Kirchen und Politik würdigen Papst Franziskus

22.04.2025 |

Der Tod von Papst Franziskus am Ostermontag hat weltweit große Anteilnahme ausgelöst. Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft würdigten das Wirken des 266. Bischofs von Rom.

Papst Franziskus, seit langem gesundheitlich angeschlagen, ist gestorben. Er führte die katholische Kirche knapp zwölf Jahre lang.

Ein Papst als Wächter der Menschenwürde

 
Erzbischof Stephan Burger erinnerte an Franziskus als einen „Wächter der universalen Menschenrechte, des Friedens und der menschlichen Freiheit“. Sein Auftreten habe viele Menschen mit Hoffnung erfüllt, so Burger. Der Papst habe sich mit „hingebungsvollem Einsatz für die Würde aller Menschen und für den Frieden“ eingesetzt. Dies sei auch beim Segen „Urbi et orbi“, den Franziskus am Ostersonntag noch persönlich gespendet hatte, erneut deutlich geworden. Es bleibe ein Vermächtnis, betonte der Erzbischof von Freiburg.
 

„Brückenbauer“ und Beter bis zuletzt

 
Auch die badische evangelische Landesbischöfin Heike Springhart würdigte Franziskus als „Brückenbauer“, der den Menschen mit von Herzen kommender Freundlichkeit begegnet sei. Zugleich habe er gewusst „um die Abgründe von Schuld, im eigenen Leben und im Leben der Kirche“. Dass Franziskus bis zuletzt für andere gebetet und zugleich um Gebet für sich selbst gebeten habe, zeuge von seiner tiefen spirituellen Verwurzelung. Sein Leben in Bescheidenheit, seine Nähe zu den Menschen sowie seine Beharrlichkeit im Eintreten für Frieden und Gerechtigkeit nannte Springhart ein „eindrucksvolles Vermächtnis“. Mit Blick auf seinen letzten öffentlichen Auftritt auf dem Balkon des Petersdoms sagte sie: „Die Balkonszene nach seiner Wahl und seine Erzählung vom Namensimpuls zeigen seine Grundhaltung: von Christus her den Blick auf Benachteiligte und die geschundene Schöpfung richten – und dabei auch unkonventionelle Wege gehen.“
 

„Ein großer Segen für unsere Welt“

 
Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann nannte Franziskus einen „bedeutenden Papst“, dessen Wirken über seinen Tod hinaus nachhallen werde. Besonders hob Kretschmann das ökologische Engagement des Papstes hervor, etwa durch die Enzyklika Laudato si. Zudem habe Franziskus immer wieder den Respekt vor der Verschiedenheit der Menschen und die missionarische Sendung der Kirche betont. Auch wenn sich manche in der Ökumene oder bei Fragen der Gleichstellung mehr erhofft hätten, so sei der Papst ein „großer Segen für unsere Welt“ gewesen. Kretschmann erinnerte sich dankbar an eine persönliche Begegnung im Jahr 2018: Franziskus habe ihn mit seiner wachen, zugewandten Art und Bescheidenheit tief beeindruckt.
 

Impulse und Grenzen – ein theologischer Blick

 
Der Freiburger Theologe Magnus Striet würdigte Franziskus als eine kraftvolle Stimme im globalen Diskurs um Klima und Umwelt. Seine Appelle hätten politische Wirkung entfalten wollen – und in vielen Fällen auch können. Gleichzeitig sei das Verhältnis zur katholischen Kirche in Deutschland spannungsvoll geblieben. Franziskus habe zwar Konflikte nicht länger unterdrückt, aber bei strukturellen Reformen klare Grenzen gezogen. Der nächste Papst müsse rasch Antworten auf die zunehmende Ungleichzeitigkeit innerhalb der Weltkirche finden, mahnte Striet.
 

„Türöffner“ für eine neue Art von Kirche

 
Auch andere Stimmen aus Kirche und Politik würdigten das Wirken des verstorbenen Kirchenoberhaupts. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, nannte Franziskus einen Menschenfreund und Türöffner. Er habe den Stil der Kirche verändert – hin zu mehr Miteinander. Besonders beeindruckt habe sein Einsatz für Flüchtlinge und Bedürftige. Mit seinem Schreiben Laudato si habe er zudem ökologische Fragen auf eine neue Stufe gehoben. Bätzing erklärte: „Wir verneigen uns vor diesem großen Papst. Er war ein Geschenk für die Kirche und die Welt.“
 
Kardinal Reinhard Marx hob die bleibende Nähe Franziskus’ zu den Armen und Ausgegrenzten hervor. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken sprach von einem „Papst der Herzen“. Seine Amtszeit werde als eine Phase der Öffnung und der Zuwendung in Erinnerung bleiben, so ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp.
 

Respekt und Würdigung über Konfessionsgrenzen hinweg

 
Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron würdigte den Verstorbenen: „Papst Franziskus wollte, dass die Kirche den Ärmsten - von Buenos Aires bis Rom - Freude und Hoffnung bringt.“ Die Glocken der Pariser Kathedrale Notre-Dame läuteten 88 Mal - zum Gedenken an den toten Papst. Die Stadtverwaltung der französischen Hauptstadt kündigte zudem an, die Lichter des Eiffelturms am Abend auszuschalten.
 
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen äußerte sich ähnlich wie der Frankreichs Staatschef. Mit seiner Demut und Liebe für die weniger vom Glück Begünstigten habe Franziskus weit über die Kirche hinaus Millionen Menschen inspiriert. Sein Vermächtnis führe hin zu einer „gerechteren, friedvolleren und mitleidsvolleren Welt“. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete Franziskus als „leuchtendes Zeichen der Hoffnung“.  Noch-Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) stellte ebenfalls den Einsatz für Soziales und Versöhnung heraus. Die Welt verliere „einen Fürsprecher der Schwachen, einen Versöhner und warmherzigen Menschen“. Angela Merkel hob seine Unerschütterlichkeit und seinen Mut hervor, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen.

Königliche Kondolenz

 
Der britische König Charles III. erwähnte in einem Kondolenztelegramm seinen jüngsten Besuch beim Papst: „Die Königin und ich erinnern uns mit besonderer Zuneigung an unsere Treffen mit Seiner Heiligkeit im Laufe der Jahre - und wir waren zutiefst bewegt, ihn Anfang des Monats besuchen zu können.“
 
Der bekennende Katholik und US-Vizepräsident JD Vance, der Franziskus noch am Sonntagmorgen getroffen hatte, schrieb auf der Online-Plattform X: „Mein tiefes Mitgefühl gilt den Millionen Christen weltweit, die ihn geliebt haben. Ich habe mich gefreut, ihn gestern zu sehen, obwohl er offensichtlich sehr krank war.“ US-Präsident Donald Trump beließ es zunächst bei einem knappen, emotionalen Statement. „Ruhe in Frieden, Papst Franziskus! Möge Gott ihn und alle segnen, die ihn liebten!“, schrieb Trump auf seiner eigenen Plattform Truth Social.
 
Große Trauer herrschte nicht zuletzt in Argentinien, dem Heimatland von Franziskus. Präsident Javier Milei erklärte: „Als Präsident, als Argentinier und vor allem als gläubiger Mensch verabschiede ich mich vom Heiligen Vater.“ Trotz einiger Differenzen sei es eine Ehre gewesen, ihn kennengelernt zu haben, so der libertäre Politiker, der eine siebentägige Staatstrauer ausrief.

Beileid nicht nur aus dem Westen

 
Anteilnahme gab es nicht nur aus dem Westen, sondern auch aus Mittel- und Osteuropa. Tschechiens Regierungschef Petr Fiala würdigte Franziskus als einen tiefgläubigen Mann, „der die Kirche umgestalten wollte, damit sie ihren Auftrag in der heutigen Gesellschaft besser erfüllen kann“. Polens Präsident Andrzej Duda nannte ihn einen „Apostel der Barmherzigkeit“.
 
Der Kreml in Moskau veröffentlichte eine Botschaft des russischen Präsidenten Wladimir Putin, in der dieser sein Beileid aussprach. Er werde den verstorbenen Papst in guter Erinnerung behalten, so Putin. In seiner Amtszeit habe Franziskus aktiv den Dialog mit der russisch-orthodoxen Kirche und mit Russland gefördert. „Papst Franziskus genoss große internationale Anerkennung als treuer Diener der christlichen Lehre, weiser religiöser und staatlicher Würdenträger und konsequenter Verfechter der hohen Werte des Humanismus und der Gerechtigkeit“, so Russlands Staatschef. Auf den anhaltenden Angriffskrieg gegen die Ukraine, in dem sich Franziskus jahrelang um Vermittlung zwischen den Konfliktparteien bemühte, ging er nicht direkt ein.

„Leid gelindert, Hoffnung geschenkt“

 
Dies tat indes der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der den Toten mit den folgenden Worten würdigte: „Er betete für den Frieden in der Ukraine und für die Ukrainer.“ Es sei ihm so gelungen, das Leid der Betroffenen zu lindern und neue Hoffnung zu schenken.
 
Israels Präsident Jitzchak Herzog wandte sich an die gesamte christliche Welt und lobte die päpstlichen Friedensbemühungen im Gaza-Krieg. „Ich hoffe sehr, dass seine Gebete für den Frieden im Nahen Osten und für die sichere Rückkehr der Geiseln bald erhört werden“, so Herzog. Besonders hob er Franziskus' Einsatz für den Dialog mit dem Judentum hervor: „Möge sein Andenken auch weiter zu Taten von Freundlichkeit, Einheit und Hoffnung inspirieren.“
 
Selbst von der islamistischen Terrororganisation Hamas im Gazastreifen kamen anerkennende Worte. Franziskus habe den Mut gehabt, auch jene Kriegsverbrechen anzuprangern, die gegen das palästinensische Volk begangen worden seien, hieß es in einer Mitteilung.
 
Papst Franziskus war am Ostermontag im Alter von 88 Jahren gestorben.
 
KNA