In der Nacht, in der der Oktober in den November übergeht, spalten sich die Gemüter wie sonst selten im Jahr: Die einen freuen sich schon seit Wochen auf Halloween und feiern mit allem, was dazu gehört. Die anderen verstehen den Hype um den Brauch nicht und konzentrieren sich auf die anstehenden Gedenktage ...
Die einen freuen sich schon Wochen vorher und dekorieren Wohnung und Garten mit Kürbissen, Kerzen und allerlei Gruselkram. Für andere dagegen ist das ganze Fest der reinste Horror. Kult oder Kommerz? Uralter heidnischer Totenbrauch oder ein Fest mit christlichen Wurzeln?
Wer am Abend des 1. November durch die dunklen Straßen läuft, wundert sich vielleicht über das flackernde Kerzenmeer auf den Friedhöfen. Es hängt mit zwei kirchlichen Gedenktagen zusammen. An Allerheiligen, dem 1. November, besuchen viele Menschen die Gräber ihrer Angehörigen. Dabei gehörte das Totengedenken ursprünglich zum 2. November, dem Allerseelentag ...
Was ist Halloween?
Halloween ist ein Fest, das immer am 31. Oktober gefeiert wird. Seine Wurzeln liegen im Dunkeln, werden aber oft auf keltische und christliche Traditionen zurückgeführt. Manche deuten das Fest als Zeichen des Übergangs zu den dunklen Monaten des Winters.
Woher kommt der Name?
Aus „All Hallows eve“ oder „All Hallows evening“ wurde Halloween. Der Name bezieht sich auf den Abend vor dem Allerheiligenfest. Dieses feiern die Kirchen seit dem Jahr 835 am 1. November.
Oft heißt es, das Fest beruhe auf uralten heidnischen Totenkulten. Ist das korrekt?
Immer wieder ist zu hören, Halloween gehe auf rund 2.000 Jahre alte keltische Wurzeln zurück. Dabei bezieht man sich in der Regel auf Samhain, ein Fest keltisch-heidnischen Ursprungs zum Übergang von der Erntezeit zum Winter. Es wird in der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November gefeiert. Der Legende nach steht dann das Tor zur „anderen Welt“ offen - die Grenze zwischen Leben und Tod, durch die auch Feen und Geister die Welt der Menschen betreten können.
Und wie wurde daraus Halloween?
Erste Belege für das Brauchtum finden sich im späten Mittelalter, vor allem in Irland, zum Teil auch in Schottland. Da Irland sehr früh christianisiert wurde, gehen einige Fachleute davon aus, dass Samhain und Allerheiligen nach und nach miteinander kombiniert wurden. Laut Überlieferungen luden Menschen am Vorabend von Allerheiligen zu Festessen ein. Zugleich zogen Kinder von Haus zu Haus, um Spenden zu erbitten. Solche „Heischegänge“ am 31. Oktober waren zum Teil mit Almosen für die Armen verbunden.
Aber es heißt doch immer, Halloween komme aus den USA?
Nach aktueller Forschung kam der Brauch erst mit der irischen Auswanderungswelle im 19. Jahrhundert in die USA. Von dort gelangte er aber über in Europa stationierte US-Soldaten und die populäre Gruselfilmserie „Halloween“ (ab 1978) nach Europa zurück. Hier wurde das bunte Treiben seit den 1990er Jahren immer populärer, auch weil die Geschäftswelt es für sich entdeckte.
Welche Rolle spielt Halloween im Kino?
Mit dem Klassiker „Halloween - Die Nacht des Grauens“ von John Carpenter begann 1978 eine schier endlose Serie von Horrorfilmen um den maskierten Serienmörder Michael Myers. Das Kinoportal filmdienst.de zum Beispiel hat unter dem Stichwort Halloween seitdem 45 Filme gelistet – mit zum Teil allerdings unterirdischen Qualitätsurteilen. Mit „Halloween Ends“ ging 2022 eine Trilogie zur Neuauflage der Filmreihe zu Ende. Was aber nicht heißen muss, dass es sich damit tatsächlich endgültig ausgespukt hat. Und in einer Yougov-Umfrage im Oktober 2021 sagten immerhin 22 Prozent der Deutschen, sie würden sich im Oktober Filme und Serien mit Halloween-Bezug ansehen.
Wie wird Halloween gefeiert?
Aus den USA kommt der Brauch, dass Kinder verkleidet von Haus zu Haus ziehen und mit dem Spruch „trick or treat“ Schabernack androhen, falls sie keine Süßigkeiten bekommen. In vielen Orten in Deutschland klingeln Kinder mit der Forderung „Süßes oder Saures“ an den Haustüren. Auf Halloween-Partys verkleiden sich auch Erwachsene möglichst gruselig.
In den USA waren die beliebtesten Halloween-Kostüme in den letzten Jahren bei Erwachsenen Hexe, Vampir und Superheld. Kinder verkleideten sich am liebsten als Prinzessin, Superheld oder Spider-Man. Und damit auch alle Familienmitglieder im Halloween-Fieber sind: Ihre Hunde und Katzen steckten die Amerikaner am häufigsten in ein Kürbis-Kostüm.
Wie denken die Deutschen über Halloween?
Das hängt davon ab, wen man fragt. Wer gerne verkleidet Party macht oder an dem Hype verdient, steht dem Rummel eher offen gegenüber. In einer Umfrage vom Oktober 2022 sagten aber nur 18 Prozent der Deutschen, das Fest habe eine Bedeutung für sie. In anderen Befragungen kritisierten viele Halloween als zu kommerziell und äußerten die Befürchtung, als US-Import verdränge es die deutsche Kultur. Zugleich stimmten aber auch gut 80 Prozent der Aussage zu: „Halloween ist für die, die feiern, ein großer Spaß.“
Was hat das Fest mit Kürbissen zu tun?
Dass Kürbisse ausgehöhlt, zu Fratzen geschnitzt und beleuchtet werden, geht vermutlich auf eine irische Legende zurück: Ein böser Hufschmied namens Jack fand nach seinem Tod keine Aufnahme in den Himmel. Doch auch den Satan hatte der Halunke ausgetrickst, so dass dieser keinen Zugriff auf seine Seele bekam. So blieb ihm nur ein Stück glühender Kohle, das er in eine ausgehöhlte Rübe legte. Mit dieser Lampe soll er noch heute durch die kalten Nächte irren. Mit ähnlichen Lichtern, so heißt es, erinnerten die Iren in der dunklen Jahreszeit an das Schicksal des Hufschmieds. Und da die Rübe in Nordamerika nicht heimisch war, stießen die Neuankömmlinge als Ersatz auf den Kürbis.
Wie viel Geschäft steckt hinter Halloween?
In einer Erhebung des Handelsverband Deutschland sprach der Einzelhandel 2019 von rund 320 Millionen Euro Umsatz mit Halloween-Artikeln. Das meiste Geld wurde dabei für entsprechende Dekoration, Kostüme und Make-up ausgegeben. Allerdings sagten nur 8,3 Prozent aller Befragten, sie wollten überhaupt Geld für Halloween-Artikel ausgeben.
Die Menschen in den USA wollten einer Umfrage aus dem Oktober 2021 zufolge 10 Milliarden US-Dollar für Produkte rund um Halloween ausgeben, 2020 waren es 8 Milliarden. Die Ausgaben rund um Weihnachten lagen 2018 zum Beispiel allerdings bei mehr als einer Billion Dollar.
Etwa ein Viertel aller in den USA jährlich verkauften Süßigkeiten wurden zuletzt für Halloween gekauft. Mit Abstand am beliebtesten war Schokolade, gefolgt von Fruchtgummis, Karamell und Lollies.
Wie steht die Kirche zu Halloween?
Lange Zeit kritisierten Kirchenvertreter Teufels- und Vampirkostüme am Vorabend von Allerheiligen als unangemessen. Das Gedenken an die Toten werde damit herabgewürdigt. In der evangelischen Kirche war vielen ein Dorn im Auge, dass Halloween dem Reformationstag am selben Tag Konkurrenz macht. Inzwischen sehen die Kirchen den Brauch in der Regel gelassener. In vielen Pfarreien gab es in den letzten Jahren sogar Alternativ-Angebote, die eher augenzwinkernd dem Kürbisfest etwas entgegensetzten. Dabei griffen sie etwa das Tabuthema Tod jugendgemäß auf. Oft verwiesen sie auch auf die christlichen Feste im Umfeld wie Reformationstag (31. Oktober), Allerheiligen (1. November), Allerseelen (2. November) oder Sankt Martin (11. November).
Was hat der Monat mit Tod und Trauer zu tun?
Im November häufen sich die Feiertage, an denen der Toten gedacht wird. Manches deutet darauf hin, dass dies nicht zufällig so gewählt wurde: Die Tage werden kürzer und dunkler, das Wetter ist häufig trüb und trist. Auch in der Natur erlischt an vielen Stellen sozusagen das Leben: Zum Beispiel verlieren Bäume ihre Blätter und die bunten Farben des Herbstes weichen einem dunklen grün-grau.
Was wird an Allerheiligen gefeiert?
Am 1. November erinnert die katholische Kirche an alle Menschen, die ein „heiligmäßiges“ Leben geführt haben. Heilige im engeren Sinne sind Menschen, die für ihr besonders christliches und vorbildliches Leben verehrt und deshalb offiziell heiliggesprochen werden.
Ausdrücklich soll auch an diejenigen Heiligen gedacht werden, die weniger bekannt sind und keinen eigenen Feiertag haben. Außerdem erinnert Allerheiligen daran, dass nach Lehre der Kirche jeder Gläubige zur Heiligkeit berufen ist. Entsprechend können - neben den Heiliggesprochenen – auch viele andere Verstorbene wie Heilige verehrt werden. Daraus wurde letztlich die Tradition, aller Toten zu gedenken, auch wenn eigentlich Allerseelen der Totengedenktag ist.
Wie wird der Tag im Gottesdienst begangen?
Allerheiligen wird in den katholischen Gottesdiensten wie ein österliches Fest gefeiert. Denn nach christlicher Lehre ist der Tod nicht das Ende, an Ostern wird ja die Auferstehung Jesu gefeiert. Die Priester tragen daher auch an Allerheiligen als liturgische Farbe weiß. Zum Evangelium werden die berühmten Seligpreisungen aus der Bergpredigt gelesen.
Was bedeutet Allerseelen?
Am 2. November gedenkt die katholische Kirche aller Toten. Nach alter Tradition beten die Hinterbliebenen vor allem für die „Seelen im Fegefeuer“, also für jene, die noch eine Art Reinigung brauchen, bevor sie die volle Gemeinschaft mit Gott erreichen. Die liturgische Farbe des Festes ist violett.
Seit wann gibt es Allerheiligen?
Schon im 4. Jahrhundert ist in Antiochien ein „Herrentag aller Heiligen“ belegt, der damals am Sonntag nach Pfingsten gefeiert wurde. Im Zuge der Christenverfolgungen war die Zahl der Märtyrer rasant angestiegen, so dass es ratsam erschien, einen Festtag für all jene Heiligen einzuführen, denen im kirchlichen Kalender kein eigener Gedenktag eingeräumt werden konnte. Papst Gregor IV. war es schließlich, der dieses Fest 835 verbindlich auf den 1. November legte. Orthodoxe Christen feiern das Fest weiterhin am Sonntag nach Pfingsten.
Und seit wann wird Allerseelen gefeiert?
Der Allerseelentag geht auf Abt Odilo von Cluny zurück. 998 führte er diesen Gedenktag für die Verstorbenen in allen ihm unterstellten Klöstern ein. Schnell verbreitete sich die Idee, auch wenn die offizielle Festsetzung des Gedenktags erst 1915 durch Papst Benedikt XV. erfolgte.
Was verbindet beide Tage?
Es hat vor allem pragmatische Gründe, dass sich das Totengedenken mehr und mehr auf den Allerheiligentag verschoben hat. Denn Allerheiligen ist anders als Allerseelen in mehreren Bundesländern Feiertag. Aber auch theologisch stehen beide Feste in einem engen Zusammenhang.
Welches Brauchtum rankt sich um Allerheiligen und Allerseelen?
An diesen Tagen besuchen viele Menschen die Gräber ihrer Angehörigen, die zu diesem Anlass festlich geschmückt werden. Sie entzünden dort lang brennende Grablichter, die im Dunkeln dann für ein weit sichtbares Lichtermeer sorgen. Insbesondere in katholisch geprägten Regionen gibt es Gräberumgänge und Gräbersegnungen. Oft kommen hierzu Familienmitglieder aus nah und fern zusammen. Im süddeutschen Raum werden süße Seelenzöpfe oder Seelenbrezeln gebacken. Diese werden aus Hefe- oder Blätterteig hergestellt und mit Mandeln oder Zucker bestreut.
Vor allem Kinder verbinden mit Allerheiligen auch das Halloween-Brauchtum am Vorabend, das seit einiger Zeit aus dem englischen Sprachraum nach Deutschland geschwappt ist. Der Name dieses Festes ist in der Tat eng mit dem christlichen Allerheiligentag verbunden. So geht der Name auf die englische Bezeichnung „All Hallows eve“, also den Vorabend des Allerheiligenfestes zurück.
In Mexiko wird rund um Allerheiligen der „Dia de los muertos“ gefeiert, ein farbenprächtiges Volksfest zu Ehren der Toten, bei dem sich indigene und christliche Traditionen vermischt haben.
In welchen Bundesländern ist Allerheiligen Feiertag?
Allerheiligen ist in Deutschland nur in stärker katholisch geprägten Bundesländern ein Feiertag, nämlich in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland. Europaweit ist Allerheiligen in sehr vielen Ländern gesetzlicher Feiertag. Zu den Ausnahmen gehören etwa die Nachbarländer Dänemark und Niederlande.
Sind Allerheiligen und Allerseelen auch „stille Feiertage“?
Allerseelen nicht, aber Allerheiligen ist in den Bundesländern, wo der Tag auch gesetzlicher Feiertag ist, ein „stiller Tag“. An diesen Tagen gilt in den meisten Ländern ein Tanzverbot, was allerdings immer häufiger in Frage gestellt wird. In der Regel sind auch Sportveranstaltungen - zumindest am Vormittag - und die öffentliche Aufführung bestimmter Filme untersagt.
Gibt es auch nicht-kirchliche Trauertage im November?
Ein weltlicher Gedenktag ist der Volkstrauertag, der immer am zweiten Sonntag vor dem ersten Advent begangen wird. Dann gedenken die Deutschen der Opfer der beiden Weltkriege sowie des Nationalsozialismus und legen Blumen und Kränze nieder an entsprechenden Gedenkstätten.
Der Tag soll zu Versöhnung, Verständigung und Frieden mahnen. Er wurde durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eingeführt und erstmals 1922 im Frühjahr begangen. Die Nationalsozialisten funktionierten ihn zum „Heldengedenktag“ um. Um sich davon abzusetzen, wurde der Volkstrauertag nach dem Zweiten Weltkrieg in den November verlegt.