Es hätte nach vielen Jahren wieder ein großes Osterfest im Heiligen Land werden können. Doch der Krieg mit dem Iran machte alle Hoffnung des Pilgertourismus zunichte. So wie in der Corona-Zeit wird in der Jerusalemer Grabeskirche auch dieses Ostern mit geschlossenen Türen gefeiert – auf Anweisung der Behörden. Auch andere heilige Stätten bleiben zu.
Eine Frau betet vor dem verschlossenen Haupteingang zur Grabeskirche in Jerusalem.
Die Feiern der Kar- und Ostertage in der Jerusalemer Grabeskirche müssen im kleinen Kreis gefeiert werden. Die israelischen Behörden hätten aufgrund der Einschränkungen wegen des Iran-Krieges darum gebeten, die Teilnahme von Menschen im Inneren der Kirche nicht zuzulassen, teilte die Franziskaner-Kustodie mit. Die Liturgien würden von den in der Kirche lebenden Ordensleuten gefeiert und „zu einem konkreten Zeichen des Gebets der gesamten Weltkirche“.
Die Grabeskirche ist wie der Haram al-Scharif (Tempelberg) und die Klagemauer seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar auf Anordnung der israelischen Behörden geschlossen. Landesweit gelten Einschränkungen des Heimatfrontkommandos für das öffentliche Leben. In weiten Teilen des Landes, darunter Jerusalem, sind Bildungsaktivitäten verboten. Versammlungen sind auf 50 Personen begrenzt, unter der Bedingung, dass im Fall eines Luftalarms rechtzeitig ein angemessener Schutzraum erreicht werden kann.
Kriegsausbruch beendete mit einem Schlag alle Hoffnungen auf Normalisierung
Ähnliche Einschränkungen hatte es 2020 während der Corona-Pandemie gegeben. Dabei waren die Erwartungen hoch, die Prognosen optimistisch, die Daten und Fakten vielversprechend: Am Jahresbeginn stand die große Hoffnung, dass der Heilig-Land-Tourismus nach langen Dürrejahren wieder in Fahrt kommt und die ausländischen Pilger zum Osterfest nach Jerusalem zurückkehren. Christliche Gästehäuser waren mit dem Abebben der Reisewarnungen endlich wieder gut gebucht, manche ausgebucht. Und für die Heiligen Stätten häuften sich die Anfragen nach Gottesdiensten und Pilgerbetreuung.
Dann aber heulten am 28. Februar um 8.13 Uhr in ganz Israel die Alarmsirenen und schrillten die Warn-Apps des Home Front Command auf den Handys. Der Kriegsausbruch mit dem Iran überraschte die Juden an ihrem Ruhetag Schabbat, und die Muslime nach einem vermutlich ausgiebigen Iftar-Mahl des zweiten Ramadan-Freitags. Und er beendete mit einem Schlag alle Hoffnungen auf Normalisierung, Festfeiern und Frieden. Israel verhängte fürs ganze Land den Ausnahmezustand, verbot Versammlungen und schloss weite Bereiche des öffentlichen Lebens: Schulen, Geschäfte, Arbeitsstätten, aber auch Kirchen und Gebetshäuser, einschließlich christlicher Grabeskirche, jüdischer Klagemauer und muslimischem Tempelberg.
Alle größeren christlichen Gästehäuser geschlossen
Mit einer Rückkehr von Pilgergruppen und der Organisation von Besucherflügen ist für die nächste Zukunft nicht zu rechnen, meint der für das Pilgerwesen zuständige Franziskaner-Kustos Francesco Ielpo. Seine Pilgerzentrale am Jaffator hat die Entwicklung erst hoffnungs- und dann leidvoll beobachtet. In den ersten zwei Monaten gingen hier 1700 Anfragen nach Gottesdiensten ein, gegenüber 2800 im gesamten Jahr 2025. Aber schon in der zweiten Februarhälfte kamen die ersten Stornierungen an, berichtet Schwester Naomi Zimmermann. Und die häuften sich, bis zum kompletten Einbruch.
Ein Gang durch die Jerusalemer Altstadt zeigt, dass alle größeren christlichen Gästehäuser geschlossen sind. Die „Casa Nova“ der Franziskaner nahe dem Neutor hatte über 90 Anmeldungen, alle haben abgesagt, beklagt Pater Ibrahim Faltas; es sei schlimmer als zuvor. Auch wenige Straßen weiter am Gästehaus der Melkiten ist der Eingang dunkel und verriegelt. In der Dormitio-Abtei der deutschen Benediktiner auf dem Zionsberg gibt es noch einige verbliebene lokale Gäste, ebenso wie im Österreichischen Hospiz an der Via Dolorosa oder im Haus „Maria Bambina“ im Christenviertel. Aber selbst ohne ausländische Pilgerscharen werde das Osterfest 2026 in Jerusalem mit aller seiner Würde begangen und gelebt, auch mit weniger Personen und weniger festlich, – aber im Namen der ganzen Kirche, betonte Kustos Ielpo. Und das zeige erneut, wie wichtig es sei, dass die einheimischen Christen im Land blieben, dass sie hier lebten und hier eine Zukunft sähen.
Dass Gerechtigkeit und Frieden Einzug halten ...
Entsprechend fiel auch die Osterbotschaft der Oberhäupter der christlichen Kirchen in Jerusalem aus: „Die Trostlosigkeit des Grabes war nicht das Ende der Geschichte. Der Tod hatte nicht das letzte Wort.“ Daher wollten sie – mitten in dieser „Zeit der Umwälzungen“ – andere Christinnen und Christen an diese Botschaft erinnern, diese „kraftvollen und ermutigenden Worte" bekräftigen. Die Geistlichen riefen „die Gläubigen und alle Menschen guten Willens“ auf, unermüdlich um Hilfe für jene zu beten, die „im Nahen Osten und darüber hinaus“ leiden. Ebenso bitten sie um den Einsatz dafür, „dass das Blutvergießen unverzüglich ein Ende findet und dass Gerechtigkeit und Frieden endlich in unserer vom Krieg zerrütteten Region Einzug halten – angefangen in Jerusalem bis hin nach Gaza, in den Libanon und in das gesamte Heilige Land; bis hin zu den Golfstaaten und nach Teheran; und bis an die Enden der Erde.“