Papst Franzsikus ist zäh. Den ultimativen Beweis dafür lieferte er mit der längsten Reise seiner nun schon über elfjährigen Amtszeit. Zwölf Tage lang besuchte er Länder, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Indonesien, Papua-Neuguinea, Osttimor und Singapur.
Bei einer interreligiösen Begegnung mit Schülerinnen und Schülern einer einer katholischen Schule in Singapur, seinem letzten Stopp auf seiner Reise, bemalt Papst Franziskus inmitten der Jugendlichen ein buntes Banner.
Alle sind sie weit von Rom entfernt: Insgesamt legte der Papst 32 784 Flugkilometer zurück, überwand zahlreiche Zeitzonen und stellte sich klimatischen Herausforderungen – das Wetter stetig wechselnd, angenehm ist es nie: heiß, windig, versmogt mit Luftfeuchtigkeit bis zu 90 Prozent. Seine Reise widmete er mehreren zentralen Themen, darunter der interreligiöse Dialog, die Unterstützung der katholischen Gemeinschaften, der Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit und die Folgen des Klimawandels.
Schon zu Beginn seiner Reise in Jakarta, der Hauptstadt Indonesiens, setzte der 87-jährige Papst, trotz dem anstrengenden Flug und den schwierigen klimatischen Bedingungen, erste beachtliche, politische Akzente. In seiner Rede mahnte er zu einem entschiedenen Vorgehen gegen Extremismus und Intoleranz und unterstrich die Bedeutung von Respekt und Vielfalt. Er forderte die indonesische Gesellschaft auf, ihr Motto „Einheit in Vielfalt“ zu bewahren und die politische Führung dazu, sich für Gerechtigkeit, Menschenrechte, nachhaltige Entwicklung und Frieden einzusetzen.
Ein symbolträchtiges Zeichen setzte Franziskus mit seinem Besuch der Istiqlal-Moschee in Jakarta, der größten Moschee Südostasiens. Gemeinsam mit dem Großimam Nasaruddin Umar unterzeichnete er die „Erklärung von Istiqlal“, die den Schutz der Umwelt und den interreligiösen Dialog als Mittel zur Konfliktlösung in den Fokus rückte. Ein weiteres Symbol des Miteinanders ist die neue Unterführung, die Indonesiens riesige Nationalmoschee Istiqlal mit der deutlich kleineren katholischen Kathedrale Mariä Himmelfahrt auf der anderen Straßenseite verbindet.
Papst ruft zum Kampf gegen Ausbeutung auf
Allerdings beließ es der gesundheitlich beeinträchtigte Franziskus, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist, bei einem Blick auf den Eingang des „Tunnels der Freundschaft“, betonte dabei jedoch, dass interreligiöser Dialog essentiell für das friedliche Zusammenleben sei. Als Franziskus die Veranstaltung verlässt, gibt es für die Menschenmenge kein Halten mehr. Hunderte stürmen auf den weißen Toyota des 87-Jährigen zu – in der Hoffnung, durch das offene Wagenfenster seine Hand zu erreichen.
Im weiteren Verlauf führte die Reise das Kirchenoberhaupt nach Papua-Neuguinea, das zu den ärmsten Ländern der Erde zählt. Trotz schwieriger sozialer und wirtschaftlicher Verhältnisse, geprägt von mangelnder Infrastruktur, Naturkatastrophen und internen Konflikten, wurde Franziskus von begeisterten Menschenmengen empfangen. Hier legte der Papst besonderen Wert auf das Thema soziale Gerechtigkeit und den Kampf gegen die Ausbeutung von Mensch und Natur. Er rief dazu auf, der rücksichtslosen Ausbeutung von Rohstoffen und den tiefen Ungleichheiten entgegenzutreten. Franziskus betonte, wie wichtig Ehrlichkeit und Gerechtigkeit seien, um das Wohl der Gesellschaft zu fördern. Besonders bewegend war sein Treffen mit der Familie des seligen Peter To Rot, einem Märtyrer und Anti-Polygamie-Aktivisten. Der Papst hob To Rots „leuchtendes Zeugnis“ hervor, das den Dienst an den Menschen und der Gesellschaft verkörpere. Mit Unterstützung der australischen Luftwaffe besucht Franziskus außerdem einen der entlegensten Orte Papua-Neuguineas, wo ihn in der Stadt Vanimo mehr als 20 000 Menschen begrüßten. Darunter viele indigene Papuas, die seit Jahrzehnten für ihre Rechte kämpfen. Obwohl der Papst die politische Lage in Westpapua nicht direkt ansprach, zeigte er durch seine Solidarität mit den indigenen Gruppen, dass die Kirche an der Seite der Unterdrückten stehe und betonte, dass Liebe „stärker als all dies“ sei „und ihre Schönheit kann die Welt heilen, denn sie hat ihre Wurzeln in Gott“. Sie sei neben der Natur das wertvollste Geschenk, das die Menschen von Papua-Neuguinea mit anderen teilen könnten.
Zum Abschluss des interreligiösen Treffens zwischen Papst Franziskus und Nasaruddin Umar in Jakarta küsst das Kirchenoberhaupt dem Großimam der Istiqlal-Moschee die Hand.
Sein Besuch hatte aber auch einen „argentinischen“ Grund: In dem etwa sechs Kilometer von Vanimo entfernten Dschungel-Dorf Baro arbeiten Missionare aus dem Heimatland des Papstes. Sie lernten das Kirchenoberhaupt bei einem Rom-Besuch 2019 kennen. Seitdem unterstützt der Papst die Arbeit des konservativen „Instituts des Fleischgewordenen Wortes“. Die Gemeinschaft war vor einigen Jahren in den Schlagzeilen, weil der Gründer nach Missbrauchsvorwürfen vom Vatikan aus seiner Gemeinschaft ausgeschlossen wurde. In Vanimo betreiben die Missionare unter anderem eine Dorfschule, die der Papst ebenfalls besuchte – bevor er in den mächtigen, aber nun weniger vollen Bauch der australischen Militärmaschine zurückkehrt und die Rückreise nach Port Moresby antrat.
Osttimor feierte den Papst wie einen Superstar
Drittes Ziel der Reise war Osttimor, wo Papst Franziskus mit großer Begeisterung empfangen wurde. Osttimor, das Land mit dem höchsten katholischen Bevölkerungsanteil weltweit, feierte damit den ersten Papstbesuch seit der Unabhängigkeit 2002. Hunderttausende Menschen versammelten sich, um an der Abschlussmesse in der Hauptstadt Dili teilzunehmen, viele warteten schon seit der Nacht. Franziskus würdigte die enge Verbindung zwischen der katholischen Kirche und dem Unabhängigkeitskampf der Timoresen, die während der indonesischen Besatzung in der Kirche Schutz suchten. Gleichzeitig nutzte er die Gelegenheit, um auch auf die Schattenseiten der Kirche hinzuweisen. In Osttimor waren in der Vergangenheit mehrere Fälle sexuellen Missbrauchs durch Kleriker bekannt geworden, darunter der Fall des ehemaligen Bischofs und Nobelpreisträgers Carlos Filipe Ximenes Belo. Der Papst mahnte die Geistlichen eindringlich, ihre Position nicht zu missbrauchen, und betonte, dass sie in Demut und im Dienst der Gläubigen handeln müssten. Seine Predigt richtete sich klar gegen Arroganz, Machtmissbrauch und Korruption innerhalb der Kirche.
Zum Abschluss seiner Reise erreichte der Papst Singapur, eine der wohlhabendsten Städte der Welt. In starkem Kontrast zu den zuvor besuchten Ländern, die von Armut und Ungleichheit geprägt waren, bot Singapur Franziskus die Gelegenheit, auf die globalen Ungleichheiten hinzuweisen. Statt harter Kritik appellierte er an die Liebe, Gemeinschaft und Solidarität. Der Papst forderte die reichen Nationen auf, Verantwortung zu übernehmen und ärmeren Ländern zu helfen. Er unterstrich die Notwendigkeit, den Wohlstand gerechter zu teilen, um mehr soziale Gerechtigkeit zu erreichen.
Die Reise des Papstes verdeutlichte einmal mehr seine Vision einer Kirche der Armen, die sich an den Rändern der Welt engagiert. In jedem der besuchten Länder hinterließ er klare Botschaften: von der Förderung des interreligiösen Dialogs bis hin zu Appellen gegen Machtkonzentration in der Kirche. Besonders hob er die Rolle der Kirche als Unterstützerin der Schwachen hervor und verdeutlichte einmal mehr, dass auch jene, die oft im globalen Diskurs übersehen werden, Gehör finden müssen.
Die nächste Reise geht nach Belgien und Luxemburg
Wenig deutet darauf hin, dass die Reise ans Ende der Welt eine Abschiedstournee war. Schon in wenigen Wochen reist Franziskus nach Belgien und Luxemburg. Ein Besuch anlässlich des Jubiläums des Konzils von Nizäa in der Türkei im nächsten Jahr gilt als wahrscheinlich, eine Teilnahme an der Eröffnung der Pariser Kathedrale Notre-Dame im Dezember ist nicht ausgeschlossen. Und im Oktober tagt in Rom die Weltsynode – das Lieblingsprojekt des Papstes für eine grundlegende Kirchenreform, und an Weihnachten eröffnet er das größte katholische Pilgerevent, das Heilige Jahr 2025.