Maria Lindenberg bei St. Peter ist seit vielen Jahrzehnten einer von mehreren spirituellen Leuchttürmen im Erzbistum. In diesem Jahr werden auf diesem wunderschönen Fleckchen Erde gleich zwei Jubiläen gefeiert ...
Die Wallfahrtskirche Maria Lindenberg mit dem Gäste- und Tagungshaus. Ein Ort des Gebets und des Friedens, in diesem Jahr mit zwei großen Jubiläen.
Es gibt Orte, die entfalten ihre Faszination schon auf dem Weg zu ihnen. Weil sie auf diesem erahnen lassen, was einen bald erwarten wird. Solch ein Ort ist Maria Lindenberg bei St. Peter im Schwarzwald. Dabei ist es fast egal, auf welchem Weg man dorthin gelangt. Ob durch das idyllische Glottertal oder entlang des Eschbachs oder durch das malerische Ibental. Wer dann oben auf dem Lindenberg angekommen ist, erst einmal zwischen Kirche und Exerzitienhaus auf das Aussichtsplateau neben der Wallfahrtskirche tritt und dann den herrlichen Fernblick über den Schwarzwald genießt, der spürt, dies ist ein besonderer Ort. „Hier oben geschieht vieles schon allein durch die Gegebenheit des Ortes“, sagt Dorothea Welle deshalb auch. Seit über zehn Jahren ist sie Leiterin der Exerzitien und der geistlichen Angebote in Maria Lindenberg. Ein Haus mit langer Geschichte. Nicht umsonst ist es das älteste Exerzitienhaus in der Erzdiözese, das noch heute besteht.
1915, als der Erste Weltkrieg schon tobte, boten die Schwestern vom Orden der Franziskanerinnen von Gengenbach auf dem Lindenberg zum ersten Mal Exerzitien an. Einige Jahre zuvor waren sie nach Maria Lindenberg gezogen, um die Wallfahrt wiederzubeleben. Das Angebot erfreute sich in den kommenden Jahren so großer Beliebtheit, dass die Gäste teilweise sogar zu zweit im Bett schliefen, wie die hausinterne Legende erzählt. Schnell war klar, dass das bei der Kirche stehende Haus zu klein ist. Am zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1927 wurde das neue Exerzitienhaus eingeweiht. Die lokale Zeitung pries damals nicht nur die „heimelig ausgestatteten“ Zimmer oder die Zentralheizung „neuester Konstruktion“, sondern – wie könnte es anders sein – auch die landschaftliche Lage mit der herrlichen Aussicht.
Tagungshaus und Gebetswache prägen den Ort seit Jahrzehnten
2025 feiert das Tagungs- und Gästehaus Maria Lindenberg nun seinen 110. Geburtstag. Das ist dort aber nicht das einzige Jubiläum. Denn auch die Männergebetswache des Katholischen Männerwerks feiert ihr 70-jähriges Bestehen. Beide, Tagungshaus und Gebetswache, prägen diesen Ort seit Jahrzehnten. Bis heute. Zusammen mit Dorothea Welle sitzt Rolf May-Seehars, zuständig für die Männerpastoral im Erzbistum und damit auch für die Gebetswache, im kleinen Speisesaal des Tagungshauses. Die beiden erzählen von dieser Prägung und der Bedeutung, die dieser Ort für viele hat.
Friede, Versöhnung, Gerechtigkeit sind die drei zentralen Begriffe, unter denen sich jedes Jahr eine Vielzahl an geistlichen Angeboten im Exerzitienhaus versammeln. Ganzjährig gibt es dabei auch ein eigenes Kursprogramm unter der Überschrift „Friedensarbeit und Exerzitien“. So reichen die Angebote von Friedensmeditationen in Kooperation mit pax christi über Exerzitien, über Oasentage für Frauen, Wanderexerzitien, Schulungen für Friedensmentoren oder einem Jahreskurs „Reden aus dem Schweigen. Gewaltfreie Kommunikation und Spiritualität“ bis hin zu Kontemplationstagen der Via Integralis, eine Kontemplationsschule, in der sich Zen und christliche Mystik begegnen.
„Die Menschen spüren, dass hier ein Ort ist, der eine besondere Kraft ausstrahlt“, sagt Dorothea Welle. Mit seiner Lage, der Natur und der Ruhe ist Maria Lindenberg der perfekte Ort für solche spirituellen Angebote. Hier können die Menschen wieder zu sich und vielleicht auch zu Gott finden. „Die Weite des Ortes macht es möglich, ins eigene Innere zu kommen“, erklärt Welle.
Gut ausgestattete Tagungsräume und moderne Zimmer - ohne Fernseher
Der Ort mit seiner Stille ist das eine, das andere ist der Rahmen, den das Haus bietet. Erst einmal ist da die besondere Architektur, die dafür sorgt, dass es sich perfekt in die Umgebung einpasst. So wie die anderen Bildungshäuser der Erzdiözese verfügt auch Maria Lindenberg über gut ausgestattete Tagungsräume und moderne Zimmer. Fernseher gibt es darin nicht, aber wer braucht die schon bei so einem Ausblick. Dafür gibt es kleine Weihwasserbecken in jedem Zimmer.
Begrüßt werden die Gäste am Empfang nicht selten von Schwester Ortraud oder Schwester Meinharda, die beiden Franziskanerinnen aus Gengenbach, die hier noch mitarbeiten. „Das ist natürlich eine Besonderheit unseres Hauses, dass bei uns in Maria Lindenberg noch zwei Schwestern und ein Pfarrer leben“, sagt Martina Maier, die Hausleiterin von Maria Lindenberg. Und nicht zu unterschätzen und ganz wichtig: „Das leckere Essen im genial aussichtsreichen Speisesaal, die guten Betten und das freundliche Personal“, wie ein Gast betont.
Das Angebot von Maria Lindenberg zieht dabei nicht nur katholisch verwurzelte Gläubige an, „sondern auch Menschen aus einem weiteren christlichen Umfeld und auch kirchlich nicht beheimatete Menschen, die aber auf der Suche sind, die tiefer geht“, sagt Dorothea Welle. Entsprechend der inhaltlichen Ausrichtung lädt Maria Lindenberg im Jubiläumsjahr zu „Lesungen unter den Linden – Lindenberger Friedensgespräche“ ein; in Kooperation mit dem Fachbereich Friedensbildung und pax christi im Erzbischöflichen Seelsorgeamt sowie der Katholischen Akademie Freiburg. Und am 28. September wird mit einem großen Jubiläumstag 110 Jahre Exerzitienhaus gefeiert.
Weihe der neuen „Friedensglocke Heiliger Bruder Klaus“
Schon am 20. Juli steht das große Jubiläumsfest der Männergebetswache an. Erzbischof Stephan Burger wird den Festgottesdienst in der Wallfahrtskirche zelebrieren. Ein besonderer Höhepunkt am Jubiläumstag: die Weihe einer neuen Glocke. Und zwar der „Friedensglocke Heiliger Bruder Klaus“. Auf die Glockenweihe freut sich Pfarrer Albert Eckstein ganz besonders. „Das ist meine erste Glockenweihe“, sagt Eckstein, der seit über zehn Jahren in Maria Lindenberg als geistlicher Begleiter der Gebetswache und zuständig für die Menschen und die Wallfahrtsstätte ist. „Die Männer der Gebetswache tragen das geistliche Leben hier im großen Teil mit.“ Durch ihr Gebet, aber auch durch ihre stetige Anwesenheit im Haus. „Die Stille, die Pilger und Besucher hier genießen, ist gespeist durch dieses Gebet“, fasst er es zusammen.
In der Fastenzeit des Jahres 1955 kamen erstmals Männer des Katholischen Männerwerks der Erzdiözese zur eucharistischen Anbetung auf dem Lindenberg zusammen. Als dann im September des gleichen Jahres, während der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer in Moskau über die Rückführung von Kriegsgefangenen verhandelte, Männer des Männerwerks sich spontan dazu entschlossen, parallel zu den Verhandlungen in der Einsiedelei des Schweizer Nationalheiligen Bruder Klaus für die Rückführung zu beten, und diese schließlich auch noch gelang, fehlte es nicht an Motivation für eine länger gehende „Gebetswache“. Prälat Alois Stiefvater war es schließlich, der die Idee vorantrieb auch in der Heimat für den Frieden und die Aussöhnung der Völker zu beten, ganz nach dem Vorbild der Gebetswache auf dem Odilienberg im Elsass. Bundeskanzler Konrad Adenauer schrieb damals auch an die Freiburger Männer und dankte ihnen. Ein Auszug aus dem Brief zusammen mit einem Foto hängt gerahmt in dem Aufenthaltsraum der Männer im Gästehaus Maria Lindenberg.
Nach und nach wuchs in den Jahrzehnten danach die zeitliche Dauer der Wache. Heute sind es noch etwa 840 Männer (einige von ihnen mehrmals im Jahr), die vom ersten Samstag im Januar bis zum Samstag vor dem ersten Advent in knapp über 40 Gruppen in Lindenberg vor dem Allerheiligsten beten. Tags und fast die ganze Nacht hindurch, immer in Zwei-Stunden-Schichten. Wer abends nach Lindenberg kommt, sieht oft noch das Licht in der Kirche brennen, wo die Männer in den Kirchenbänken sitzend für Frieden und Versöhnung beten und singen.
Dorothea Welle (links) bei dem Kurs „Meditieren für den Frieden“ im Oratorium des Hauses Maria Lindenberg. Die Friedensarbeit nimmt einen hohen Stellenwert im Exerzitienhaus ein.
„Das Beten in der Nacht ist etwas sehr Besonderes. Es ist wie eine Tankstelle für den weiter en Lebensweg“, sagt Erich Stritt, der schon mehrere Male bei der Gebetswache dabei war. „Für viele der Männer sind die Tage auf dem Lindenberg eine sehr wichtige Zeit im Jahr“, betont auch Rolf May-Seehars. Eine, die stark von der Gemeinschaft, den persönlichen Gesprächen und vom Gebet geprägt ist, und damit auch bei vielen für den Blick nach innen, für den sonst keine Zeit da ist oder nicht der richtige Ort zu sein scheint. Aussagen, die May-Seehars oder auch Dorothea Welle häufiger hören, wie „Hier schöpfe ich Kraft für den Alltag“ oder „Hier kann ich mein Herz ausschütten“ oder auch „Hier kann ich auch mal weinen“ zeugen von dieser Bedeutung. Gerade nachts breche bei vielen einiges auf. „Für manche sind die Tage auf dem Lindenberg wichtiger als der Urlaub“, sagt Rolf May-Seehars deshalb auch.
Er ist seit 2019 im Erzbischöflichen Seelsorgeamt zuständig für das Katholische Männerwerk. Durch die Corona-Pandemie kein leichter Start. Erstmals in der Geschichte gab es kein Männergebetswache vor Ort, dafür wurden dann Gebete für zuhause an die Gruppen verschickt. Die Pandemie und die kirchlichen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte sind auch an der Gebetswache nicht spurlos vorbeigegangen. Die Zahlen gehen zurück, die Männer werden älter. Für viele der Männer, die schon seit Jahrzehnten mit dabei sind, eine schmerzliche Erfahrung. Gleichzeitig sind die Zahlen immer noch recht stabil und es gibt die kleinen Neuaufbrüche, die Hoffnung machen. Beispielsweise das alljährliche beliebte Opa-Enkel-Wochenende, das große Jubiläum oder die einwöchige Gebetswache im Kloster Helfta bei Lutherstadt/Eisleben, die 2010 ins Leben gerufen wurde.
„Hier wird eine Selbstverständlichkeit des Glaubens gelebt“
Inzwischen essen die Männer nicht mehr separat, sondern gemeinsam mit den anderen Gästen im großen Speisesaal. „Das ist eine ganz andere Atmosphäre, wenn die Männer mit einem Gebet oder einem Lied ihr Essen beginnen“, schwärmt Dorothea Welle. Viele der Gäste des Bildungshauses gehen auch immer wieder auf die Männer zu und fragen, was sie da genau machen, oder ob das Gebet denn etwas bringe, erzählt Hausleiterin Martina Maier. So kommen die Besucher ganz ungezwungen mit authentischen Glaubenszeugen in Kontakt. „Vielleicht kann man sagen, dass hier eine Selbstverständlichkeit des Glaubens gelebt wird“, meint Dorothea Welle.
Undenkbar sind das Tagungshaus und die Gebetswache natürlich ohne die Geschichte der Wallfahrt auf dem Lindenberg. Die beginnt mit dem Bauer Pantaleon Maier aus dem Ort Unteribental Ende des 15. Jahrhunderts. Der Legende nach brach auf seinem Hof eine Viehseuche aus. Er bat die Mutter Gottes um Hilfe. „Errichte auf deinem Hofgelände ein Bildstöckchen zum Lob und Preis der allerseligsten Jungfrau“, hörte er eine Stimme sagen. Der Pantaleon Maier tat, wie ihm geheißen und die Seuche verschwand. Es folgten weitere Erscheinungen und Menschen fanden Hilfe und Trost an dem Ort. Aus dem Bildstöckchen wurde erst eine hölzerne Kapelle und irgendwann gar eine barocke Wallfahrtskirche mit einer Wallfahrtsmadonna. Die „überlebte“ jedoch nur 25 Jahre, bis sie wieder abgerissen wurde. Es folgten stürmische Zeiten, bis mit der Ankunft der Gengenbacher Schwestern alles etwas ruhiger wurde.
Was über all die Zeiten bis heute geblieben ist: „Das große Gottvertrauen, von dem dieser Ort geprägt ist“, wie Pfarrer Eckstein betont. Ganz besonders spürbar wird dieses Vertrauen beispielsweise im Eingangsbereich der Wallfahrtskirche, wo zahlreiche Votivbilder hängen, die davon erzählen, wie Menschen hier Trost und Zuspruch bei der Mutter Gottes gefunden haben und immer noch finden. Seit Jahrzehnten begleitet vom Gebet der Männer und zukünftig auch vom Klang der neuen Friedensglocke. Die wird bei der Wallfahrtskirche in einem Glockenhäuschen sichtbar aufgestellt und die Männer der Gebetswache werden diese Glocke jeden Abend einmal läuten, damit der Klang das Friedensanliegen in die Welt trägt.
Daniel Gerber
Jubiläen
Am 20. Juli wird auf dem Lindenberg „70 Jahre Gebetswache“ gefeiert. Mit Weihe der Friedensglocke um 10.30 Uhr und einem Festgottesdienst mit Erzbischof Stephan Burger. Danach gibt es die Möglichkeit zum Mittagessen und zur Begegnung.
110 Jahre Exerzitienhaus Maria Lindenberg wird mit einem großen Jubiläumstag am Sonntag, 28. September, gefeiert. Zuvor gibt es noch zwei Termine der „Lesungen unter den Linden – Lindenberger Friedensgespräche“. Und zwar am 27. Juli und am 31. August, jeweils von 16.30 bis 18 Uhr.
Mehr Infos zur Gebetswache (hier sind auch Schnuppertage möglich) und zu Kursen und Angeboten im Exerzitienhaus online unter: www.haus-maria-lindenberg.de