Leo XIV. feiert sein erstes Ostern anders als sein Vorgänger

07.04.2026 |

50.000 Menschen, 70.000 Blumen, strahlender blauer Himmel: Leo XIV. feiert sein erstes Ostern als Papst am Ort des Abschieds von Franziskus. In der Heiligen Woche machte er einiges anders als sein Vorgänger.

Der Blumenteppich vor dem Petersdom während der Messe am Ostersonntag.
 
Ostern ist das größte Fest der Christenheit - und das ist spürbar an diesem Sonntag im Vatikan. Die Schlange von Menschen, die auf Einlass auf den Petersplatz hoffen, windet sich schon früh um die Mauern des Kirchenstaats. Sie alle wollen dabei sein, wenn Leo XIV. seine erste Ostermesse als Papst feiert. Für seinen Vorgänger Franziskus war es vor einem knappen Jahr der letzte öffentliche Auftritt - am folgenden Ostermontag-Morgen starb er nach schwerer Krankheit.
 
Wie in jedem Jahr ist der Platz vor der Basilika mit vielen bunten Blumen aus Holland geschmückt. Anlässlich des 40. Jubiläums dieser Tradition waren über 70.000 Pflanzen aus den Niederlanden nach Rom gereist. Der gebürtige US-Amerikaner Leo XIV. feiert den Gottesdienst unter dem strahlend blauen Frühlingshimmel der italienischen Hauptstadt.
 
Nicht mit dem Bösen abfinden
In seiner Predigt ruft er die Menschen dazu auf, Hoffnung zu verbreiten. Beim anschließenden berühmten Papstsegen "Urbi et orbi" (Der Stadt und dem Erdkreis) fordert er ein Ende der Gleichgültigkeit angesichts von Tod, Hass und Spaltung. "Und wir dürfen uns nicht mit dem Bösen abfinden!", so Leo XIV. von der Mittelloggia des Petersdoms. "Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder! Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden! Nicht für einen Frieden, der mit Gewalt erzwungen wird, sondern durch Dialog!"
Der "Urbi et orbi"-Segen ist eines der bekanntesten Rituale des Papstes. In der Formel kommt der weltumfassende Anspruch der katholischen Kirche zum Ausdruck. Papst Franziskus (2013-2025) nutzte die damit verbundene Ansprache stets, um die Aufmerksamkeit auf Kriege, Konflikte und mitunter vergessenes Leid in der Welt zu lenken.
 
Im letzten Jahr teilte er, von schwerer Krankheit gezeichnet, seine Sorge über die Situation im Nahen Osten und den wachsenden Antisemitismus mit. Er erinnerte spezifisch an die leidenden Menschen im Jemen und in der Ukraine, im westlichen Balkan, in der Demokratischen Republik Kongo, im Sudan, im Südsudan und in der Sahelzone.
 
Die Heilige Woche in ungewohnter Form
Die allgemeiner gehaltene Ansprache zum "Urbi et orbi"-Segen von Leo XIV. war nicht die einzige Abweichung von vergangenen Osterfesten. Der 70-Jährige machte einiges anders als sein Vorgänger. So kehrte er bei der Fußwaschung an Gründonnerstag zur "vor-franziskanischen" Tradition zurück und vollzog sie in seiner römischen Bischofskirche im Lateran. Auch wusch er nicht Frauen, Muslimen, Häftlingen oder Migranten die Füße, sondern zwölf Priestern. Elf von ihnen hatte er im letzten Jahr selbst geweiht.
 
Der ikonische Kreuzweg am römischen Kolosseum war von einer besonderen Symbolik geprägt. Als Zeichen seiner Anteilnahme am Leid vieler Menschen trug Leo XIV. das Kreuz aus leichtem Holz selbst über die gesamten 14 Stationen. Die jeweiligen Texte hatte der Franziskaner Francesco Patton geschrieben, der lange eine kirchliche Führungsposition im Nahen Osten innehatte. Sie prangen die vielfältigen Verletzungen der Menschenwürde weltweit an - Folter, Missbrauch, Verwaltigung, Massaker und Völkermorde. Es war die erste Kreuzweg-Teilnahme eines Papstes seit 2022.
 
Aufgrund seines fragilen Gesundheitszustand verfolgte Franziskus das Ritual in den vergangenen Jahren vom Vatikan aus. Er hatte die Meditationen oft von verschiedenen Menschengruppen verfassen lassen. Sie verlasen die Texte während des Kreuzweges zumeist selbst, ebenso trugen sie das Kreuz. Unter ihnen waren Strafgefangene, Migranten, Opfer von Kriegen und Menschen mit Behinderung. Aufgrund seines langjährigen Ischias-Leidens nahm Franziskus üblicherweise von einer Terrasse gegenüber des Kolosseums teil.
 
Fitter Papst
Sein heute 70-jähriger Nachfolger ist körperlich fit und sparte sich in der Nacht auf Ostersonntag einige Stunden der Nachtruhe. Die lange Osternacht legte er wieder näher an ihren liturgischen Namen. Die älteste Nachtwache des Christentums begann um 21 Uhr, die Ostermesse auf dem Petersplatz startete am nächsten Tag um 10.15 Uhr. Nach dem "Urbi et orbi", in dem Leo XIV. auch seinen Vorgänger zitierte, nahm er sich viel Zeit, um aus dem Papamobil die rund 50.000 Menschen zu grüßen, die sein erstes Ostern als Papst begleitet hatten.
 
Papst Leo XIV. entzündet während der Osternacht eine Kerze an der Osterkerze.
 
Am Ostermontag lobte Leo XIV. bei seinem Mittagsgebet auf dem Petersplatz unter dem Applaus der Anwesenden das "große Zeugnis des Glaubens und der Liebe" seines Vorgängers. "Im Licht des Auferstandenen denken wir heute mit besonderer Zuneigung an Papst Franziskus, der am Ostermontag des vergangenen Jahres sein Leben in Gottes Hand zurückgegeben hat."
 
Leo XIV. rief die Menschen weiter dazu auf, immer leuchtendere Verkünder der Wahrheit zu werden. Diese werde oft von Fake News verdeckt, "also von Lügen, Andeutungen und grundlosen Verdächtigungen". Doch verstecke sich die Wahrheit angesichts solcher Hindernisse nicht, so das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken. "Sie kommt uns entgegen, lebendig und strahlend, und erhellt die tiefste Finsternis."
 
Der Hoffnung eine neue Stimme verleihen
Anlässlich des Osterfestes rief er die Gläubigen dazu auf, die frohe Botschaft der Auferstehung Jesu in die Welt zu tragen. Es sei wichtig, dass sie vor allem jene erreiche, die vom Bösen unterdrückt werden. "Ich denke dabei an die vom Krieg geplagten Völker, an die wegen ihres Glaubens verfolgten Christen, an die Kinder, denen der Zugang zu Bildung verwehrt bleibt", so Leo XIV. "Die Auferstehung Christi in Wort und Tat zu verkünden bedeutet, der Hoffnung eine neue Stimme zu verleihen, die sonst durch die Hände der Gewalttätigen erstickt wird."
 
KNA