In der argentinischen Hauptstadt haben Armenpriester eine Prozession für den 2025 gestorbenen Papst Franziskus organisiert. Es ist ein Aufruf, das Erbe des ersten Kirchenoberhauptes aus Lateinamerika nicht zu vergessen.
In Buenos Aires haben Tausende mit einer Prozession an Papst Franziskus erinnert. Im Mittelpunkt stand sein Einsatz für die Armen, der in den Vierteln bis heute nachwirkt.
Es ist Samstagnachmittag in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires. Mitte April kann sich das Wetter noch nicht zwischen Sommer und Herbst entscheiden. Mal brennt die Sonne, dann ist es schattig.
Trotzdem sind Tausende Menschen ins Armenviertel gekommen, um an einer ganz besonderen Gedenkveranstaltung mit Prozession teilzunehmen. Dafür verteilt eine junge Frau bunte Flyer. "Um ihn geht es heute", sagt sie und zeigt auf das bedruckte Stück Papier. Vorne ist Papst Franziskus mit einem strahlenden Lachen zu sehen. Auf der Rückseite steht sein Vermächtnis: "Eine arme Kirche für die Armen."
Erbe von Franziskus in Erinnerung halten
Mitorganisiert hat das Gedenken ein Jahr nach dem Tod von Franziskus - er starb am 21. April 2025 - Padre Toto. Treffpunkt ist deshalb auch seine Kirche im Armenviertel Villa 21-24. "Es geht darum, das Erbe von Franziskus in Erinnerung zu halten", sagt er im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Dann muss Padre Toto viele Hände schütteln; es gibt Umarmungen, viele argentinische Begrüßungsküsschen. Von seiner Kirche aus geht es in Minibussen zur Basilika in Flores, dem Viertel, in dem Jorge Bergoglio geboren wurde und aufgewachsen ist. "Wir wollen die wichtigsten Schritte seines Wirkens hier in dem Viertel nachvollziehen", sagt Padre Toto.
In Flores angekommen, steht erst ein Gottesdienst auf dem Programm und anschließend ein großes Mittagessen. Dann setzt sich der besondere Gedenkzug zu Ehren des früheren Papstes in Bewegung.
Ein Besuch des grünen Rasens von San Lorenzo
Erster Anlaufpunkt ist die Avenida Varela 268. Es ist das Haus, in dem Franziskus als Jorge Bergoglio am 17. Dezember 1936 geboren wurde. Es geht weiter zur Schule, zum Krankenhaus und - natürlich - auf den grünen Rasen des Profiklubs San Lorenzo, der Lieblingsmannschaft des Fußballfans Francisco.
An jeder Station gibt es Hinweise von einem Lautsprecherwagen: "Wir beten für alle Kranken, für alle, die medizinische Hilfe brauchen. Auf dass diese Hilfe nie versiegen möge", heißt es am Hospital Piñero, zehn Blocks vom Geburtshaus entfernt. Zwischen den Zeilen gibt es immer Kritik an der Kürzungspolitik des amtierenden libertären Präsidenten Javier Milei. Der will mit radikalen Sparmaßnahmen den hoch verschuldeten Staatshaushalt sanieren und die Volkswirtschaft ankurbeln.
Franziskus stand den lange regierenden, heute oppositionellen linksgerichteten Peronisten nahe. Deren nicht ganz unumstrittene Jugendorganisation "La Campora" hat entlang der Route Franziskus-Plakate aufhängen lassen. Zu lesen ist eine der berühmtesten Aussagen des Papstes: "Hagan Lio". Sinngemäß übersetzt heißt das: "Macht Ärger, wehrt Euch, verschafft Euch Gehör." Viele Menschen haben Fotos von Franziskus dabei. Wird angehalten und gebetet, recken sie die Bilder in die Höhe.
Unvergessen in den Armenvierteln
Entlang der Strecke sind auch Plakate mit der Aufschrift "Pacto Humano" (Pakt der Menschlichkeit) zu lesen. Sie zeigen das Tagesprogramm, beschreiben aber auch das Erbe des Papstes. "Franziskus hat immer den Menschen in den Mittelpunkt gestellt. Und ganz besonders die Armen", sagt Padre Toto. Seine Stimme hat Mühe, gegen die lauten Trommeln anzukommen. Aber das stört ihn nicht. "Was wir heute erleben, ist eine Würdigung dessen, was Franziskus geleistet hat. Er wird hier in den Armenvierteln unvergessen bleiben."
Die Idee zu der Karawane entstand unmittelbar nach dem Tod des Papstes am 21. April im vergangenen Jahr. Es gab zwar einen großen Gottesdienst in der Kathedrale des Erzbistums Buenos Aires. Der Diözese stand Papst Franziskus lange vor, ehe er im Vatikan im März 2013 als Nachfolger von Papst Benedikt XVI. gewählt wurde.
Enger Kontakt zu Armenpriestern
Doch irgendwie war den Armenpriestern, mit denen Franziskus auch aus Rom telefonisch immer in Kontakt blieb, das nicht nahe genug dran an jenen Menschen, die für Franziskus die Seele der Kirche ausmachten. Also marschierten sie nach der offiziellen Trauerfeier in Buenos Aires noch weitgehend ungeplant und etwas unorganisiert durch Flores.
Nun soll der Marsch zu einer Tradition werden, und zwar jedes Jahr an einem Wochenende im April. Das Motto steht auf dem Flyer mit Franziskus' strahlendem Lächeln: "Möge die Kirche uns alle zu Brüdern und Schwestern machen und über die Erde, unser Dach über dem Kopf und unsere Arbeit wachen."