Das geistliche Kinderlied „Zu Ostern in Jerusalem“ zeigt Kindern etwas von der Bedeutung des Pfingstfestes, und gebastelte Tauben lassen etwas von der bewegenden und versöhnenden Kraft des Heiligen Geistes erfahren.
Seht, die Taube trägt einen Zweig! – So bunt könnte es rund um die Pfingsttaube zugehen, meint Katharina (8 Jahre).
Es ist erstaunlich, dass die Werbeindustrie das Pfingstfest noch nicht für Geschäftszwecke entdeckt hat. Pfingstkarten? Süße Überraschungen? Geschenke? Fehlanzeige. Das Pfingstfest bietet eben auch keine Anknüpfungspunkte wie das süße Jesusbaby in der Krippe oder Brauchtum wie Ostereier und Osterhasen. Überhaupt ist der Sinn des Pfingsten als Fest des Heiligen Geistes nicht so leicht zu fassen.
Für Familien mit jüngeren Kindern ist das Kinderlied „Zu Ostern in Jerusalem“ von Arnim Juhre und Karl-Wolfgang Wiesenthal ein guter Einstieg, um sich dem Fest zu nähern. Das Lied benennt in der ersten Strophe, dass die Osterereignisse in Jerusalem noch heute wunderbar sind, dass aber nicht jedermann sie verstehen kann. In der zweiten Strophe geht es um die Pfingstereignisse in Jerusalem: dass die Jünger ohne Angst reden und jeder sie verstehen kann. In der dritten Strophe heißt es schließlich, dass zu jeder Zeit und in jedem Land etwas geschehen kann: die Menschen hören, was Gott will, und können sich verstehen. Darum geht es also: hören und einander verstehen.
Das biblische Pfingstereignis: Vielfalt ist keine Barriere
Das ist es auch, was im Neuen Testament der Bibel in der Apostelgeschichte über das Pfingstereignis steht: Die Freundinnen und Freunde Jesu haben sich nach dessen gewaltsamem Tod ängstlich versteckt. Als die gute Kraft Gottes, der Heilige Geist, durchs Haus stürmt, gehen sie vor die Tür und reden plötzlich mutig davon, dass Jesus lebt. Und es ist erstaunlich, dass die Pilger in der Stadt, die aus unterschiedlichen Ländern kommen und unterschiedliche Sprachen sprechen, alles verstehen. Das meint die zweite Strophe des Liedes mit der Zeile „Zu Pfingsten in Jerusalem, da ist etwas geschehn. Die Jünger reden ohne Angst und jeder kann´s verstehn.“ Die Unterschiedlichkeit der Menschen bleibt bestehen, aber sie ist keine unüberwindliche Grenze mehr. In dieser Erzählung können schon Kinder erfahren, dass sich ängstliche Menschen mit der Hilfe dieser guten Kraft Gottes, des Heiligen Geistes, aus der Angst befreit haben und auf andere Leute zugegangen sind. Sie haben Gemeinden gegründet und so die christliche Kirche aufgebaut. Eltern, Großeltern und weitere Erwachsene können Kindern auf dieser Grundlage zusagen, dass die Geistkraft etwas ist, mit dem sie rechnen können. Und genau das ist es, was in der Bibel von ihm erzählt wird: Der Heilige Geist, lässt sich erfahren, tröstet, stärkt und ermutigt.
Die Taube als Zeichen für den Heiligen Geist
In einigen Gemeinden werden im Pfingstgottesdienst Tauben vom Kirchendach freigelassen oder Holztauben vom Dach heruntergelassen, denn seit biblischen Zeiten ist die Taube ein Zeichen oder ein Bild für den Heiligen Geist. Im Neuen Testament erzählen etwa die vier Evangelien von der Taufe Jesu im Fluss Jordan. Da heißt es, dass der Heilige Geist ähnlich einer Taube oder wie eine Taube auf Jesus herabkommt. Daher kann man auf vielen künstlerischen Darstellungen die Taube als Zeichen für den Heiligen Geist sehen. Weil der Heilige Geist im christlichen Verständnis der Geist der Liebe, der Verständigung und der Versöhnung ist, ist es auch passend, ihn als Taube darzustellen, da sie ja gleichzeitig im Religiösen wie auch im Weltlichen ein Friedenssymbol ist.
Für Kinder kann die Taube als Symbol für den Heiligen Geist erfahrbar werden: Dazu faltet das Kind eventuell mit Hilfe eines Erwachsenen einen Fächer aus Papier. Mit diesem Fächer kann Vater, Mutter, Großelternteil oder eine pädagogische Fachkraft dem Kind behutsam Luft zufächern. Schließlich kann man immer stärker fächern und so erlebt das Kind bewegte Luft. Dann schneiden sie ebenfalls aus Papier einen Taubenkörper aus, und schieben den Fächer als Flügel durch einen Schlitz in dem Papier. Diese Taube darf sich das Kind an einem geeigneten Ort aufhängen: übers Bett, an die Wand im Kinderzimmer oder an pfingstliche Birkenzweige im Wohnzimmer oder in der Küche. Die Taube erinnert alle Familienmitglieder und Besucherinnen und Besucher daran, dass Pfingsten das Fest der guten Kraft Gottes ist und dass die Menschen sich bei aller Unterschiedlichkeit verstehen können.
Heike Helmchen-Menke ist Diplom-Theologin und Referentin am Institut für Religionspädagogik der Erzdiözese Freiburg