Glaubenszweifeln wächst, ist aus früheren Erhebungen bekannt und aus einer Portion gewachsener Lebenserfahrung: die verminderte Lebensperspektive und der Verlust gleichaltriger Lebensgefährten mögen dafür Gründe sein, wenn das eigene Ende in Sichtweite rückt. Warum aber wirkt der Glaube nicht wenigstens gegen die (große) Angst vor dem Tod? Steht im christlichen Glauben nicht die Botschaft von der Auferstehung im Mittelpunkt? Sollten wir also nicht, wie Friedrich Nietzsche schon anmahnte, viel „erlöster“ durch die Welt gehen und Hoffnung unter den Mitmenschen verbreiten? 
 
Schwierig, wenn man sich die traditionellen Rituale um Tod und Sterben betrachtet, bei denen das Stimmungsbarometer schon bei den Gesängen gegen Null abfällt: düstere Weisen mit erdenschweren Texten, klagende Litaneien unter ständigem Verweis auf die Nichtig- und Sündhaftigkeit allen menschlichen Lebens, auch eines „auf Glaub‘ und Treu“ „christlich“ geführten. Gott sei Dank! ist diesbezüglich in der jüngeren Zeit viel in Bewegung gekommen, werden vermehrt auch Osterlieder im Sterbeamt gesungen und gespielt.
 
„Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod“, heißt es zutreffend im ersten Brief an die junge Christengemeinde in Korinth. Das Wissen um die eigene Sterblichkeit ist untrennbar Teil der Umstände des Menschseins. Auch für jene, die auf Christus setzen. Auch ihnen bleibt „nur“ die Verkündigung des Evangeliums, der „Frohen Botschaft“. Und das ist viel. 
 
Brigitte Böttner