Die katholische Kirche in Deutschland hat viele Baustellen

24.09.2024 |

Bei ihrem Herbsttreffen in Fulda wollen die Bischöfe aber über ihren Tellerrand hinausblicken – unter anderem nach Rom und Jerusalem.

ischöfe in den Kirchenbänken beim Eröffnungsgottesdienst der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) im Fuldaer Dom.
 
Papst Franziskus hat keine kirchliche Vertreterin aus Deutschland als Teilnehmerin für die Weltsynode im Vatikan benannt – das ist für den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, den Limburger Bischof Georg Bätzing, eine große Enttäuschung: „Ich bedauere es sehr, dass keine Frau aus Deutschland berufen worden ist“, sagte Bätzing am Montag zum Auftakt der Herbstvollversammlung der katholischen Bischöfe in Fulda. Beim Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland – dem Synodalen Weg – hätten sich viele profilierte Frauen engagiert, sagte Bätzing. „Da hätte eine Berufung nahe gelegen.“ Der Papst habe das aber „bedauerlicherweise nicht getan“.
 
Anfang Oktober kommen mehrere Hundert Bischöfe und Kirchenvertreter aus aller Welt in Rom für die gut dreiwöchigen Beratungen der Weltsynode zusammen. Aus Deutschland nehmen neben Bätzing vier weitere Bischöfe teil. Berufen wurden zudem der Geschäftsführer des Hilfswerks Renovabis, Thomas Schwartz, die Theologen Antonio Autiero und Thomas Söding, der Jesuit Clemens Blattert sowie der Pressesprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp. Deutschsprachige Vertreterinnen aus Europa sind Helena Jeppesen-Spuhler aus der Schweiz und die Generalsekretärin der Nordischen Bischofskonferenz, Anna Mirijam Kaschner.
 
Die 61 deutschen Bischöfe und Weihbischöfe beraten bis Donnerstag in Fulda nicht nur über das Weltkirchentreffen in Rom. Themen sind auch die Nahostkrise, das vom Papst ausgerufene Heilige Jahr 2025, die Zukunft der katholischen Theologie in Deutschland sowie die christliche Polizeiseelsorge. Als Gast wird der Jerusalemer Patriarch, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, erwartet. Fast ein Jahr nach dem Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel sagte Bätzing: „Dieser Terror muss aufhören. Diese kriegerischen Zustände müssen enden.“
 
„Den meisten fehlt nichts ohne Religion“
 
Weil viele Menschen aus der Kirche austreten, müssen die Bischöfe auf die Kostenbremse treten. „Es muss gespart werden“, sagte die Generalsekretärin der Bischofskonferenz, Beate Gilles. Gefordert sei dabei auch die Solidarität der Bistümer untereinander. Im vergangenen Jahr waren etwa 400.000 Menschen aus der katholischen Kirche in Deutschland ausgetreten. Die Zahl der Mitglieder sank auf 20,3 Millionen Menschen. In den kommenden Jahren rechnen die Bischöfe mit deutlich sinkenden Kirchensteuereinnahmen. Bischof Bätzing verwies darauf, dass die Kirche auch in Österreich und anderen europäischen Ländern viele Mitglieder verliere. „Das muss uns wachrütteln“, sagte er.
 
Beim Eröffnungsgottesdienst am Montagabend rief er dazu auf, dass Christen und Christinnen sich auch in einer zunehmend nicht-religiösen Gesellschaft in wichtigen politischen Fragen zu Wort melden sollten. „Wir müssen vernehmbar bleiben und die Stimme gerade für die erheben, die übersehen werden und keine Lobby haben“, sagte Bätzing im Fuldaer Dom laut Vorab-Mitteilung. „Die Rede von Gott und von der Verantwortung vor Gott darf nicht verstummen.“
 
Zugleich beobachtet Bätzing, dass viele Menschen scheinbar folgenlos nicht mehr nach Gott fragten: „Tatsache ist, dass den meisten nichts fehlt, wenn sie ohne Religion und Glauben ihr Leben gestalten.“ Gott als Begründung ethischer Entscheidungen und moralischen Handelns falle zunehmend weg. Aber auch eine säkulare Gesellschaft profitiere von christlichen Positionen, etwa bei den Debatten um Krieg und Frieden, um Migration, Klimaschutz oder um eine gesetzliche Neuregelung des Schwangerschaftsabbruchs.
 
KNA