„Glaubt an uns – bis wir es tun!“ lautet das Motto der diesjährigen Weihnachtsaktion von Adveniat, bei der die Jugend im Mittelpunkt steht. Was entstehen und bewirkt werden kann, wenn diese Worte gelebt werden, zeigt ein Blick in die Pfarrei von Padre Juan Goicochea Calderón im peruanischen Lima ...
Dankbar reicht eine ältere Frau, die von der Pfarrei unterstützt wird, Padre Juan Goicochea Calderón die Hand.
„Ich frage Gott nichts. Ich weiß, dass er uns die Welt in unsere Verantwortung gegeben hat, und dass ich auch einen Teil dieser Verantwortung trage“, sagt Padre Juan Goicochea Calderón. Seinen Teil dieser Verantwortung trägt der katholische Geistliche bei seiner Arbeit in der Pfarrei Cristo Misionero del Padre in Chorillos, einer Vorstadt der peruanischen Hauptstadt Lima. Die meisten der 80 000 Menschen in der Gemeinde leben in größter Armut. Es fehlt an allem. An Geld, an einer annehmbaren Stromversorgung, einer funktionierenden Wasserversorgung, an Bildung, einem Gesundheitssystem. An was es nicht fehlt: Korruption, Gewalt in allen Formen, von Drogenkriminalität bis hin zu Erpressungen, Hoffnungslosigkeit, Angst.
„Es ist ein Skandal, dass Menschen so leben müssen“, sagt der Padre. „Das beraubt sie ihrer Würde.“ Ihnen diese Würde zurückzugegeben, das ist eine der Triebfedern für den unermüdlichen Einsatz des Seelsorgers („Der Tag hat zu wenig Stunden“), der viele Jahre auch in Nürnberg gelebt und gearbeitet hat, wo er sich um Wohnungslose kümmerte, weshalb er auch sehr gut deutsch spricht.
Vor allem während der Corona-Pandemie sei es ihm ganz besonders bewusst geworden, dass der Mensch Seele, Leib und Psyche sei. So war für ihn klar: „Es braucht eine integrale Pastoralarbeit, die den ganzen Menschen in den Blick nimmt, und nicht nur versucht, seine spirituellen Bedürfnisse zu befriedigen.“
So fingen sie in der Gemeinde zusammen mit engagierten Jugendlichen eine unmittelbare jesuanische Seelsorge an und begannen, zu den Menschen zu gehen. Zu den „Ärmsten der Armen“. Das sind – wie so oft – „meistens alte Menschen oder alleinerziehende Mütter mit mehreren Kindern“, sagt Padre Juan Goicochea Calderón. Sie hörten sich ihre Sorgen an, ließen sich ihre Probleme schildern. Und begannen Lösungen zu finden und ihnen zu helfen. Sie brachten ihnen Wasser hoch auf die Hügel Limas, wo man nur auf schmalen Pfaden hinkommt und sie ihre Hütten haben. Oder sie halfen ihnen die Dächer zu reparieren, Einrichtungsgegenstände wie Betten oder dergleichen zu besorgen oder sie richteten 30 Gemeinschaftsküchen ein, in denen heute pro Tag mehr als 4000 Essen gekocht werden.
Eine der Jugendlichen, die solche Familienbesuche macht, ist die 22-jährige Sahily Moreno Rodriguez. Die ehrenamtliche Arbeit mit den Familien hat die Studentin verändert. Sie ist dankbarer geworden. „Ich habe eine intakte Familie, das ist ein großes Privileg, das mir bewusst geworden ist“, sagt sie. Und sie hat erfahren, dass sie als Jugendliche mit ihrem Tun etwas bewegen kann. „Wenn man uns jungen Menschen Chancen gibt, wollen und können wir die Welt zum Guten verändern“, sagt sie. „Und das mache ich hier im Kleinen.“ Sie weiß: Dieser Einsatz von ihr und den anderen jungen Menschen ist ein Gewinn für die Gesellschaft und auch für die Jugendlichen selbst.
Die 22-jährige Sahily spielt mit den Kindern einer Familie, die sie häufig besucht. Sie ist eine von 40 Jugendlichen, die sich auf diese Weise in der Pfarrei engagieren. Sie verteilen Essenskörbe, helfen bei der Hausarbeit und bei Reparaturen, oder spielen mit den Kindern.
Bei ihren ersten Besuchen in den Armenvierteln und den Begegnungen mit den Schicksalen der Menschen kam sie häufig mit Tränen nach Hause. Das hat sich im Laufe der Zeit verändert. Viele der Familien sind für sie Freunde geworden. „Was die Menschen vor allem brauchen, ist, dass ihnen zugehört wird und sie ernst genommen werden.“ Großzügig unterstützt wird die integrale Pastoralarbeit, die Padre Juan Goicochea Calderón mit seinem Team leistet, von Adveniat. „Adveniat hat uns mit den finanziellen Hilfen die Mittel gegeben, effektiver zu helfen“, sagt Padre Juan Goicochea. „Wir können damit das Leben von Familien verändern.“ Die seien vor allem eines: „Dankbar. Nur dankbar.“ Und nach einer kurzen Pause ergänzt er noch: „Sie können es nicht begreifen, dass ihnen so geholfen wird.“
Seitdem die Pfarrei diese Hilfen leistet, sei die Solidarität zwischen den Bewohnern und Bewohnerinnen größer geworden, hat der Geistliche als einen Effekt ihrer Arbeit festgestellt. „Wenn jemand einen Herd oder ein Bett hat, das er nicht mehr braucht, gibt er es jemand anderem in der Nachbarschaft.“ So sei auch ein Bewusstsein gewachsen, dass man im Kleinen etwas bewirken könne. Weil die Arbeit des Pfarrers mit seinem Team so bemerkenswert ist, ist ihre Pastoralarbeit schon zum Musterbeispiel für die dortige Erzdiözese geworden. Mittlerweile arbeiten sie daran, wie dieses System auch in anderen Gemeinden der Diözese mit Leben gefüllt und umgesetzt werden kann.
Derzeit sind Padre Juan Goicochea Calderón und Sahily Moreno Rodriguez auch in Deutschland zu Besuch, um als Botschafter für die diesjährige Weihnachtsaktion von Adveniat von ihrer Arbeit zu erzählen. Warme Kleidung haben sie eingepackt und der Geistliche freut sich darauf, etwas von der Arbeit abschalten zu können. Denn die kostet viel Kraft. Nicht nur, weil es so viele Menschen gibt, die ihre Hilfe brauchen, sondern auch, weil die Gewalt in dem Viertel immer mehr zunimmt. „Ich frage mich oft, wann sind wir als Kirche dran“, sagt der Geistliche. Bei seiner Deutschland-Reise freut sich der Comboni-Missionar zudem auf viele neue Begegnungen und auf Treffen mit alten Freunden. Und, nicht zu vergessen, wie er lachend sagt: „Auf eine gute Wurst und ein kaltes Bier.“
Daniel Gerber
Spenden für Adveniat
Unter dem Motto „Glaubt an uns – bis wir es tun!“ widmet Adveniat die diesjährige Weihnachtsaktion der Jugend. Mit den gesammelten Spenden unterstützt das Hilfswerk Jugendzentren, Ausbildungsprogramme und Stipendien. Das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland steht für kirchliches Engagement an den Rändern der Gesellschaft und an der Seite der Armen. Adveniat finanziert sich zu 95 Prozent aus Spenden.
Wer helfen möchte, kann dies über folgendes Spendenkonto: IBAN: DE03 3606 0295 0000 0173 45 SWIFT-BIC-Code: GENODED1BBE