Der „Second-Hand-September“ gegen Verschwendung

05.09.2023 |

Gut für den Geldbeutel und für die Umwelt: der „Second-Hand-September“. Die Oxfam-Aktion soll dazu animieren, bewusst auf den Neukauf von Krimskrams und Kleidung zu verzichten. Warum das eine gute Idee ist.

Ware aus zweiter Hand bedeutet Second-Hand wörtlich übersetzt und bedeutet, dass das Kleidungs- oder Möbelstück schon mindestens einen Vorbesitzer hatte. 
 
Vom Knoblauchschäler über Shirts bis zum Stofftier: Es gibt Läden, die fast alles verkaufen, was das Herz begehrt. Einer davon ist der Oxfam-Laden in Nürnberg. Das Besondere: Zum Verkauf steht ausschließlich Ware aus zweiter Hand. Passend dazu hat die Nichtregierungsorganisation den „Second-Hand-September“ ins Leben gerufen. Ziel ist, einen Monat lang nur Ware zu kaufen, die nicht neu ist.
 
Längst ist bekannt, dass die Produktion einer einzigen Jeans über 7.000 Liter Wasser verbraucht, also rund 40 gefüllte Badewannen. Ein neues Shirt fliegt fast einmal um die Welt, bevor es im Kleiderschrank landet – und die Textilindustrie produziert laut Oxfam mehr Treibhausgase als die internationale Flug- und Schifffahrt pro Jahr zusammen. Trotzdem tragen die Deutschen im Schnitt nicht einmal die Hälfte ihrer Garderobe.
 
Second-Hand-Ware entlastet die Umwelt – schon allein deshalb, weil keine Verpackungsmaterialien benötigt werden.
Auch deshalb boomt der Handel mit Second-Hand-Mode: Das Statistische Bundesamt kam im März zu dem Ergebnis, dass private Haushalte im vergangenen Jahr im Schnitt 35 Euro pro Monat durch den Verkauf von getragener Kleidung eingenommen haben – und damit 8 Euro mehr als noch 2016. Wer ehemalige Lieblingsteile in einen Oxfam-Laden bringt, entscheidet sich hingegen bewusst für eine Spende.
 
Kleider und Ware aus zweiter Hand – mehr als nur Geld sparen
 
Im Laden wird sie von Ehrenamtlichen gesichtet und aufbereitet: Taschen, Anzüge und Shirts warten – nach Farben sortiert – auf ein neues Zuhause, ausgewählte Bücher reihen sich aneinander, Spielzeug und Porzellan stehen feinsäuberlich etikettiert in den Regalen.
 
Alles, was nach drei Wochen nicht verkauft wird, kommt zurück ins Lager, erklärt der frühere Leiter des Nürnberger Shops, Jürgen Heußner. Die Kleidung werde dann an andere Hilfswerke weitergegeben. Doch selbst Teile mit eigenwilligsten Designs fänden hier einen neuen Besitzer, weiß Heußner, der seit der Eröffnung und damit seit 15 Jahren in dem kleinen Laden – einem von bundesweit 55 – arbeitet.
 
Alle Erlöse kommen der Nothilfe und Projekten der Entwicklungsorganisation im Ausland zugute; etwa in Syrien, Tadschikistan oder Südafrika. „Natürlich sind wir auf die Einnahmen angewiesen“, erklärt Heußner. „Wenn jemandem ein Teil aber nicht steht, sagen wir das den Menschen direkt ins Gesicht.“ Anlügen wolle das Team niemanden. „Das haben wir nicht nötig“, sagt er lachend.
 
Neben Kleidung kommen die meisten Spenden aus Haushaltsauflösungen. Viele brächten auch früheren Lieblingsschmuck vorbei, weil sie ihn in dem Laden gut aufgehoben wüssten. „Hinter vielen Dingen steckt eine Geschichte, die die Menschen erzählen wollen.“ Diese Zeit nähmen sich die Ehrenamtlichen.

Second-Hand kann man nicht nur in Läden kaufen, auch online gibt es viele Internetseiten und Plattformen, auf denen Kleidungsstücke, Möbel, Accessoires, Bücher und vieles mehr aus zweiter Hand verkauft werden.
Mittlerweile sind in dem Geschäft rund 70 Mitarbeitende tätig, die zwei Ältesten sind 87 Jahre alt. Pro Schicht arbeiteten in der Regel 14 Personen – anders könnten sie die Bergen an Klamotten nicht bewältigen, so Heußner. Denn bis ein Kleid für den Verkauf bereitsteht, muss es durch viele prüfende Hände: Erst werden die gespendeten Teile im Lager dokumentiert, dann sortiert, bepreist und schließlich aufgehängt.
 
Eine Liste, die allerlei Marken führt, hilft bei der Preisfindung. Aus einem Korb, in dem sich Shirts und Hosen türmen, fischt eine Mitarbeiterin ein schwarz-gelbes Kleid des deutschen Labels „VaBene“. „Hochwertiger Stoff, keine Flecken, saubere Nähte, 16 Euro“, resümiert sie. Was gespendet werden darf und was nicht, ist klar geregelt. Ausgenommen sind etwa Pelzmäntel und Schmuck aus Elfenbein.
 
Mit der Anzahl an Kundinnen und Kunden ist Heußner zufrieden. Außerdem kämen im Vergleich zu früher immer mehr junge Menschen in den Laden. Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit habe sich geändert. Trotzdem shoppen Menschen in Deutschland im Schnitt 60 neue Teile pro Jahr.
 
Leisten können sich das die meisten wegen der Fast-Fashion-Industrie: Produziert wird zu Niedrigstpreisen im Ausland, um das Sortiment günstig auf den Markt zu bringen. Dabei ist die Billigproduktion nicht nur an menschenunwürdige Arbeitsbedingungen, sondern auch massive Umweltverschmutzungen geknüpft. Wer also etwas Gutes für Natur, Mensch und Geldbeutel tun will, kann sich auf Suche die Suche nach alten, neuen Lieblingsteilen begeben – zum Beispiel im „Second-Hand-September“.
 
Beate Laurenti