„Worauf es ankommt“, so lautet das Motto des 14. Deutschen Seniorentages, der vom 2. bis 4. April in Mannheim stattfindet. Auch die Kirchen sind am Programm dieser Großveranstaltung mit rund 15 000 Besucherinnen und Besuchern beteiligt. Im Mittelpunkt stehen alle Themen, die das Älterwerden und die Frage der Ausgestaltung der Zeit nach dem Berufsleben betreffen. Die immer stärker ökumenisch ausgerichtete kirchliche Seniorenarbeit verfügt dabei über Kompetenz und Erfahrung – auch dank zahlreicher Gruppen und Kreise auf gemeindlicher Ebene.
Die Digitalisierung ist Im Rahmen der Seniorenarbeit ein „Riesenthema“. Ungeachtet aller damit verbundenen Probleme geht es darum, ältere Menschen zu ermutigen, diese Möglichkeit der Teilhabe und der Kontakte zu nutzen.
Es gibt Sprüche und Redewendungen, die über Generationen hinweg weitergegeben und allgemein als richtig und treffend empfunden werden. Dieser hier gehört dazu: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“, so lautet er. Woher dieser Spruch kommt, weiß man nicht so genau. Oft wird er Martin Luther zugeschrieben. Fest steht, dass er, zumindest so pauschal, wie er daher kommt, garantiert nicht zutrifft.
Wenn Luther damit, wie manche vermuten, seine Studenten anspornen wollte, die Energie ihrer Jugend zu nutzen und stets fleißig zu lernen, bevor ihnen später die Kraft und die Zeit fehlt, dann wäre das noch irgendwie nachvollziehbar. Zumal die Lebenserwartung im Mittelalter vergleichsweise knapp bemessen war. Aber heute widerspricht dieser Satz komplett den Alltagserfahrungen der Menschen, die – gewollt oder ungewollt – ständig am „Lernen“ sind. Am „lebenslangen Lernen“, wie es heute gefordert wird. Zu Recht. Denn viele können es sich schon allein beruflich gar nicht leisten, auf einem bestimmten Wissensstand und Lernniveau zu verharren. Dem gestandenen Hans bleibt gar nichts Anderes übrig, als Dinge zu lernen, die das kleine Hänschen auch nicht annähernd im Blick hatte.
Mehr noch: Das alles gilt heute weit über das Berufsleben hinaus. Es ist noch gar nicht so lange her, da blieben vielen Menschen nur wenige Jahre zwischen dem Ende ihres Berufslebens und dem Beginn von Krankheiten, die über kürzer oder länger zum Tode führten. Das hat sich geändert. Enorme medizinische Fortschritte, gerade im Bereich der Kardiologie, haben zu einer Verlängerung der Lebensdauer geführt. Die Phase, in der Menschen als älter oder alt gelten, kann sich auf Jahrzehnte hin ausdehnen.
Damit rückt aber unvermeidlich die Frage nach der Ausgestaltung dieser Lebensphase in den Mittelpunkt. Nach den Möglichkeiten, die sich im Alter auftun. Und danach, wie es möglich ist, einigermaßen „gesund“ älter zu werden und sich auch in dieser Phase ein hohes Maß an Lebensqualität zu bewahren. Fragen und Themen, die ein weites Feld abstecken. So weit, dass sie eine dreitägige Großveranstaltung ausfüllen können, wie sie jetzt – genauer: vom 2. bis 4. April – in Mannheim stattfindet. Die Rede ist vom 14. Deutschen Seniorentag, der zweifellos wichtigsten bundesweiten Veranstaltung zum Älterwerden, zu der nicht weniger als 15 000 Besucherinnen und Besucher in der Quadratestadt erwartet werden. Eine Größenordnung, die einem Katholikentag kaum noch nachsteht. Getragen wird der Seniorentag von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) mit ihren zahlreichen Mitgliedsverbänden, darunter auch die Katholische und die Evangelische Erwachsenenbildung oder Verbände wie die Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB), der Familienbund, die Frauengemeinschaft (kfd) oder Kolping.
Dementsprechend bringen sich die Kirchen aktiv beim Deutschen Seniorentag ein. In Mannheim gilt dies insbesondere für das Erzbistum Freiburg und die Evangelische Landeskirche Baden. Sie verfügen im Blick auf die immer stärker wachsende Gruppe älterer Menschen schon lange über ein hohes Maß an Kompetenz und Expertise. Im Erzbischöflichen Seelsorgeamt Freiburg unterstützt sowohl das Referat „Inklusion-Generationen“ als auch die Geschäftsstelle des Vereins „Forum Älterwerden“ auf vielfältige Weise diejenigen, die sich zumeist auf Ebene der Gemeinden und Seelsorgeeinheiten, um die Seniorenarbeit kümmern. „Was vor Ort läuft, ist unglaublich wichtig. Daraus speist sich auch in hohem Maße unsere Arbeit auf Diözesanebene“, betont Johannes Braun, Geschäftsführer des „Forums Älterwerden“ und Referent für intergenerationelle Arbeit im Seelsorgeamt. „Außerdem geschieht es weitgehend ehrenamtlich.“
Tatsächlich treffen sich unter dem Titel „Seniorenkreis“, „Altenwerk“, „Dienstagsgruppe“ oder anderen Bezeichnungen regelmäßig hunderte gemeindliche Gruppen älterer Menschen. Sei es zur Pflege des Kontakts und der Geselligkeit untereinander, sei es aber auch um Erfahrungen auszutauschen bezüglich der Fragen, die sich in der Lebensphase des Alters stellen und die auch beim Deutschen Seniorentag thematisiert werden. Dazu gehört Johannes Braun zufolge das Feld der Gesundheit und der Prävention ebenso wie das „Riesenthema“ Digitalisierung. Vor 30 Jahren, so der Referent, habe noch niemand von den heute älteren Menschen einen Computer besessen, geschweige denn das Internet oder die modernen Kommunikationsmittel benutzt. Insofern gehe es heute darum, einerseits die damit verbundenen Probleme und Gefahren zu benennen, aber Menschen dann auch zu ermutigen, diese Möglichkeiten der Teilhabe zu nutzen.
Die Lebensqualität im Alter hängt den Experten zufolge auch an den äußeren Gegebenheiten in der jeweiligen Kommune, im sogenannten Sozialraum, zuletzt auch im Quartier, also im unmittelbaren Viertel, in dem die Menschen leben. „Wenn ich mich nicht mehr ohne weiteres bewegen kann, bin ich auf mein Viertel und auf die dort möglichen Kontakte zurückgeworfen“, sagt Johannes Braun. Damit verbunden ist auch die Problematik der Einsamkeit im Alter, die zuletzt immer stärker in den Vordergrund rückte. Wobei auch hier die demografische Entwicklung eine Rolle spielt, weil es geschichtlich betrachtet „noch nie so viele sehr alte Menschen gab“, wie Johannes Braun betont. Dementsprechend fehle es an Daten und Erfahrungswerten.
All diese mit dem Älterwerden verbundenen Themen und Herausforderungen werden natürlich nicht nur auf katholischer Seite, sondern auch im Bereich der evangelischen Seniorenarbeit behandelt. Und auch in der Evangelischen Landeskirche bilden örtliche Kreise die Basis dieser Arbeit. Das ökumenische Miteinander gewinnt dabei immer mehr an Bedeutung.
Darüber hinaus nehmen einige Gruppen inzwischen auch eine Art „Sendungsauftrag“ wahr, wie Annegret Truebenbach-Klie betont. Die Referentin der Evangelischen Erwachsenen- und Familienbildung in Baden verweist auf kirchlich geprägte Gruppen, die ganz bewusst versuchen, in ihr Umfeld hineinzuwirken, Menschen zu vernetzen und Orte zu bilden, „an denen eine Vertrauensbasis herrscht“, so die Religions- und Sozialpädagogin. Auf diese Weise könnten „soziale Familien“ entstehen, die eine immer wichtigere Rolle spielten, „weil die Entfernungen zur natürlichen Familie so groß geworden sind“.
Dass dieser „Sendungsauftrag“ der kirchlichen Seniorenarbeit, von dem Annegret Truebenbach-Klie spricht, auch in Mannheim zum Tragen kommt, ist für die Verantwortlichen selbstverständlich. Und es ist bemerkenswert, dass umgekehrt die Mitwirkung der Kirchen beim Programm des Seniorentages durchaus gewünscht ist. Dafür steht schon allein die Tatsache, dass am 2. April um 19 Uhr in der Mannheimer Christuskirche ein ökumenischer Gottesdienst mit der evangelischen Landesbischöfin Heike Springhart und dem emeritierten Weihbischof Ulrich Boom aus Würzburg stattfindet. Die Feier wird auf eigene Weise das Motto des Seniorentages aufgreifen, das da lautet: „Worauf es ankommt“. Die musikalische Gestaltung liegt beim Kammerchor Mannheim und dem Upcycling-Orchester des Ursulinen-Gymnasiums.
Natürlich ist die katholische und die evangelische Seniorenarbeit zusammen mit rund 150 anderen Ausstellern an allen drei Tagen auch mit Ständen auf der „Messe“ des Deutschen Seniorentags in den Foyers des Rosengartens vertreten. Hier stehen Hauptamtliche wie auch Ehrenamtliche zum Gespräch und für Informationen über die kirchliche Seniorenarbeit bereit.
Die zahlreichen Veranstaltungen des Seniorentags bieten Information, Unterhaltung und die Möglichkeit zur Begegnung.
Einen wichtigen Akzent setzen die Kirchen – in diesem Fall die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Altenarbeit (EAfA) und das Bundesforum Katholischer Seniorenarbeit (BfKS) – auch mit einem Podium am 2. April um 14 Uhr im Johann Wenzel Stamitz Saal des Mannheimer Rosengartens unter dem Titel: „Der verwundbare Mensch am Ende des Lebens“. Ganz bewusst lenken sie damit den Blick auf die Phase des Alters, die nicht mehr von Beweglichkeit, Engagement und Lebenslust gekennzeichnet ist, sondern von Bedürftigkeit und Angewiesensein. Hier kommen sowohl gerontologische als auch theologische Aspekte zum Tragen, unter anderem durch die evangelische Landesbischöfin Heike Springhart, Hanna Braun vom Seelsorgeamt in Freiburg und nicht zuletzt dem bekannten Altersforscher Andreas Kruse.
Darüber hinaus wird auch das ökumenische Filmprojekt „älter werden“ auf dem Seniorentag vorgestellt. Es besteht aus drei recht kurzen Filmen, die in Mannheim gemeinsam angeschaut und dann auch diskutiert werden können. Im Mittelpunkt stehen Statements und Aussagen ganz konkreter Menschen zum Alter und zum Altern. Dabei geht es zum einen um die Frage, was das Älterwerden eigentlich ausmacht und wie die Generationen gut zusammenleben können. Der Blick richtet sich aber auch auf die spirituelle und religiöse Dimension des Älterwerdens. Im Rahmen des Seniorentages werden diese Filme am Freitag, 4. April 2025 von 13.30 bis 15 Uhr im Saal Alice Bensheimer II des Kongresszentrums Rosengarten gezeigt.
Dass in diesen Filmen auch mehrere junge Menschen zu Wort kommen, mag den einen oder die andere verwundern. Dahinter steht freilich die unwiderlegbare Tatsache, „dass man ab Geburt älter wird“, wie Johannes Braun betont. Und die Erkenntnis, dass die Grundhaltung, mit der Menschen durchs Leben gehen und auf die damit verbundenen Herausforderungen blicken, gar nicht so sehr vom konkreten Alter abhängt.
Umso näher liegt es, auf allen denkbaren Ebenen und auf vielfältige Weise Gespräche und Kontakte zwischen den Generationen zu fördern. „Die intergenerationelle Arbeit ist ganz zentral“ unterstreicht Johannes Braun und verweist dabei auch auf Erkenntnisse der Weltgesundheitsorganisation WHO, die in der immer neuen Begegnung zwischen Jüngeren und Älteren das beste Mittel sieht, um jeglicher Altersdiskriminierung entgegenzuwirken. Vor allem dann, wenn sie im Alltag und auf ganz selbstverständliche Weise erfolgen.
Altersdiskriminierung kann sich übrigens durchaus auch auf junge Menschen beziehen – sei es, dass diese von den Älteren nicht ernst genommen werden oder dass sie als grundsätzlich weniger leistungsfähig, bequemer oder unhöflicher beschrieben werden – nach dem Motto: „Das hätte es bei uns damals nicht gegeben“.
Zuweilen findet die Altersdiskriminierung auch in einer so unauffälligen Weise statt, dass sie von den meisten gar nicht wahrgenommen wird. Zum Bespiel dann, wenn in einer Stellenanzeige von einem „jungen und dynamischen Team“ die Rede ist, das Verstärkung sucht. „Da fühlt sich ein Mensch über 60 ausgeschlossen“, stellt Johannes Braun fest. Auch die sich häufenden pauschalen Urteile junger Menschen über die sogenannten „Baby-Boomer“, also die große Gruppe derjenigen, die in den 1960er-Jahren geboren sind, zeugen von einem Schubladendenken, das es zu überwinden gilt. Botschafter des 14. Seniorentages in Mannheim ist übrigens das SPD-Urgestein Franz Müntefering, der vor Kurzem seinen 85. Geburtstag feiern konnte. Und als Schirmherr fungiert der „Gerade-noch-Kanzler“ Olaf Scholz, der sein Kommen für den 2. April zugesagt hat. Müntefering bewarb die Großveranstaltung unter anderem mit der Aussage „Alt sein macht Spaß“. Ein Spruch, den man redlicherweise ebenso auf die Goldwaage legen müsste wie die eingangs zitierte Rede vom „Hans“, der nimmermehr lernt, was er nicht schon als „Hänschen“ gelernt hat. Denn natürlich macht Alt sein nicht einfach nur Spaß, sondern ist ungeachtet aller medizinischen und gerontologischen Fortschritte eben immer auch mit Verlusterfahrungen verbunden.
Das weiß sicher auch Franz Müntefering, der deswegen auch an die richtige innere Haltung älterer und alter Menschen appelliert: Es gehe um den Willen, den Alltag „aktiv und interessant zu gestalten, für sich selbst und andere, in der Nachbarschaft, unserer Stadt, unserer Gesellschaft“. Anregungen dazu gibt es beim Seniorentag in Mannheim in Hülle und Fülle.
Michael Winter
4. Deutscher Seniorentag vom 2. bis 4. April
Mit dem 14. Deutschen Seniorentag kommt die wichtigste bundesweite Veranstaltung zum Thema Älterwerden vom 2. bis 4. April nach Mannheim. Der Seniorentag findet in der Regel alle drei Jahre statt und steht im Wechsel unter der Schirmherrschaft des Bundeskanzlers oder des Bundespräsidenten.
Die Großveranstaltung wird jedes Mal in einem anderen Bundesland ausgerichtet und von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) und ihren Mitgliedsverbänden gestaltet. Im Messebereich stellen zahlreiche Organisationen ihre Angebote für ältere Menschen vor, Unternehmen präsentieren Produkte und Dienstleistungen für die Zielgruppen 50plus. Zu jedem Deutschen Seniorentag veröffentlichen die BAGSO-Mitgliedsverbände eine Erklärung zur Situation der älteren Menschen in Deutschland. So auch in Mannheim. In der für diesen Text zuständigen Arbeitsgruppe waren auch die Kirchen vertreten.
In Mannheim werden rund 15 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet. Im Kongresszentrum Rosengarten geht es dann um Themengebiete wie Gesundheit, Wohnen im Alter, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, Pflege, Altersdiskriminierung, Mobilität und gesellschaftliches Engagement.
Eintrittskarten gibt es im Internet unter www.deutscher-seniorentag.de und telefonisch unter (02 28) 24 99 93 57. Vorverkaufsstellen in Mannheim sind die Tourist-Information am Hauptbahnhof und der Infopoint des Mannheimer Seniorenrats. Während der Veranstaltungstage ist eine Tageskasse im Congress Center Rosengarten geöffnet. Eine Tageskarte kostet 15 Euro, die 3-Tage-Karte 35 Euro. Im Eintrittspreis enthalten ist die Hin- und Rückfahrt im Verkehrsverbund Rhein-Neckar.
Unter www.deutscher-seniorentag.de findet sich auch das gesamte Programm der drei Tage, darunter die Beiträge der Kirchen, die sich schon immer an den Seniorentagen beteiligt haben.
Mittwoch, 2. April 2025, 19 Uhr, Christuskirche (Werderplatz 17): Ökumenischer Gottesdienst zum Motto des Seniorentages „Worauf es ankommt“ mit Landesbischöfin Heike Springhart und Weihbischof em. Ulrich Boom (Würzburg).
Mittwoch, 2. April, 14 bis 15.30 Uhr, Johann Wenzel Stamitz Saal (Rosengarten): Vortrag und Podium „Der verwundbare Mensch am Ende des Lebens“. Podium in Zusammenarbeit zwischen der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Altenarbeit (EAfA) und dem Bundesforum Katholischer Seniorenarbeit (BfKS).
Freitag, 4. April 2025, 13 bis 15 Uhr, Saal Alice Bensheimer II (Rosengarten): Vorstellung des ökumenischen Filmprojekts „älter werden“.
Stände der evangelischen und katholischen Seniorenarbeit in den Foyers des Rosengartens täglich ab 9 Uhr, Mittwoch und Donnerstag bis 18 Uhr, Freitag bis 16 Uhr.