Die Zahl der griechisch-katholischen Gläubigen aus der Ukraine ist in Deutschland stark gestiegen. Nun möchte die Ukrainisch griechisch-katholische Kirche ihren Status aufgewertet haben. Das hätte auch Folgen für die katholische Deutsche Bischofskonferenz.
Ukrainische Gläubige auf dem Petersplatz. Wird der Papst die bisherige ukrainische Exarchie zur Eparchie erheben?
Bekommt Deutschland ein neues katholisches Bistum? Gut möglich. Dem Heiligen Stuhl liegt seit Monaten die offizielle Bitte der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche (UGKK) vor, die Apostolische Exarchie für die katholischen Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien in den Rang einer Eparchie (Diözese) zu erheben. Richtig publik machte dies der Kiewer Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk Ende Mai während eines Gottesdienstes in München zum 65-jährigen Bestehen der Exarchie. Hier gab das Oberhaupt der UGKK bekannt, dass die Bischofssynode bereits im September 2023 beschlossen habe, aus der Exarchie eine Eparchie zu machen: „Wir haben diese Entscheidung Seiner Heiligkeit Papst Franziskus zur Prüfung vorgelegt.“
Eine Exarchie stellt kirchenrechtlich eine Vorstufe zu einer vollwertigen Diözese dar. „65 Jahre Exarchat sind ein bisschen zu lang“, so Schewtschuk. Ein Exarchat sei die „Keimzelle einer Diözese“ und „der erste, vorläufige Schritt“. Am Ende entstehe daraus eine vollwertige Diözese, „in der der Bischof alle notwendigen Rechte und Kompetenzen eines regierenden Bischofs hat und nicht Gast, sondern Vollmitglied der Deutschen Bischofskonferenz ist“.
Der Großerzbischof äußerte die Hoffnung, dass alle römischkatholischen Bischöfe Deutschlands die Entscheidung der Synode der UGKK unterstützen. Er wünsche sich, bald nach München zurückkehren zu können, um an der Inthronisierung des heutigen Exarchen Bohdan Dzyurakh als erstem Bischof der Eparchie teilzunehmen.
Schewtschuk und Dzyurakh klingen in dieser Angelegenheit forsch. Die deutschen Bischöfe hingegen wirken eher zurückhaltend oder klammern das Thema in der Öffentlichkeit aus. Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) möchte, bevor sie eine Stellungnahme dazu abgibt, noch eine „Reihe von komplexen staatskirchenrechtlichen Fragen und praktischen Auswirkungen“ prüfen und erörtern, wie DBK-Sprecher Matthias Kopp sagte.
Kiewer Großerzbischof gibt sich optimistisch
Das diesjährige sogenannte „Annuario Pontificio“ gibt für das Exarchat 150 000 Gläubige und 65 Priester an. Es umfasst neben Deutschland auch Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und Island. Schewtschuk zufolge verfügt die UGKK in Deutschland aktuell über 84 Gemeinden; „und diese Zahl wächst ständig“. Als Vorbild für die Statusänderung der Exarchie gilt die Erhebung der Exarchate der UGKK in Großbritannien und Frankreich zu Eparchien durch Papst Benedikt XVI. im Januar 2013.
Schewtschuk gibt sich optimistisch, dass Franziskus die Exarchie in Deutschland und Skandinavien zur Eparchie erheben wird. Die Professorin für Ostkirchenkunde und Ökumenik, Regina Elsner von der Universität Münster, sieht in einer Erhebung zur Eparchie vor allem einen symbolischen Akt. „Worum es eigentlich geht oder gehen sollte: eine Gleichstellung der Eparchie mit den anderen Bistümern und eine Einbindung des Bischofs als stimmberechtigtes Vollmitglied der Deutschen Bischofskonferenz“, sagte sie.
Die UGKK verdiene eine „größere, öffentlich sichtbare Würdigung innerhalb der deutschen katholischen Kirche“, insbesondere für ihre Seelsorge für Geflüchtete aus der Ukraine, so Elsner. Gegen die Errichtung einer Eparchie spreche nichts, „aber mir scheint, dass man die potenziell schwierigen Aspekte nicht ausblenden darf“. Dazu gehörten Fragen der inneren Organisation und Dynamiken der Bischofskonferenz, wenn die Erhebung zur Eparchie mit einer Aufnahme als Vollmitglied des Bischofs einhergehe. Eine Frage sei auch, „wie andere katholische Ostkirchen, die es in Deutschland ja auch und teilweise eher unsichtbar gibt, diesen Schritt wahrnehmen und sich eine ähnliche Wertschätzung wünschen“.