Auftreten!

24.05.2023 |

Auftreten? Oder Austreten? Ein Kommentar zu Lukas Färbers Austritt aus der katholischen Kirche

Er war ein Mann der ersten Stunde, wie es so schön heißt: Lukas Färber gehörte in der Synodalversammlung zur Gruppe der Teilnehmenden unter 30 Jahren, benannt worden für die Mitarbeit beim Reformprozess war er vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Färber war Teil der synodalen Beratungen bis zu deren Abschluss im März. Er hatte sich im vergangenen Jahr bei der Kampagne #OutInChurch beteiligt, bei der sich rund 125 Mitarbeitende und Mitglieder der Kirche als „queer“ offenbarten, etwa als homosexuell oder transgeschlechtlich; die Bewegung fordert ebenfalls Reformen in der Kirche.
Nun ist Lukas Färber, der hauptamtlich für den BDKJ tätig ist, aus der katholischen Kirche ausgetreten. Was das beruflich bedeuten könnte, ist offen; jüngst wurde das kirchliche Arbeitsrecht reformiert, so dass es durchaus sein könnte, dass der Kirchenaustritt nicht automatisch zur Kündigung führt. 
Bitter ist die Nachricht trotzdem: Da hat ein junger Mensch hoffnungsvoll für Veränderungen in „seiner“ Kirche gekämpft, sich mit Gleichgesinnten vernetzt und verbündet, und dabei, wie er selbst bekundet, durchaus „bestärkende“ Erfahrungen gemacht. Trotzdem sei das Reformprojekt für ihn „vor allem eine Ohnmachtserfahrung“ gewesen, so Färber. Weil die Amtskirche kaum reformierbar sei, wie er meint. „Wiederholt habe ich mich gefragt, ob die Mitgliedschaft in dieser Amtskirche noch mit meinem christlichen Moralverständnis vereinbar ist“, so Färber wörtlich.
Frisst die Revolution ihre Kinder? Nicht wenige geben in diesen Tagen deutlich zu verstehen, dass sie „an ihrer Kirche“ leiden, dass ihnen die Kluft zwischen reformerischen Ideen und gebremster Umsetzung auch körperliche Leiden beschert. Könnte es also wirklich sein, dass eine „Mitgliedschaft in dieser Amtskirche“ so sehr mit der eigenen Überzeugung kollidiert, dass Gesundbleiben schwierig erscheint?
Ähnlich wie Lisa Kötter, Mitbegründerin der Frauenreformbewegung „Maria 2.0“, die vor knapp zwei Jahren ihren Kirchenaustritt publik machte, sich aber nach wie vor „mit anderen außerhalb und innerhalb der Kirche“ verbindet, erklärt auch Färber: „Ich bin und bleibe getauft. Ich bin und bleibe Christ ... Ich bin und bleibe Träumer und Botschafter für eine gerechte Kirche und Welt.“ Doch wie weit wird er reichen, der Atem für Kirchenträume? Bleibt zu hoffen, dass möglichst wenigen die Luft ausgeht, dass vielmehr die Ausdauer wächst ...                     Brigitte Böttner