Heiliges Feuer unter Auflagen

15.04.2025 |

Höhepunkt und Streitpunkt: Die über 1.200 Jahre alte Liturgie des „Heiligen Feuers“ gilt als Höhepunkt der ostkirchlichen Feiern in Jerusalem. Und immer wieder gibt es Streit darum, wie viele Menschen daran teilnehmen dürfen.

Die Feier des „Heiligen Feuers“ in der Grabeskirche in Jerusalem.
 
An der orthodoxen Feier des „Heiligen Feuers“ am Karsamstag in der Grabeskirche in der Jerusalemer Altstadt dürfen auch diesmal nur 2.750 Gläubige teilnehmen. Das teilten israelische Polizeivertreter am Montag vor ausländischen Medien mit. Weitere 4.200 Personen sollen die Feier im unmittelbaren Gebiet um die Grabeskirche sowie auf den Dächern mitverfolgen können. Dabei betonten die Polizeivertreter, nicht sie hätten die Beschränkung der Teilnehmerzahl festgelegt, sondern ein von den Kirchen beauftragter Sicherheitsingenieur. Die Entscheidung beruhe „ausschließlich auf Sicherheitserwägungen“.
 
Die Rolle der Polizei bestehe lediglich darin, die Gläubigen mit Einlasskarten von den jeweiligen Kirchen zur Grabeskirche zu begleiten und einen für alle sicheren Ablauf der Zeremonie zu gewährleisten, hieß es weiter. Zu diesem Zweck sei ab Freitagabend „eine große Zahl von Beamten“ in und um die Altstadt im Einsatz. Genaue Angaben zur Einsatzstärke lehnte die Polizei ab. Ferner soll die Feier auf Großleinwänden in und um die Altstadt live übertragen werden.
 
Polizeieinsätze und Proteste
 
Die über 1.200 Jahre alte Liturgie am Samstagmittag gilt als spiritueller Höhepunkt der ostkirchlichen Osterfeiern. Zugangsbeschränkungen hatten in den vergangenen Jahren zu massiven Protesten der einheimischen Christen sowie von Kirchenvertretern geführt. Unter anderem hatten die Kirchen in der Vergangenheit dem genannten Ingenieur die Zuständigkeit in dieser Angelegenheit abgesprochen.
 
Christen geben das "Heilige Feuer" von Kerze zu Kerze weiter. Hinter einer Absperrung überwachen israelische Sicherheitskräfte das Geschehen.
 
 
Nach orthodoxem Volksglauben entzündet sich beim „Heiligen Feuer“ auf wundersame Weise eine Flamme an der als Grab Christi verehrten Kapelle. Das Feuer wird anschließend an die Gläubigen weitergereicht sowie mit Sonderflügen in verschiedene Länder gebracht. In den Jahren vor der Corona-Pandemie hatte die Polizei die Zahl der Teilnehmer wegen der beengten Verhältnisse sowie fehlender Notausgänge auf 10.000 Personen beschränkt.
 
Für viele ist ein Besuch leichter gesagt als getan
 
Von rund 50.000 palästinensischen Christen aus dem von Israel besetzten Westjordanland haben 6.000 eine Einreisegenehmigung zu den Osterfeiern in Jerusalem erhalten. Das teilte ein Sprecher des Lateinischen Patriarchats am Montag mit. Die Genehmigungen gelten demnach für eine Woche, sollen aber auf einen Monat ausgeweitet werden. Zudem hoffe man auf die Ausstellung von 2.000 weiteren Genehmigungen, die jedoch noch nicht bestätigt sei. Angaben zur Gesamtzahl der Anträge machte die Kirche nicht.
 
Eine Anfrage bei der zuständigen israelischen Behörde zu Zahl und Art der erteilten Genehmigungen blieb unbeantwortet. An der traditionellen Palmprozession am Sonntag nahmen nach Patriarchatsangaben 4.000 Menschen teil, darunter jedoch laut Beobachtern nur eine kleine Zahl von Christen aus wenigen Pfarreien des Westjordanlandes – darunter rund 25 Christen aus Bethlehem, 40 aus Dschenin und 50 aus der Umgegend von Nablus.
 
Andrea Krogmann