Nüchtern betrachten
15.08.2023 |
Die Legalisierung von Cannabis führt auf einen Irrweg.
„Keine Macht den Drogen!“ Der Slogan der 1990 von Fußball-Idol Karl-Heinz Rummenigge mit Unterstützung der damaligen Bundesregierung aufgezogenen Kampagne dürfte vielen noch in Erinnerung sein, zumal der später gegründete gleichnamige Verein bis heute aktiv ist. Auch der Slogan ist bis heute anschlussfähig – und zwar gleichermaßen bei Befürwortern wie Gegnern der von der Ampel-Koalition vorangetriebenen Legalisierung von Cannabis: Während die einen auf Abschreckung durch Strafe setzen, erwarten die anderen bessere Kontrolle durch Entkriminalisierung; was nicht (mehr) verboten ist, verliert an Reiz, so die Hoffnung.
Dabei geht es zunächst mal um kleine Mengen: Der Besitz von bis zu 25 Gramm Cannabis zum Eigengebrauch soll für Erwachsene ebenso strafffrei bleiben wie der Besitz von drei Cannabispflanzen zum Eigenanbau. Kritiker monieren, das kleinteilige Gesetz werde zu hohem behördlichen Kontrollaufwand führen. Andere sehen in der Legalisierung gesundheitliche Risiken für Heranwachsende, eine mehr als berechtigte Sorge, wie der Vergleich mit den so genannten „gesellschaftlich akzeptierten“ Drogen Tabak und Alkohol zeigt: Altersbeschränkungen allein verhinderten nicht, dass schon Jugendliche an den „Stoff“ kommen.
Nun sind Regierungsbündnisse bekanntermaßen keine Liebesheiraten; was im Koalitionsvertrag steht, speist sich aus den Versprechen der Parteien an ihre jeweilige Zielgruppe und Wahl-Klientel. So auch das „Modell-Projekt“ zum lizensierten Verkauf von Cannabis. Ein Ansinnen, das bei großen Teilen der Bevölkerung auf Skepsis stößt. Dem „besseren Schutz“ durch gesicherten (weil kontrollierten) Zugang zur Droge steht entgegen, dass eine Legalisierung zugleich das Risikobewusstsein senken kann – und damit zu mehr Konsum führt. Ärzteschaft, Polizei und Justiz sehen überdies die Belastung, die eine Gesetzesänderung nach sich zöge.
„Keine Macht den Drogen“: Sollte eine Gesellschaft nicht alles genau daran setzen? Sollte es in Schule und Freizeit, Sport und Kultur nicht vor allem darum gehen, aufzuzeigen, dass nichts über „echte“ Erlebnisse geht und „bewusstseinserweiternde“ Substanzen dabei eher kontraproduktiv sind? Alkohol ist gesellschaftlich akzeptiert, doch er stiftet viel Unheil. Und jetzt soll noch ein weiteres Rauschmittel dazukommen, ohne Not, der schieren Gleichberechtigung halber? Es gibt wichtigere Projekte als ein neues „Recht auf Rausch“. Das zeigt der nüchterne Blick in die Gegenwart.
Brigitte Böttner