„Odilia wollte sich Gehör verschaffen“

18.09.2023 |

Die Schwarzwaldfamilie Seitz ist mit Schlagern und Volksmusik weithin bekannt geworden. Jetzt haben Gabi Seitz und ihr Mann Karlheinz Barbo ein Musical über die heilige Odilia produziert. Im Oktober wird es  in Haslach aufgeführt.

Von der Vogesenstraße in Ohlsbach öffnet sich ein herrlicher Blick über die Rheinebene, in der Ferne kann man unschwer den Kamm der Vogesen erkennen. Wer sich auskennt, kann auch den Odilienberg ausmachen, vor allem nachts, wenn die Lichter strahlen. „Früher“, sagt Gabi Seitz, „sind wir häufig dahin gepilgert.“ Der Onkel war blind und die Familie erhoffte sich Trost und Hilfe auf dem heiligen Berg des Elsass. „Es ist einfach ein Kraftort“, sagt Gabi Seitz, „davon bin ich fest überzeugt, und das Leben der heiligen Odilia ist einfach faszinierend.“ Und detailgenau erzählt die Sängerin und Musikerin die Vita der Heiligen, die blind war und sehend wurde, die vom eigenen Vater verfolgt, Leid und Tod miterleben musste und am Ende ein Kloster gründete, das weit ausstrahlen sollte ….
 
Hitparade und Musikantenstadl

Genau so kundig und leidenschaftlich wie Gabi Seitz von der heiligen Odilia erzählen kann, gehen ihr aber auch ganz andere Erzählungen über die Lippen. Von der „ZDF-Hitparade“ und von „ARD-Schlagerabenden“, von den „Heimatmelodien“ und dem „Musikantenstadl“. Von Bata Ilic und Chris Roberts und Margot Hellwig. „Die saß auch hier, auf Ihrem Platz, auf der Veranda, und konnte den Blick hinüber zu den Vogesen genießen …“ Die Frau, die so munter erzählt, ist besser bekannt als eine der Stimmen der „Schwarzwaldfamilie Seitz“ – und die wiederum ist bereits in der dritten Generation ein Begriff in der bundesdeutschen Musikszene. „Schon mein Großvater war Sänger, vor dem Weltkrieg.“ Und nicht nur das, er galt als „ältester Kirchenchorsänger Baden-Württembergs“. Die Nähe zur Kirche war Gabi in die Wiege gelegt, „es war schon ein religiöses Umfeld, in dem ich groß geworden bin“.
Ihr Vater, Wendelin Seitz, trat mit seiner Frau Johanna 1949 erstmals im Rundfunk als Gesangsduo auf. Der Erfolg war so, dass bald auch der Sohn und immer mehr Töchter mit auf der Bühne standen: Die „Schwarzwaldfamilie Seitz“ war endgültig geboren, die als kleiner Chor zu einem Markenzeichen der Volksmusik in Süddeutschland wurde.

Gabi mit ihren musikalischen Eltern Wendelin und Johanna Seitz bei ihrer Erstkommunion.
Gabi hatte keine einfache Kindheit in dieser Musikerfamilie, sie litt an einer Stimmerkrankung. Aber singen soll heilen, so erfuhr sie, und spätestens als sie in der Lahrer Stadthalle bei einem Konzert von der Sangeskunst einer Sängerin geradezu verzaubert wurde, stand für sie fest: „Das will ich auch können.“ Sie machte sich als Kind mit Mut und Entschlossenheit auf, einen Lehrer zu finden und siehe da: Sie genas durch ein durchdachtes Probenprogramm und konnte bald munter sprechen und glockenhell singen. 
 
"Ich wollte den Besten"

Irgendwann wagte sich Gabi Seitz musikalisch auf eigene Füße. „Ich schaute mich um und machte mich kundig, mit wem ich am besten zusammenarbeiten könnte. Ich wollte den Besten.“  Freunde zögerten nicht lange und empfahlen ihr einen gewissen Karlheinz Barbo, der nach einer soliden Klavierausbildung in vielen Bands Rock, Jazz und Swing kennengelernt hatte. „Von den Beatles bis zu den Rolling Stones und Queen war ich musikalisch unterwegs, ich hatte auch früh Erfahrung im Studio gesammelt“, erinnert sich Karlheinz Barbo heute. Nach dem Tod ihres Vaters machte Karlheinz Barbo mit Gabi und deren Schwester Manuela als „Schwarzwaldfamilie Seitz“ weiter. Und feierten weiter ihre Erfolge, die größten bei „mehreren Konzertreisen in die Vereinigten Staaten“. 
Deutschstämmige Amerikaner wurden von der Musik aus dem deutschen Südwesten offensichtlich hingerissen. Die Hallen waren brechend voll, in Chicago und New York und Washington. Rührende Erinnerungen sind geblieben: So kam nach einem Konzert einmal eine junge Frau auf Gabi Seitz zu und schenkte ihr ihren indianischen Kopfschmuck, den sie sich aus dem Haar nestelte. An einem anderen Ort war es ein jüdischer Zuhörer, der sich zur Garderobe der Musikerfamilie durchfragte und mit ernster Miene bekannte: „Das war das Schönste, was ich aus Deutschland je hier in den Vereinigten Staaten vernommen habe ...“
 
Als Karlheinz Babo mehr als ein musikalischer Begleiter wurde

Der Komponist Karlheinz Barbo am Mischpult im heimischen Studio.
Karlheinz Barbo wurde schnell mehr als ein musikalischer Begleiter. „Freunde hatten damals gesagt: Der würde auch menschlich zu Dir passen“, lacht Gabriele. Die Freunde sollten Recht behalten, die beiden sind seit Jahrzehnten ein Paar. Mehr als das: ein kongeniales Paar.  Gabi schreibt Texte („meistens an einem Schränkchen in unserem Bad, da kann ich mich am besten konzentrieren ...“), bringt sie ihrem Karlheinz, „und der macht dann was Tolles draus“, schwärmt die Frau. Und das klappt immer? Ein einziges Mal sei Karlheinz mit dem Text gar nicht glücklich gewesen. Dann habe Gabi enttäuscht gesagt: „Ich gehe jetzt allein einkaufen“ – und als sie zurück kam war wieder ein Lied fertig, „und was für ein schönes …“, freut sie sich noch immer. 
 
Aber der flotte Komponist ist auch ein versierter Produzent am Mischpult, ein guter Sänger und sogar ein Bühnenbildner: Derzeit bastelt er an nichts Geringerem als an einer Fähre, die bald das Publikum verzaubern soll. Dann nämlich, wenn das Musical „Odilia – Wunder gescheh‘n für den, der glauben kann“ am 7. Oktober in der Stadthalle Haslach über die Bühne geht und das facettenreiche Leben der Heiligen beleuchtet. „Es ist, als hätte sich Odilia einfach Gehör verschaffen wollen“, sagt Gabi Seitz, die das Musical getextet hat und damit zu ihren Kindheitserinnerungen zurückkehrt.
 
Gabi Seitz in der Hauptrolle der Heiligen bei der Aufführung des Musicals „Odilia“ auf der Bühne.
 
Während sie am Libretto arbeitete, schrieb ihr Mann mitreißende, sehr wandlungsstarke, aber auch immer eingängige Musik, die von nicht weniger als 80 Darstellern wirkungsvoll umgesetzt wird. Eine riesige LED-Wand im Hintergrund macht die Bühne zu einer faszinierenden Kulisse. Die Musiker kommen aus der Gegend rund um Offenburg, die Premiere im vergangenen Jahr wurde im heimischen Ohlsbach mit stehenden Ovationen gefeiert. „Jetzt sind wir gespannt, wie es in Haslach sein wird“, blickt das Musiker-Duo voraus. Arbeit bleibt der „Schwarzwaldfamilie Seitz“ bis dahin noch genug, in ihrem Haus mit Blick auf den Odilienberg laufen derzeit alle Fäden für die Veranstaltung zusammen. 
 
Von Klaus Gaßner

Tickets – Verlosung

Das Musical „Wunder gescheh´n für den, der glauben kann“ wird aufgeführt am 7. Oktober um 19 Uhr, Einlass ab 18 Uhr, in der Stadthalle Haslach (Hauptstraße 1). Tickets gibt es über den Dienstleister Reservix, bei allen Vorverkaufsstellen oder telefonisch unter der Nummer (01 72) 7 38 27 47. 
Für Kurzentschlossene hält das Konradsblatt 2 x 2 Tickets bereit: Am Dienstag, 26. September, ist um 14 Uhr das Glückstelefon freigeschaltet, die ersten beiden Anrufer erhalten die Karten.Telefon (07 21) 95 45-205.