Weltjugendtag einfach erklärt

01.08.2023 |

Oder auch: Warum pilgern da eigentlich junge Leute hin?
Immer weniger junge Menschen in Deutschland können mit der Kirche etwas anfangen. Trotzdem zieht es  gerade Tausende junge Katholikinnen und Katholiken nach Lissabon. Wie kommt's?

Etwa alle zwei bis drei Jahre lädt der Papst zum Weltjugendtag ein: in diesem Jahr nach Lissabon. 2019 fand er mit 700.000 Teilnehmern in Panama, davor 2016 im polnischen Krakau statt. In Deutschland war der Weltjugendtag bislang erst ein Mal, 2005 in Köln.
 
Auf Hunderttausende junge Menschen aus der ganzen Welt stellt sich die portugiesische Hauptstadt Lissabon ein. Dort findet vom 1. bis 6. August der sogenannte Weltjugendtag (WJT) mit Papst Franziskus statt. Alle paar Jahre richtet die katholische Kirche dieses Glaubensgroßevent aus. Weltjugendtage gehören zu den teilnehmerstärksten christlichen Veranstaltungen. Bisher angemeldet haben sich laut Deutscher Bischofskonferenz 313.000 Jugendliche aus 151 Ländern. Erstaunliche Zahlen angesichts des Bedeutungsrückgangs von Kirche und Religion, zumindest in Europa. 
 
Ziel des internationalen Großtreffens: Weltkirche erleben, Glauben feiern und reflektieren .
 
Beim Weltjugendtag treffen junge Menschen aufeinander, die andere Sprachen sprechen und unterschiedliche Lebensrealitäten haben - auch im Glauben und kirchlichen Alltag. Ob kirchenpolitische Fragen wie zur Rolle der Frau oder zu LGBTIQ+-Rechten, so ziemlich jede Meinung wird in Lissabon vertreten sein. Vom Gottesdienst auf Latein bis hin zur Lichtshow mit Elektromusik - die Teilnehmenden eint das Ziel, sich in der portugiesischen Hauptstadt mit ihrem Glauben auseinanderzusetzen, sich untereinander zu begegnen und das Gastland kennen zu lernen.
 
Die WJT-Atmosphäre gleicht oft der auf einem Jugendlager, einem internationalen Sportevent oder einer friedlichen Demo. Locker und vertraut kommt es immer und überall zu Begegnungen, ob im Bus, in der Klowarteschlange oder abends bei einem kühlen Getränk. Es wird viel gesungen, bunte Fahnen und Gruppen-Shirts dominieren das Stadtbild. „Festivalstimmung“ nennt Luca Rusch aus Münster das, er war schon bei mehreren Weltjugendtagen. Die besondere Atmosphäre motiviere am meisten, immer wieder hinzufahren.
 
Schon vorab war ganz schön viel los in Portugal, wie etwa in Fatima. Bei einem Gottesdienst sitzen die jungen Pilgerinnen und Pilger auf dem Platz vor der Basilika.
 
Geschlafen wird in Turnhallen, Schulen oder Gastfamilien; eine Nacht verbringen alle gemeinsam zu einem Nachtgebet auf freiem Feld. Jedem Weltjugendtag gehen „Tage der Begegnung“ mit den Menschen im Gastland in allen Landesteilen voraus.
 
Aus Deutschland werden rund 8.200 Jugendlich in Lissabon dabei seinund sich dort mit jungen Leuten aus der ganzen Welt austauschen. „Man merkt, dass man in der Gemeinschaft ist“, sagt Johannes Weiler, der beim vergangenen WJT in Panama dabei war. „Dass der Glaube doch auch noch anderen jungen Menschen wichtig ist“. Im Alltagsleben, in den Gemeinden nehme man das nicht mehr wahr. Zu den wenigen jungen Menschen in Sonntagsgottesdiensten bieten die Freiluftmessen mit Hunderttausenden einen starken Kontrast.
 
Papst Franziskus wird in Lissabon große Gottesdienste feiern und im kleineren Rahmen Jugendliche treffen. Den Papst zu sehen, auch das ist ein Grund zum Beispiel für Luca Rusch, zum Weltjugendtag zu reisen. Franziskus gibt den Jugendlichen für gewöhnlich Botschaften mit auf den Weg. Vor sieben Jahren rief er in Krakau dazu auf, keine Couch-Potatoes zu sein, sondern die Welt zu gestalten.
 
Jedem internationalen WJT gehen „Tage der Begegnung“ voraus, bei denen die ausländischen Jugendlichen in Gastfamilien den Alltag und die Kultur des Gastlandes besser kennenlernen. Der WJT geht auf eine Initiative von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) zurück. 
 
Welche Themen den Papst und die Jugend diesmal beschäftigen werden, bleibt abzuwarten. Der WJT-Organisator und Weihbischof von Lissabon, Americo Aguiar, kündigte an: „Es wird um Umweltprobleme gehen, um die Pandemie, um den Ukraine-Krieg und andere Konflikte, um universelle Geschwisterlichkeit. Es wird um Brückenbauen zwischen verschiedenen Religionen und Gesellschaften gehen; aber auch um das von Papst Franziskus geforderte menschlichere Modell von Wirtschaft, das auf soziale Gerechtigkeit und nicht nur aufs Wachsen ausgerichtet ist.“ 
 
Trotzdem: Weltjugendtage sind normalerweise nicht so politisch wie Katholiken- oder Kirchentage in Deutschland, bei denen in vielen Diskursformaten alle gesellschaftlichen und politischen Fragen debattiert werden.
 
Also, was ist das denn nun, ein Weltjugendtag: Eine fromme Bekehrungsveranstaltung? Eine internationale Jugendbegegnung? Ein modernes Glaubensevent? Ein feucht-fröhlicher Ausflug der Pfarrjugend? Eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensweg? Oder ein Ort für (kirchen-)politische Debatten? Irgendwie alles zusammen.
 
Nicola Trenz/KNA