Die Weltsynode ringt um Formulierungen der Abschlusserklärung – danach liegt es am Papst, welche der Überlegungen umgesetzt werden, die in dem dreijährigen Prozess entstanden sind.
Auf der Schlussetappe der Weltsynode: Auch der Papst reiht sich in einen Arbeitskreis ein.
Zu Beginn der entscheidenden Abschlusswoche des katholischen Reformprojekts Weltsynode hat deren Generalsekretär zu Einheit und Mut aufgerufen. „Wir sind in der Endphase der Arbeit unserer Synodenversammlung angelangt, die die Früchte einer langen Reise sammelt, die im Oktober 2021 begann“, sagte Kardinal Mario Grech im Gottesdienst vor den Teilnehmenden der knapp vierwöchigen Beratungen. Zugleich warnte er vor der Gefahr von Spaltung und Selbstzufriedenheit.
Es gelte, „die Früchte unseres synodalen Weges und unserer Versammlung zu ernten, ohne uns zu spalten, sondern die Gemeinschaft zu suchen“, führte der maltesische Erzbischof aus. Der synodale Prozess habe geholfen, „die Gaben zu sehen, die heute im Volk Gottes blühen“. Nun müssten die „reichen Früchte“ vermehrt und „reinvestiert“ werden, anstatt sie vermeintlich sicher zu lagern. Die durch den Reformprozess erzielte Ernte sei nicht der Endpunkt, sondern auch ein Anfang, so der Kardinal.
Mächtig viel Arbeit wird in ein Abschlusspapier gesteckt, in dem Vorschläge für den Papst gesammelt sind. Dieser entscheidet anschließend, welche dieser Beschlüsse er in sein sogenanntes nachsynodales Schreiben aufnimmt. Grech warnte die Synodalen vor Trägheit und einer falschen Selbstgenügsamkeit. „Auch wir können Gefahr laufen, in unseren bekannten Grenzen zu verharren. Auch wir können in die Gefahr geraten, auf Pump zu leben“, mahnte der Kardinal. „Aber das Verständnis der Wahrheiten und die pastoralen Entscheidungen gehen weiter, festigen sich mit den Jahren, entwickeln sich mit der Zeit, vertiefen sich mit dem Alter“, ermutigte Grech. Letztlich könne nur der Heilige Geist dazu befähigen, für die „Neuheit Gottes“ offen zu bleiben.
Debatte um Frauenfrage sorgt für Empörung
Daher sollten die Synodenteilnehmenden „im Dialog“ mit dem Heiligen Geist stehen und auf jenes „Überfließen“ warten, das das Zeichen seines Eingreifens sei. „Wenn wir auf die Stimme des Geistes hören, wird der Abschluss dieser synodalen Versammlung nicht das Ende von etwas sein, sondern ein neuer Anfang, damit das Wort Gottes sich ausbreitet und verherrlicht wird“, erklärte Grech. Kurz vor dem Ende zeichnete sich einmal mehr ab, welche Bedeutung die Debatte über die Frauenfrage gewinnt. Der für die Studiengruppe zum Frauenthema zuständige Leiter der Glaubensbehörde, Kardinal Victor Fernández, hatte ein weiteres Treffen dazu angekündigt, nach dem es zuvor zu Verstimmungen gekommen war.
Ein anberaumtes Treffen von rund 100 Synodenteilnehmern mit Vertretern der Studiengruppe hatte für großen Unmut gesorgt. Laut der Anwesenden verlief es gänzlich ohne Informationen und ohne Debatten. Die Synodalen seien lediglich aufgefordert worden, mündliche oder schriftliche Eingaben zu machen. Fernández selbst war nicht anwesend; der Argentinier ließ sich von zwei Mitarbeitern des Glaubensdikasteriums, also der Vatikanbehörde, vertreten. Teilnehmer bezeichneten das Vorgehen unter anderem als „skandalöses Verhalten“ und „schlimme Enttäuschung“. In seiner Nachricht äußerte Fernández Bedauern über „das Missverständnis“. Die Begegnungen mit Experten aus den insgesamt zehn Studiengruppen waren erst vor zwei Wochen von der Synodenleitung eingeräumt worden, nachdem zahlreiche Teilnehmer eine Möglichkeit zum Austausch über strittige Fragen gefordert hatten.
BDKJ verfolgt Beratungen in Rom
Dass nur zwei Teilnehmende des päpstlichen Reformprojekts unter 30 Jahre alt sind – das sieht der Bund der Deutschen Katholischen Jugend kritisch, der mit vier Vertretern die Weltsynode in Rom verfolgt. „Das macht deutlich, dass es sich dabei nicht um ein ausschließlich deutsches Thema handelt, sondern dass es Menschen auf der ganzen Welt bewegt“, sagte der BDKJ-Bundesvorsitzende Gregor Podschun. Zudem freue es viele zu sehen, dass sich auch junge Menschen für die Kirche einsetzten. Eine Kernforderung des Verbandes sei, systemische Ursachen von Fällen sexualisierter Gewalt in der Kirche anzuerkennen. „Das hätte viele Folgen, weil diese Ursachen dann auch bearbeitet werden müssten“, erklärte Podschun.