Unbequeme Fragen
05.09.2023 |
Dass die Kirchen und ihre Verbände politische Entscheidungen kritisch begleiten, die die Schwächsten der Gesellschaft betreffen, ist auf jeden Fall zu begrüßen. Gleichzeitig müssen auch sie selbst sich unbequemen Fragen stellen. Wie und wo und in welchem Umfang wollen und können die Kirchen künftig Kinder und Familien unterstützen? Die Antwort darauf dürfte in den bevorstehenden Jahren immer schwerer werden, denn die Ressourcen – Geld, Personal, Engagement – werden knapper. Soll sich eine Kirchengemeinde im gut situierten Stadtteil auch weiterhin viele Kindergärten leisten? Und wie steht es mit den Schulen, die immer mehr Mühe haben, übezeugtes und überzeugendes katholisches Lehrpersonal für die Mitarbeit zu gewinnen? Hat die kirchliche Kinder- und Jugendarbeit zur Nachwuchsgewinnung oberste Priorität oder wäre es nicht wichtiger, bedürftigen Kindern mittags zu einer warmen Mahlzeit zu verhelfen? (Zugespitzte) Fragen, deren Beantwortung mehr als schwer fällt. Schon jetzt ist der öffentliche Aufschrei groß, wenn die Kirche Einrichtungen aufgibt. Das zeigen die Schulschließungen im Erzbistum Hamburg, das zeigt sich aber auch im Erzbistum immer dann, wenn Kirchengemeinden darüber nachdenken, die Trägerschaft von Kindergärten abzugeben.
Immer wichtiger wird es, über die Bedürfnisse von Familien und Kindern genau Bescheid zu wissen. Nur so kommen (Hilfs-)Angebote auch wirklich an und es werden keine Ressourcen verschwendet. Und fest steht auch: Wer sich auch künftig ein Urteil über die Familienpolitik leisten möchte, der darf selbst als letztes den Rotstift ansetzen, wenn es um die Unterstützung von Familien und Kindern geht.
Kirsten Zimmerer
Zur kirchlichen Kritik an der geplanten Kindergrundsicherung
Auch nach der Einigung der Ampelkoalition reißt die Kritik an der geplanten Kindergrundsicherung nicht ab. Mit dieser Leistung wollen SPD, Grüne und FDP ab 2025 die Kinderarmut in Deutschland bekämpfen. Rund jedes fünfte Kind ist laut aktueller Studien in Deutschland von Armut bedroht. Kritik gibt es sowohl an den für die Kindergrundsicherung angesetzten finanziellen Mitteln, befürchtet wird außerdem ein zu großer und vor allem teurer bürokratischer Aufwand. Auch kirchliche Verbände wie die Diakonie oder das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken halten die für das erste Jahr veranschlagten Mehrkosten von 2,4 Milliarden Euro für viel zu gering, um eine große Sozialreform anzustoßen.
Dass die Kirchen und ihre Verbände politische Entscheidungen kritisch begleiten, die die Schwächsten der Gesellschaft betreffen, ist auf jeden Fall zu begrüßen. Gleichzeitig müssen auch sie selbst sich unbequemen Fragen stellen. Wie und wo und in welchem Umfang wollen und können die Kirchen künftig Kinder und Familien unterstützen? Die Antwort darauf dürfte in den bevorstehenden Jahren immer schwerer werden, denn die Ressourcen – Geld, Personal, Engagement – werden knapper. Soll sich eine Kirchengemeinde im gut situierten Stadtteil auch weiterhin viele Kindergärten leisten? Und wie steht es mit den Schulen, die immer mehr Mühe haben, übezeugtes und überzeugendes katholisches Lehrpersonal für die Mitarbeit zu gewinnen? Hat die kirchliche Kinder- und Jugendarbeit zur Nachwuchsgewinnung oberste Priorität oder wäre es nicht wichtiger, bedürftigen Kindern mittags zu einer warmen Mahlzeit zu verhelfen? (Zugespitzte) Fragen, deren Beantwortung mehr als schwer fällt. Schon jetzt ist der öffentliche Aufschrei groß, wenn die Kirche Einrichtungen aufgibt. Das zeigen die Schulschließungen im Erzbistum Hamburg, das zeigt sich aber auch im Erzbistum immer dann, wenn Kirchengemeinden darüber nachdenken, die Trägerschaft von Kindergärten abzugeben.
Immer wichtiger wird es, über die Bedürfnisse von Familien und Kindern genau Bescheid zu wissen. Nur so kommen (Hilfs-)Angebote auch wirklich an und es werden keine Ressourcen verschwendet. Und fest steht auch: Wer sich auch künftig ein Urteil über die Familienpolitik leisten möchte, der darf selbst als letztes den Rotstift ansetzen, wenn es um die Unterstützung von Familien und Kindern geht.
Kirsten Zimmerer