Eine missionarische Kirche zu sein, das haben Bruder Friedbert Tremmel, der Jesuit Karl-Edmund Prier und Schwester Damiana immer gelebt. In der zweiten Folge über Missionare aus dem Erzbistum Freiburg erzählen sie von ihrem Leben, ihrer Arbeit – und dass manche Perlen wunderbar klingen ...
„Mungo yupo“ – Gott ist da, Gott geht mit
17 Jahre lang war Bruder Friedbert Tremmel im Missionseinsatz. Das Foto zeigt ihn inmitten von kenianischen Schulkindern.
Schon seit über 43 Jahren ist Bruder Friedbert Tremmel Mitglied der internationalen Gemeinschaft der Comboni-Missionare. 17 Jahre lang war er im Missionsdienst in Kenia tätig, heute lebt er in Brixen. Hier erzählt er von dem ostafrikanischen Land, von seinen Erfahrungen und von einem Sprichwort, das er oft hörte ...
„Ich bin Bruder Friedbert Tremmel, ein Comboni-Brudermissionar. Ursprünglich stamme ich aus Assamstadt, im Dekanat Tauberbischofsheim in Nordbaden. Seit über 43 Jahren bin ich nun Mitglied der internationalen Gemeinschaft der Comboni-Missionare.
Ich habe zwei Berufe: Elektroinstallateur sowie Jugend- und Heimerzieher. Vor meinem Einsatz in Ostafrika war ich in Deutschland und Österreich im Internatsbereich und in der missionarischen Bewusstseinsbildung tätig. 17 Jahre war ich im Missionseinsatz in Kenia in Ostafrika und dort vor allem im Nordwesten an der Grenze zu Uganda bei den Pokot-Halbnomaden.
Zu meinen Arbeiten während dieser Jahre gehörte das Bauen von Schulen, das Bohren von Tiefbrunnen, um die Menschen mit sauberem Wasser zu versorgen und die Schülerspeisung von Tausenden von Kindern in über 20 Grund- und Hauptschulen und 30 Kindergärten.
Kenia ist ein vielgestaltiges Land. Man kann in den großen Millionenstädten wie in der Hauptstadt Nairobi, Nakuru oder im „Urlauberparadies“ Mombasa leben wie in den reichen Ländern des Westens – wenn man reich ist. Wobei es nicht übersehen werden darf, dass die Mehrheit der Großstadtbevölkerung in den Elendsvierteln lebt. Dagegen ist der Norden und Nordwesten von Kenia, mit endlosen Weiten, dünn besiedelt. Oftmals gibt es dort trockene Gebiete mit Halbwüste und Savanne, zum Teil auch lebensfeindliche Wüste. Im Kreis Alale im Norden vom Bezirk Westpokot leben zirka 50 000 Menschen auf 1020 Quadratkilometern. Der Haupt- und Pfarrort ist Amakuriat. Ungefähr 75 Prozent haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Die angestammte Bevölkerung lebt traditionell von der Viehzucht: Kamele, Rinder, Ziegen und Schafe. Das Land ist überweidet, aber andere Lebensgrundlagen gibt es nicht.
„Missionsarbeit ist abenteuerlich und fordert viel Energie“
Durch den Klimawandel haben sich in der Region die gewohnten Zyklen von Trocken- und Regenzeit verschoben. Oftmals muss man nun mit extremen Wetterkapriolen zurechtkommen. Das sind verlängerte, sehr heiße Dürreperioden und dann wieder große Überschwemmungen.
Religion ist in Kenia mit seinen über 50 Millionen Bewohnern , wie eigentlich überall in Afrika, ein selbstverständlicher Teil des Lebens. Über 20 Prozent der Bevölkerung ist katholisch. Insgesamt sind etwa dreiviertel der Bevölkerung Christen.
Die Missionsarbeit bei den Halbnomaden in den Comboni-Pfarreien von Amakuriat und Kacheliba ist abenteuerlich und fordert viel an Einsatz und Energie. Seit 1972 sind wir Comboni-Missionare in diesem Gebiet und haben viel an Aufbauarbeit in der Evangelisation, beim Bohren von Tiefbrunnen, sowie im Bildungs- und Gesundheitsbereich geleistet. Inzwischen führen afrikanische Mitbrüder die Missionen weiter, die von europäischen Patres und Brüdern aufgebaut worden sind. Da sie oftmals aber nicht die finanziellen Mittel haben, brauchen sie weiterhin die materielle Unterstützung aus Europa.
Trotz dieser und anderen täglichen Herausforderungen gaben mir der Optimismus der Einheimischen Kraft und Zuversicht auch nach Rückschlägen weiter zu machen. Obwohl dort die Armut viele, ja dramatische Gesichter hat, gibt es dort einen kurzen Satz, den ich fast täglich hörte: ,Mungu yupo‘. Das ist Kiswahili und heißt übersetzt: ,Gott ist da.‘ In dieser Haltung kämpfen sich viele durch das Leben und erhalten die Kraft, den schweren Alltag zu meistern. Gott ist da. Gott geht mit.“
Ein Leben für die Musik: Immer auf der Suche nach den Perlen
Jesuit Prier mit einer gefundenen Perle in Form eines traditionellen Musikinstruments.
Erst in diesem Jahr verlieh eine Universität in Indonesien ihm die Ehrendoktorwürde für seine Leistungen. Der Jesuit Karl-Edmund Prier ist ein leidenschaftlicher Kirchenmusiker. Als Missionar in Indonesien konnte er diese Leidenschaft immer leben und auch weitergeben. Und kann es auch heute noch mit 85 Jahren ...
„Als Jugendlicher wollte ich Missionar bei den Eskimos werden, weil ich aus dem ,verspießerten‘ Deutschland raus wollte. Dann bin ich aber im Jahr 1964 als Jesuit in Indonesien gelandet, nicht aus heiligem Gehorsam, sondern weil man hier als Kirchenmusiker Pionierarbeit leisten kann. Und das tue ich bis heute vor allem in Form von Seminaren mit ,Komponisten‘ in ganz Indonesien, um die traditionelle Musik in heutiger Kirchenmusik weiterzuentwickeln, mit Liedtexten, die den Glauben in einer heutigen Sprache ausdrücken und mit Melodien, Rhythmen und Musikinstrumenten der einzelnen Ethnien. Indonesien ist ein Inselstaat mit 13 000 Inseln mit je eigener Musiktradition. Das macht die Arbeit sehr interessant.
Für mich sind Singen und Musizieren eine Quelle der Freude. Jeden morgen beginnen wir unsere Arbeit mit einer kleinen Feier. Da wird natürlich auch gesungen. Wenn ich nicht beim Arbeiten bin, entspanne ich sehr gerne auf der Dachterrasse unseres Musikzentrums mit seinem wunderschönen Rasen und Sträuchern.
Jahrzehntelang war ich auf der Suche nach der traditionellen indonesischen Musik. Auf Reisen durch Indonesien, in Seminaren mit Musikern, in Gesprächen mit meinem Team habe ich „Perlen“ entdeckt, die ich dann im Unterricht weitergebe. Das ist eine wunderbare Aufgabe.
Umso mehr bereitet es mir deshalb auch Kummer, wenn ich sehe, dass man zu wenig schätzt, was man hat und dass man lieber englische Lieder singt, statt sich an der einheimischen Musik zu erfreuen.
Trotz des Alters immer noch in der Ausbildung aktiv
Das Foto zeigt ihn – typisch für den Inselstaat Indonesien – unterwegs mit Boot.
Trotz meiner 85 Jahre bin ich noch immer aktiv bei der Ausbildung von Kirchenmusikern und Kirchenmusikerinnen. Ende Juni ist das Schuljahr zu Ende gegangen. Der Juli und der August sind deshalb die ideale Zeit für besondere Aktivitäten. In der letzten Juniwoche veranstalteten wir ein großes Sommerseminar für 47 Chorleiter und Organisten aus ganz Indonesien.
Und Anfang Juli machte ich für einige Tage Urlaub zusammen mit meiner Kommunität (10 Jesuiten) auf den wunderschönen Karimunjawa-Inseln nördlich von der Insel Java. Im August mache ich dann noch Exerzitien bei den Trappistinnen in Gedono (Mitteljava).
Seit Ende 2021 habe ich auch eine Art Autobiografie geschrieben in Form von 50 Kurzgeschichten. Die wird in in Kürze veröffentlicht, darauf freue ich mich sehr.“
„Gott half mir und segnete unsere Arbeit“
Stolze 89 Jahre zählt Schwester Damiana von der Kongregation der Franziskanerinnen vom göttlichen Herzen Jesu. Noch immer erledigt sie Näharbeiten und hilft bei der Gartenarbeit mit.
Vor fast 50 Jahren wurde Schwester Damiana nach Chile ausgesendet. Dem Konradsblatt erzählt die ausgebildete Erzieherin, wie sie dort zunächst in einem Kindergarten arbeitete, um dann in Chile eine neue Aufgabe mit vielen Herausforderungen zu finden ...
„Im September 1933 wurde ich in Wagshurst (heute ein Stadtteil von Achern) im Kreis Kehl geboren. Nach der Volksschule besuchte ich einmal in der Woche die Landwirtschaftliche Berufsschule. Im März 1954 trat ich in die Kongregation der Franziskanerinnen vom göttlichen Herzen Jesu in Gengenbach ein. In den nächsten drei Jahren nahm ich an der Ausbildung mit anderen Jugendlichen als Erzieherin teil.
Nach dem Noviziat war ich als ,Kinderschwester‘ in Schopfheim, in Bühlertal und in Östringen tätig. In dieser Zeit kam die Frage vom Mutterhaus in die Konvente, ob es Schwestern gebe, die gerne nach Chile gingen. Nach einiger Vorbereitung mit Spanischlernen wurde ich im Oktober 1976 zusammen mit Schwester Grata und Schwester Burghilde nach Chile ausgesendet. Von 1977 bis 1990 war ich dort in Villarrica im Kindergarten tätig. Dann Anfang 1990 kam wieder die Frage vom Mutterhaus. Dieses Mal, ob Schwestern gerne in Peru arbeiten würden. Und zwar an einer Schule für behinderte Kinder.
Erneut, nach kurzer Vorbereitung, wurde ich mit Schwester Cristina Becar und Schwester Judith Labrin, Gott hat Schwester Judit schon in die Ewigkeit gerufen, im Mai 1990 ins peruanische Chimbote ausgesendet. Hier war für mich Vieles neu und ich musste mich erst langsam an die neue Umgebung und die neue Arbeit gewöhnen.
Die meisten Schüler kamen aus sehr armen Verhältnissen. Oft bereitete es mir Kummer und Sorge, wenn ich nicht immer helfen konnte, weil die Not groß war oder Medikamente und vieles andere fehlten. Umso mehr freute ich mich immer in den 31 Jahren, in denen ich an der Schule arbeitete, wenn man bei den Kindern und Jugendlichen nach einiger Zeit, dank der Therapien, der Rehabilitation, mit dem Frühstück und Mittagessen an der Schule, Fortschritte beobachten konnte. Und die Schüler waren, trotz verschiedener Behinderungen, sehr froh und glücklich.
Beim Heimaturlaub in Gengenbach die Zeit genießen
Als Missionarinnen haben wir ja das Glück, alle drei Jahre in Heimaturlaub fliegen zu können. Das war immer eine große Freude für mich und ich bin auch sehr dankbar dafür. In dieser Zeit verbrachte ich meine Urlaubszeit in meiner Heimat und machte mit meiner Familie verschiedene Ausflüge auf das Land. Sehr schön ist auch Gengenbach und die Umgebung, wo ich stets einige Wochen zubringe und die Zeit sehr genieße.
In Huarmey, zwei Stunden mit dem Auto von Chimbote entfernt, hatte unsere Kongregation auch eine Schwesterstation. Da verbrachte ich meinen Urlaub in den anderen Jahren und auch manchmal bei Schwestern in Moro, die auch deutsch sprachen. Häufiger war ich auch in Lima, wo die Jesuiten-Padres ein Haus hatten. Wenn Besuch kam, konnte dieser hier übernachten und wohnen. Da ich selbst oft nach Lima musste, um so manches zu besorgen, das man in Chimbote nicht erledigen konnte, übernachtete ich oft in diesem Haus, denn es wurde von Schwestern geleitet und man fühlte sich in ihm auch sicher. Angenehm am Klima in Chimbote war mir immer die Küstenbrise, die die hohen Temperaturen besänftigte, und die Meereslandschaft, die die lange Trockenzeit des Sommers beruhigen kann.
Seit 1976 ist Schwester Damiana in Chile und in Peru im Einsatz und hat so dafür mitgesorgt, das Reich Gottes zu verbreiten. Das Bild zeigt sie an einem Stand bei einem Gemeindebasar.
Aufgrund meines Alters, mittlerweile 89 Jahre, bin ich vor Jahren wieder von Peru nach Chile zurückgekehrt. Meine tägliche Arbeit sind kleine Näh- und Flickarbeiten, ein kleines Blumengärtchen zu pflegen und im Haus mitzuhelfen, soweit ich kann.
Mit Gottes Hilfe war ich sehr gerne an der Schule in Chile, trotz der Schwierigkeiten, die es manchmal gab. Gott segnete unsere Arbeit zum Trost und Hilfe der Schüler und ihrer Familien. Mithilfe einiger Lehrerinnen wurden die Schüler mit ihren Familien auch vorbereitet, die Sakramente zu empfangen. So versuchte ich in den 31 Jahren mitzuhelfen zum Wohl und Freude vieler Menschen, sowie auch etwas für die Ausbreitung des Reiches Gottes zu tun.“