Vertraut, dass er mitträgt!

03.03.2026 |

„Kommt! Bringt eure Last!“ Unter diesem Motto versammeln sich am 6. März 2026, dem Weltgebetstag der Frauen, in mehr als 150 Ländern Frauen (und Männer) in ökumenischer Verbundenheit um gemeinsam zu hören, zu lernen, sich zu bestärken und zu beten.

Das Bild zum Weltgebetstag 2026 mit dem Titel „Rest for the Weary“ stammt von der nigerianischen Künstlerin Gift Amarachi Ottah. 
 
Ein hoffnungsvolles und Mut machendes Leitwort, zu dem Frauen aus Nigeria die Gebetstexte in diesem Jahr vorbereitet haben. Es knüpft an die Einladung Jesu im Matthäus-Evangelium an, wo es heißt: „Nehmt mein Joch auf euch – mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht“ (Matthäus 11, 28-30). Was bewegt dieses Wort Jesu heute in uns und wie mögen die Frauen in Nigeria dieses Schriftwort hören und empfinden?

Mein erster Eindruck: Keine schöne Vorstellung. Ich möchte nicht unterjocht sein, fest eingespannt, ohne Freiheit, unter dem Druck anderer. Aber dann sind mir Bilder gekommen, Erfahrungen von Reisen in Ländern Afrikas oder Asiens, in denen es das Joch noch gibt. Bilder von Frauen, die an einer Holzstange über den Schultern Wasserkrüge tragen. Da ist mir deutlich geworden: Das Joch ist nicht selbst Last, sondern ein Hilfsmittel, das die Lasten verteilt, ausbalanciert und ermöglicht sie zu tragen.

Jesu „Joch“ ist ein Gegenbild zu den Fesseln der Gewalt. Sein Joch ist sanft, nicht weil es die Realität beschönigt, sondern weil es auf Achtung, Freiheit und Heilung ausgerichtet ist. Jesu Bildrede lädt dazu ein, neue Schritte zu wagen – vielleicht kleine, vielleicht zögerliche, aber Schritte hinaus aus dem, was niederdrückt und Angst macht. Schritte hin zu sicheren Orten, zu Menschen, die Schutz und Hilfe bieten.

Und Jesus sieht die Belasteten mit seinen Augen, die bei diesem Anblick mitleiden. Er wendet sich – wie so oft – gerade an diejenigen, deren Kräfte erschöpft sind, deren Würde missachtet wurde. 

Jesus stellt sich an die Seite derer, die unter Lasten leiden – und ruft uns gleichzeitig dazu auf, dasselbe zu tun. Er lädt die Menschen ein, vom ihm zu lernen, wie sie die Lasten ihres Alltags tragen können, ohne sich dabei auszupowern, sondern im Gegenteil sogar eine innere Ruhe zu finden. 

Wie kann das gehen? Indem die Menschen sich auf seine Botschaft einlassen: Kommt unter mein Joch, folgt mir nach, geht in meiner Spur, vertraut, dass ich der Zweite bin, der unter dem Joch geht und mitträgt. Mein Joch, meine Botschaft, befreit und macht lebendig.

Wenn ich auf das Leben der Menschen in Nigeria schaue, finde ich es sehr nachvollziehbar, dass die Frauen aus Nigeria gerade dieses Schriftwort für den Weltgebetstag ausgewählt haben. Und wie gut muss es den Menschen in Nigeria tun, diese Zusage Jesu zu hören und ihr zu folgen: „Kommt alle zu mir. Bringt mir eure Last.“

In den Gebetstexten entdecke ich Stimmen von Frauen, die von ihrem Alltag erzählen – von Hoffnung und Angst, von Stärke und Glauben. Ich treffe Mary Gwen John, eine „Sister of Jesus the Saviour“, einem 1985 in Nigeria gegründeten Orden, der sich stark in der Bildung für Kinder und Jugendliche engagiert. Seit ein paar Wochen erst lebt sie im „Haus Lavigerie“, einem interkulturellen und interreligiösen Zentrum der Weißen Väter und Schwestern in Karlsruhe, um zunächst Deutsch zu lernen und dann ihre Ausbildung als Krankenschwester fortzusetzen. Mary Gwen erzählt mir: „Nigeria ist ein Land voller Gegensätze“.

Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas und geprägt von großer Vielfalt: mehr als 250 ethnische Gruppen, zahlreiche Sprachen sowie unterschiedliche religiöse Traditionen leben hier zusammen. Diese Vielfalt ist ein Reichtum – zugleich aber auch eine Quelle von Spannungen. Nigeria besitzt große Bodenschätze, insbesondere Erdöl, doch der Reichtum ist sehr ungleich verteilt. Viele Menschen leben in Armut, während eine kleine Elite von den Rohstoffen profitiert. Korruption, schwache staatliche Strukturen und politische Gewalt erschweren eine gerechte Entwicklung.

Im östlichen Teil des Landes, aus dem Mary Gwen kommt, können alle – auch die Frauen – zur Schule gehen und einen Beruf erlernen. Muslime und Christen verschiedener Konfessionen leben in Frieden und gegenseitigem Respekt zusammen. 

Ganz anders sieht es im Norden des Landes aus. Menschen leiden unter der Unsicherheit durch terroristische Gruppen wie Boko Haram. Immer wieder gibt es gewaltsame Entführungen, gerade auch von Kindern und Frauen. Die Terrormilizen kommen aus dem benachbarten Niger und beanspruchen nigerianisches Land durch gewaltsame Vertreibungen und Gelderpressungen. Hier können sich nur wohlhabende Leute Schulbildung und Gesundheitsversorgung leisten. Junge Mädchen werden oft schon mit 15 Jahren an deutlich ältere Männer zwangsverheiratet. Mit Handarbeiten, die sie auf der Straße verkaufen, versuchen sie, ein bisschen Geld zu verdienen.

Dennoch engagieren sich viele Nigerianerinnen und Nigerianer gerade in dieser Region mutig für Demokratie, Bildung und Frieden. Sie organisieren sich, protestieren, unterstützen sich gegenseitig und kämpfen gemeinsam für ihre Rechte. „Wenn wir warten, bis man uns Rechte gibt, warten wir ewig. Also nehmen wir unsere Zukunft selbst in die Hand“, lautet ihre Einstellung, wie mir Mary Gwen erzählt. Stärkung finden dabei die Frauen – Christinnen, Muslima oder Frauen, die einer traditionellen Religion ihres Volksstammes angehören – in ihrem Glauben. 

Hier in Deutschland versammeln wir uns am Weltgebetstag als Frauen, die zuhören. Die mehr erfahren wollen über dieses Land: Nigeria, ein wirtschaftliches Schwellenland, voller Widersprüche; reich an Ressourcen und einer Vielfalt von Kulturen, in der besonders auch die Musik und das gemeinsame Feiern eine Rolle spielen; arm an Gerechtigkeit; voller Konflikte, aber auch voller Leben, Kreativität und Hoffnung. 

„Was ist charakteristisch für dein Land?“, frage ich Mary Gwen am Ende unseres Gesprächs. „Nigeria is a place of joy“ – Nigeria ist ein Ort der Freude, antwortet sie mit einem Lachen. „Wir haben zwar große Probleme. Aber in der Verbundenheit miteinander sind wir froh und zuversichtlich.“ Und die Energie der überwiegend jungen Bevölkerung macht Mut, sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen.

Frauen aus Nigeria laden vielleicht auch uns ein, genauer hinzusehen: auf unsere eigenen Privilegien, auf globale Zusammenhänge und auf die Verantwortung, solidarisch zu sein. Nicht aus Mitleid, sondern aus Verbundenheit. „Ich bin gütig und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele“ – das sind sicher Trostworte für alle, die unter Gewalt oder anderen Lasten leiden. Aber sie wollen mehr sagen: Sie erinnern uns auch daran, dass Veränderung nicht nur ein persönlicher, sondern immer ein gesellschaftlicher Auftrag ist. Sie erinnern uns daran, immer wieder gemeinsam die Stimme zu erheben gegen jegliche Form von Gewalt. Und wir können das – gestärkt und ermutigt in dem Vertrauen: Die Last hat nicht das letzte Wort.
 
Annette Bernards
 

Weltgebetstag 

Weltgebetstag im Fernsehen
BibelTV, Freitag, 6. März, 19 Uhr
Weitere Informationen: www.bibeltv.de
Weltgebetstag bei DOMRADIO
DOMRADIO-Mediathek
Freitag, 6. März, ab 9 Uhr
Weltgebetstag Online: YouTube-Kanal des Weltgebetstags Deutschland
Freitag, 6. März, ab 9 Uhr 
Weitere Informationen:  
www.weltgebetstag.de