Dieses Kunststück hat vor ihm nur Grover Cleveland geschafft: Nach einer vierjährigen Unterbrechung ist Donald Trump überraschend deutlich erneut ins höchste Amt der Vereinigten Staaten gewählt worden. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz gratuliert dem Kandidaten zum Sieg – und will mit ihm zusammenarbeiten.
Junge Trump-Anhänger feiern die ersten erfolgreichen Wahlergebnisse für Donald Trump in Palm Beach (USA). Links zeigt eine junge Frau einen Zettel mit der Aufschrift "I love barron Trump" (dt. ich liebe Baron Trump), ein weiterer Mann (m.) hält eine US-amerikanische Flagge mit einem Abbild von Donald Trump darauf. Rechts trägt ein Mann die US-amerikanische Flagge als Umhang.
Bis zum Schluss gingen die Umfragen in den USA von einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Demokratin Kamala Harris und dem Republikaner Donald Trump aus. Am Ende fiel das Wahlergebnis überraschend deutlich aus: der 45. Präsident der USA wird auch der 47. Trump ist damit zurück an den Schalthebeln der Macht. Der Sender Fox News hatte sich am Mittwochmorgen als erstes großes Medienunternehmen festgelegt und den Sieg Trumps verkündet. Nach einer vierjährigen Unterbrechung wieder ins höchste Amt der Vereinigten Staaten zu kommen: Dieses Kunststück gelang vor ihm nur Grover Cleveland, der von 1885 bis 1889 und von 1893 bis 1897 amtierte.
Bei einem Auftritt in Florida erklärte sich Trump unter dem Jubel seiner Anhänger zum Gewinner der Wahl: „Ich danke dem amerikanischen Volk für die außerordentliche Ehre, zum 47. Präsidenten gewählt worden zu sein.“ Er sprach von der „großartigsten politische Bewegung aller Zeiten“ und kündigte an, das tief gespaltene Land zu „heilen“.
Mehrere Staats- und Regierungschefs aus aller Welt, darunter Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Israels Premier Benjamin Netanjahu, gratulierten dem 78-Jährigen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) schloss sich an und schrieb auf der Online-Plattform X: „Gemeinsam arbeiten Deutschland und die USA seit langem erfolgreich zusammen, um Wohlstand und Freiheit auf beiden Seiten des Atlantiks zu fördern. Das werden wir zum Wohle unserer Bürgerinnen und Bürger fortsetzen.“
Besonders bei Christen gepunktet
Nachwahlbefragungen von Fox News in Zusammenarbeit mit der Nachrichtenagentur Associated Press zeigen, dass Trump besonders bei christlichen Wählern stark abgeschnitten hat. Demnach erreichte er unter Protestanten landesweit 60 Prozent, in der katholischen Wählerschaft 54 Prozent. Bei jüdischen und muslimischen Wählern lag indes Harris mit jeweils mehr als 60 Prozent vorne.
Mit Trumps Sieg geht ein selten turbulenter Wahlkampf zu Ende. In Erinnerung bleiben zwei Attentatsversuche auf den polarisierenden Politiker, die kurzfristige Einwechslung von Kamala Harris anstelle des demokratischen Amtsinhabers Joe Biden – und kübelweise Lügen und Schmutz. Die von Trump betriebene „Entfesselung von Gemeinheit und Niedertracht“ habe es so noch nie gegeben, sagte unlängst der Historiker und USA-Kenner Karl Schlögel in einem Interview. „Das ist etwas Neues, mit dem man sich noch wird beschäftigen müssen.“
Zunächst aber werden sich Politiker in aller Welt und Journalisten damit auseinanderzusetzen haben, was Trump in seiner zweiten Amtszeit vorhat. Dabei, so betont Historiker Schlögel, ist der 78-Jährige nicht zwingend die Ursache der vielen Probleme in den USA, sondern eher eine Folge davon. „Die zentrale Frage lautet, ob die amerikanischen Eliten die Kraft haben, sich mit Themen wie der Migration, der Reform des Bildungswesens oder den neuen Herausforderungen in einer veränderten Weltlage auseinanderzusetzen.“
Das Problem: Der am 14. Juni 1946 in New York geborene Sohn eines ebenso skrupellosen wie hartherzigen Bauunternehmers mit deutschen und dessen klischeehaft kniepigen Gattin mit schottischen Wurzeln hat seine Partei, die Republikaner, komplett entkernt. In seiner Welt und der seiner Claqueure stehen Rechtsstaatlichkeit oder Werte wie politischer Anstand, Fairness und Wahrhaftigkeit nicht mehr allzu hoch im Kurs.
Zerrbild politischer Entwicklungen
In mancherlei Hinsicht mutet Trump wie ein Zerrbild der politischen Entwicklungen seines Landes an. Den Slogan „Make America great again“ nutzte schon Ronald Reagan, Präsident von 1981 bis 1989. Sexuelle Zügellosigkeit war bereits ein Problem von „Schürzenjäger“ John F. Kennedy (1961-1963) und Bill Clinton (1993-2001), der beinahe über eine Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky gestolpert wäre. Auf schmutzige Manöver verstand sich auch Richard „Tricky Dicky“ Nixon, der 1974 in der Watergate-Affäre durch seinen Rücktritt einem Amtsenthebungsverfahren zuvorkam. Neu war, dass Trump all diese Eigenschaften in einer Person vereinte – und in seiner ersten Amtszeit gleich zwei Impeachments überstand.
Dennoch weiß er nicht zuletzt konservative Christen auf seiner Seite – wohl auch, weil er, taktisch nicht unklug, in der Abtreibungsfrage bislang die Position des sogenannten Pro-Life-Lagers vertrat – auch wenn seine dritte Gattin Melania in der Abtreibungsfrage unlängst die Gegenposition einnahm: „Es gibt keinen Raum für Kompromisse, wenn es um dieses wesentliche Recht geht, das alle Frauen von Geburt an besitzen: die individuelle Freiheit.“
Klimawandel für Trump nicht wichtig
Umweltschutz und Klimawandel ignoriert der künftige Präsident nach Kräften. Damit hilft er zugleich, die Scheinheiligkeit der übrigen Industrienationen zu übertünchen, die zwar Nachhaltigkeit predigen, aber munter über ihre Verhältnisse leben. Weiterhin scheint es ein Naturrecht auf einen SUV für jedermann und billige Schnitzel zu geben. Um unvorteilhafte wissenschaftliche Ratschläge und Erkenntnisse – etwa beim Kampf gegen die Corona-Pandemie – machte und macht Trump oft einen großen Bogen; seine Kernkompetenz liegt im Bereich der „alternativen Fakten“.
Von diesem Sog lassen sich auch die Medien mitreißen – wieder einmal. Begierig bauschen sie jede noch so abwegige Äußerung von Trump zur Sensation auf und tragen so mit dazu bei, den Unterschied zwischen Tatsachen und Meinungen in öffentlichen Debatten weiter zu verwischen. Trump bringt Klicks und Schlagzeilen, auch wenn seine Äußerungen bisweilen durch nichts belegbar sind. Jüngstes Beispiel: seine Behauptung, haitianische Migranten würden in der Stadt Springfield im US-Bundesstaat Ohio Hunde und Katzen essen.