Wo queere Paare in Deutschland gesegnet werden

06.08.2025 |

Katholische Segensfeiern für homosexuelle Paare sind möglich, aber nicht überall.

 
Viele katholische Kirchen segnen längst homosexuelle und wiederverheiratete Paare - aber längst nicht alle. Wie Recherchen des Internetportals katholisch.de zeigen, hängt das vom jeweiligen Kirchenbezirk ab. Drei Monate nach Veröffentlichung der Handreichung "Segen gibt der Liebe Kraft" reagieren deutsche Bistümer und Erzbistümer sehr unterschiedlich auf Segnungen für Paare, die keine kirchliche Ehe eingehen können.
Demnach lehnen fünf deutsche Bistümer die Umsetzung der Handreichung ab: das Erzbistum Köln sowie die Bistümer Augsburg, Eichstätt, Passau und Regensburg. Sie berufen sich auf den Vatikan: Die deutsche Handreichung sei nicht konform mit den römischen Vorgaben.
 
Andere Bistümer unterstützen den Vorstoß und setzen ihn bereits in der Praxis um. Das Bistum Essen in Nordrhein-Westfalen betont, Mitarbeitende hätten an dem Papier mitgearbeitet; man biete zudem Fortbildungen zur Handreichung an. Die Bistümer Limburg, Osnabrück und Trier haben den Leitfaden in ihren Amtsblättern veröffentlicht. In Osnabrück wurde ein Formular zur statistischen Erfassung der Segnungen bereitgestellt. Auch das Bistum Rottenburg-Stuttgart veröffentlichte die Handreichung und kündigte Fortbildungen für Seelsorger an.
 
Kirchliche Verbände bei Christopher Street Day Parade in Köln.

 
Die Bistümer Dresden-Meißen und Hildesheim haben die Handreichung auf ihren Internetseiten zugänglich gemacht. Das hat offiziösen Charakter, jedoch weniger Verbindlichkeit als eine Publikation im Amtsblatt. Das Bistum Aachen kündigte eine Empfehlung des Papiers an. Auch die Bistümer Fulda, Mainz, Speyer und Würzburg befürworten Segensfeiern. In Mainz riet Bischof Peter Kohlgraf persönlich allen Seelsorgerinnen und Seelsorgern, die Handreichung in ihrer Praxis zu berücksichtigen. Würzburg verweist laut katholisch.de auf bestehende Erfahrungen mit individuellen Segensfeiern.
 
Grundlage: "Fiducia supplicans" vom Dezember 2023
 
Mehrere Diözesen haben hingegen noch keine endgültige Position bezogen, darunter Görlitz, München und Freising, Magdeburg sowie Paderborn. Teilweise existieren dort bereits queersensible Pastoralangebote. Keine Rückmeldungen gab es aus Erfurt und Hamburg. Das Erzbistum Berlin setzt vorerst auf Kontinuität: Bischof Heiner Koch spendet selbst keine Segnungen, will aber Seelsorgerinnen und Seelsorger, die queere Paare segnen, nicht disziplinarisch einschränken.
 
Laut katholisch.de betonen die Bistümer Freiburg und Münster, dass die Handreichung keinen verpflichtenden Charakter habe. Beide Diözesen setzen daher auf die Sensibilität und das pastorale Einfühlungsvermögen der Seelsorger vor Ort. Das Erzbistum Bamberg teilte mit, man habe die Handreichung beraten. Das Ergebnis sei jedoch nicht mitgeteilt worden.
 
Die Handreichung wurde von der Gemeinsamen Konferenz aus Deutscher Bischofskonferenz und Zentralkomitee der deutschen Katholiken erarbeitet und versteht sich als Orientierungshilfe. Grundlage ist die vatikanische Erklärung "Fiducia supplicans" vom Dezember 2023, die Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare und Paare in "irregulären Situationen" erstmals in einem engen, außerliturgischen Rahmen ermöglicht. Die Segnungen dürften jedoch nicht den Eindruck erwecken, es handle sich um eine Bestätigung der Beziehung. Dafür dürfe der Segen für beispielsweise homosexuelle oder wiederverheiratete Paare nur wenige Sekunden dauern, so der Vatikan.
 
KNA