Papst-Botschafter: Sanktionen gegen Syrien aufheben
09.12.2024 |
Die Signale sind positiv: Der Papst-Botschafter in Syrien berichtet, dass die Rebellen die religiöse Vielfalt im Land respektieren.
Ein verbogenes Kreuz auf einem Zaun vor düsterem bewölktem Himmel im syrischen Maalula.
Der Botschafter des Papstes in Syrien zeigt sich erleichtert über den bislang weitgehend friedlichen Machtwechsel in dem Land. Im Gespräch mit Vatican News richtete Kardinal Mario Zenari einen eindringlichen Appell an die internationale Gemeinschaft, die Sanktionen gegen das Land aufzuheben, um den Wiederaufbau zu ermöglichen.
Es scheine, "als wäre ein Problem gelöst, das so viel Leid gebracht hat. Entscheidend ist, dass es ohne Blutvergießen geschah", so der seit 2008 in Syrien tätige Apostolische Nuntius. Versöhnung und Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben hätten nun oberste Dringlichkeit.
Rebellen suchten Dialog mit Bischöfen
"Die Rebellen haben in den ersten Stunden den Dialog mit den Bischöfen in Aleppo gesucht und Respekt für religiöse Vielfalt zugesichert", berichtete Zenari. "Wir hoffen, dass diese Versprechen eingehalten werden und dass die internationale Gemeinschaft den friedlichen Übergang unterstützt."
Gleichzeitig drückte Zenari seine Sorge um die junge Generation aus: "Für viele Jugendliche gab es in Syrien keine Perspektive außer der Flucht. Jetzt besteht die Hoffnung, dass sie eine Zukunft in ihrem Heimatland finden können." Er rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, nicht nur humanitäre Hilfe zu leisten, sondern auch durch die Aufhebung der Sanktionen zur Stabilisierung des Landes beizutragen.
Wunden des Bürgerkriegs heilen
Für Kardinal Zenari liegt der Fokus nun auf dem Aufbau einer pluralen Gesellschaft: "Der einzige Weg zu einem stabilen Syrien ist Versöhnung. Nur durch Dialog und Zusammenarbeit aller ethnischen und religiösen Gruppen können wir die Wunden des Bürgerkriegs heilen." Er appellierte an die neuen Machthaber, ihre Versprechen einzuhalten.
Zuvor hatte sich auch das katholische Hilfswerk Missio Aachen erleichtert darüber gezeigt, dass es bislang keine Übergriffe gegen Christen oder religiöse Minderheiten gegeben habe. Nach Einschätzung der Missio-Partner vor Ort sei Syrien nun in eine "neue politische Phase" eingetreten, hieß es. Sie befürchteten dabei eine Teilung Syriens in verschiedene Einflusszonen. Jetzt sei es wichtig, eine politische Leitfigur zu finden, "die das Land regieren kann, alle Teile der Gesellschaft vereint und sich jedem Versuch, das Land zu spalten, widersetzt", erklärte der Leiter des Regionalbüros Naher Osten von Missio, Robert Chelhod. Die internationale Staatengemeinschaft solle sich für die "Einheit Syriens" einsetzen, erklärte Chelhod. Nötig sei ein geordneter, friedlicher Übergang, in dem Syrerinnen und Syrer über ihre Zukunft selbst entscheiden könnten.
Nach Schätzungen von Religionsexperten ist der Anteil der Christen in Syrien zuletzt auf unter zwei Prozent gefallen. Vor Beginn des Bürgerkriegs 2011 hatte er noch sechs Prozent betragen. Viele Christinnen und Christen haben in Folge der andauernden Gewalt das Land verlassen.