Ein Zeichen der Hoffnung

09.05.2025 |

Ein Papst - viele Baustellen: Papst Leo XIV. soll Reformen fortsetzen, Frieden stiften und die Einheit der Kirche stärken. Was von dem Amerikaner mit peruanischer Missionserfahrung erwartet wird.
 

Papst Leo XIV. steht auf dem Balkon der Loggia des Petersdoms im Vatikan und grüßt die Abertausenden Menschen auf dem Petersplatz.
 
Positiv überrascht und hoffnungsvoll blicken Kirchenvertreter in Deutschland auf die Wahl von Kardinal Robert Francis Prevost zum neuen Papst. Die katholischen deutschen Bischöfe erhoffen sich vom neuen Papst Leo XIV., dass er die Kirche mit Mut, Demut und Weisheit leiten möge - „im Vertrauen auf das Evangelium und im Geist der Geschwisterlichkeit, wie ihn auch Papst Franziskus gelebt hat“. Das schrieb die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) am Donnerstagabend auf der Plattform X. Der DBK-Vorsitzende, Bischof Georg Bätzing, bezeichnete die Wahl von Robert Prevost als „wunderbare Überraschung“. Er sei ein freundlicher, zugewandter Papst mit viel Erfahrung“, sagte der Limburger Bischof am Donnerstagabend in der ARD.
 
In seiner ersten Botschaft habe der Papst wichtige Akzente der Kontinuität zu Papst Franziskus gesetzt, so Bätzing weiter in einer Mitteilung der Bischofskonferenz. „Gerade seine klaren Worte zu einer synodalen Kirche, die voranschreitet und für alle Menschen da sein will, sind eine Aussage, die uns auch als Kirche in Deutschland den Rücken stärkt.“ Auch der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr zeigte sich besonders darüber erfreut, dass dem neuen Kirchenoberhaupt Synodalität wichtig sei. Er begrüßte, dass Papst Leo XIV. den Weg seines Vorgängers weiter beschreiten wolle - dass nicht nur die Bischöfe alleine über die Kirche entschieden, sondern Priester und Gläubige beteiligt würden.
 
Freude und Dankbarkeit von Tausenden
 
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, der selbst an der Wahl von Papst Leo XIV. beteiligt war, sagte in Rom: „Als wir alle gemeinsam eben mit ihm oben auf dem Balkon waren, habe ich die Freude und Dankbarkeit von Tausenden von Menschen gespürt - und auch die Herzlichkeit, mit der sie unseren neuen Papst begrüßt haben.“
Der ebenfalls an der Wahl beteiligte Münchner Kardinal Reinhard Marx erklärte: „Dies ist kein Mann von schnellen Antworten, sondern ein Mann des Zuhörens, der aufmerksam ist für das, was der andere denkt.“ Auf die Frage, ob er Robert Prevost denn auch selbst gewählt habe, antwortete Marx: „Das ist geheim. Aber ich kann sagen, dass ich sehr glücklich bin.“
Der Fuldaer Bischof Michael Gerber sprach nach der Wahl von Papst Leo XIV. von einem Zeichen „insbesondere für die Ärmsten der Armen“. Der Vize-Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz wertete die Wahl von Prevost als Votum der Kardinäle für jemanden, der die globalen Herausforderungen im Blick habe.
 
Unprätentiöser Mann des Ausgleichs
 
Der Augsburger Bischof Bertram Meier betonte, Prevost könne Brücken bauen und vermitteln: „Er ist ein Mann, der auch in seiner eigenen Lebensgeschichte gelernt hat, mit verschiedenen Kulturen gut umzugehen“, sagte er. Er habe ihn als „sehr bedächtigen Mann“ kennengelernt, „einen Mann des Ausgleichs.“
 
Auch Bischof Stephan Ackermann hat Leo XIV. im persönlichen Gespräch als „unprätentiös und herzlich“ erlebt. Der Bischof von Trier erklärte, dass der neue Papst den missionarischen Auftrag der Kirche stark machen werde.
 
Hoffnungszeichen am Jahrestag des Kriegsendes

Der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz hat die Wahl von Robert Prevost zum Papst als „Zeichen der Hoffnung“ gewürdigt. Genau am 80. Jahrestag des Kriegsendes in Europa sei er gewählt worden, erklärte der Erzbischof am Donnerstagabend. Papst Leo XIV. baue in einer unfriedlichen Welt auf einen „entwaffnenden Frieden, der von Gott kommt“, wie der neue Papst auf dem Balkon des Petersdomes gesagt habe.
 
Der Würzburger Bischof Franz Jung zeigte sich begeistert über die „vielen guten Voraussetzungen“, die Prevost für das Papstamt mitbringe: „Er ist auf der einen Seite Amerikaner, auf der anderen Seite hat er südamerikanische Erfahrungen mit Peru. Er verbindet zwei Welten, die so konträr sind.“
 
Kenner des deutschen Reformprojekts

Das ist auch dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) wichtig. Kardinal Robert Francis Prevost sei ein Mann der Mitte, „politisch versiert, international vernetzt und zudem bestens informiert über die katholische Kirche in Deutschland“, erklärte die Präsidentin des Laien-Dachverbands, Irme Stetter-Karp, am Donnerstagabend in Berlin.
 
Auch Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa zeigte sich zuversichtlich, dass der neue Papst die Soziallehre der Kirche für die heutige Zeit weiterentwickeln und dabei an das Erbe seines Vorgängers Franziskus anknüpfen wolle.
 
Verbände fordern Reformen

Mehr Gleichberechtigung in der Katholischen Kirche erhofft sich der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) vom neu gewählten Papst Leo XIV. KDFB-Präsidentin Anja Karliczek sagte, sie hoffe auf eine entschlossene Fortsetzung des Reformkurses von Papst Franziskus.
Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) erwartet von Papst Leo XIV., „die von Papst Franziskus angestoßenen Reformen aufzugreifen und konsequent die Lehre und Gesetze der Kirche zu reformieren“.
 
Globale Perspektive im Blick

Die Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, Katharina Ganz, würdigte die Friedensbotschaft des neuen Papstes gleich zu Beginn seiner Ansprache. Papst Leo werde als Kosmopolit eine globale Perspektive haben, die so dringend gebraucht werde.
 
Der aus den USA stammende Kardinal Robert Francis Prevost ist der neue Papst und hat sich für den Namen Leo XIV. entschieden. Die 133 in der Sixtinischen Kapelle versammelten Kardinäle hatten ihn im vierten Wahlgang zum Nachfolger von Papst Franziskus gewählt. Der 69-Jährige ist der erste US-Amerikaner an der Spitze der katholischen Kirche. Zuletzt leitete er die Vatikanbehörde für Bischöfe, quasi die Personalabteilung der katholischen Weltkirche. Er ist Mitglied des Augustinerordens und war lange als Missionar in Peru tätig.
 
Lisa Maria Plesker