Zu übersehen ist Beate Hilzinger nicht. Mit dem Liegefahrrad ist die Seelsorgerin im Dekanat Acher-Renchtal als Botschafterin für die „Kirchenentwicklung 2030“ unterwegs, um mit den Menschen über ihre Sorgen, Hoffnungen und ihren Glauben zu sprechen ...
Beate Hilzinger radelt mit dem Liegefahrrad durch die Fußgängerzone in Oberkirch. Jetzt geht es zur nächsten Station, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen.
Ein grellgelbes T-Shirt, Liegefahrrad, an dessen Sitz eine sogenannte Beachflag geheftet ist und eine große silberne Metallkiste als Anhänger. Auf der kleinen Flagge ist das Logo des „Kirchentwicklungsprozesses 2030“ zu sehen. Wenn Beate Hilzinger in diesen Tagen vollbepackt unterwegs ist, dann fällt sie in den Städten und Gemeinden, die zum Dekanat Acher-Renchtal gehören, deutlich auf. Diese ungewöhnliche Aktion wird von der Erzdiözese Freiburg gefördert.
Seit einigen Wochen tritt sie sozusagen als Botschafterin für die „Kirchenentwicklung 2030“ (K2030) in die Pedale und versucht, mit Passanten ins Gespräch zu kommen. Damit ihr das gelingt, hat sie zusätzlich den Hinweis auf der Metallkiste angebracht: „Wer mich überholt und klingelt, erhält eine Erfrischung.“ Tatsächlich werden einige Radfahrer zwischen ihrem Heimatort Stadelhofen und Oberkirch auf Beate Hilzinger aufmerksam. Fremde Radfahrer halten plötzlich an und fragen, was es mit dem sonderbaren Gefährt auf sich hat. „Der erste Schritt, mit Leuten ins Gespräch zu kommen, ist geschafft“, sagt Beate Hilzinger und freut sich.
Einige Zeit später hat sich die K2030-Botschafterin in Oberkirch vor der Kirche St. Cyriak positioniert. Dort steht auch Roland, gebürtiger Oberkircher. „Ich warte schon eine ganze Weile, will mit der Dame mal sprechen“, sagt er im Gespräch. Er wartet geduldig. Beate Hilzinger nimmt sich Zeit für die Menschen, die sie ansprechen, hört zu, lässt die Menschen reden. Sie erfährt dabei viele persönliche Dinge, Schicksalsschläge. Beate Hilzinger ist katholische Seelsorgerin und zudem ausgebildete Trauerbegleiterin, sie weiß, wie behutsam sie in diffizilen Situationen umzugehen hat. Sie weiß, in schwierigen Lebenssituationen, etwa bei Krankheit, Arbeitsplatzverlust oder Trauerfällen, gehen die Menschen in die Kirche, meistens alleine, um innezuhalten, irgendwie Trost zu suchen. „Das Angebot ist für jeden, für alle Menschen. Raus aus der Burg. Kirche kommt in die Lebenswelt der Menschen“, spricht sie über ihre Motivation für das Projekt.
„Katholische Kirche hat viele Gesichter. Meins ist eines davon“
Am Ende des Gesprächs reicht sie der Gesprächspartnerin eine Karte, darauf ist ein Segen zu lesen: „Ich gebe dir Ruhe und neue Energie. Ich schütze und segne dich“, heißt es dort. Dass die Menschen zur Ruhe kommen sollen, das war und ist der Hintergrund von Beate Hilzingers ungewöhnlicher Aktion. „Akku aufladen bei Gott“, prangt von der Vorderseite ihres gelbfarbigen T-Shirts. Dafür legt sie viele Kilometer mit dem Liegefahrrad zurück, Kilometer für die Kirche, Kirchenkilometer eben. Kirche hat ihrer Ansicht nach viele Gesichter, „meins ist eines davon“, sagt sie.
Vor der Pfarrkirche St. Cyriak in Oberkirch kommt Beate Hilzinger mit Passanten ins Gespräch.
An diesem Vormittag wird das Gesprächsangebot der Kirchenbotschafterin rege genutzt: zwei Touristinnen, eine jüngere Frau, ein Ehepaar, und auch Roland wartet immer noch auf ein Gespräch. Er gibt den anderen Passanten den Vorrang: „Ich habe Zeit. Ich finde die Begegnung, die Gespräche toll“, sagt er.
Nach einem Gespräch erfrischt sich Beate Hilzinger, macht selbst eine kurze Pause. Was hat es mit der Metallkiste auf sich? „Hier ist der Proviant und die Stärkung für die Gäste drin, frisch gekühlte Getränke und Müsliriegel“, sagt Beate Hilzinger. Sie hat nach drei Tagen Tour durch das Gebiet des Dekanats Acher-Renchtal wertvolle Erfahrungen gesammelt. „Die Leute verspüren ein tiefes Bedürfnis, mit jemandem zu sprechen. Sie wollen, dass da jemand ist, der ihnen zuhört“, berichtet Beate Hilzinger.
Nach rund drei Stunden klappt Beate Hilzinger den Deckel der Metallkiste wieder zu, zieht den Fahrradhelm auf und radelt mit dem elektrisch angetriebenen Liegefahrrad wieder davon. Sie wird im Herbst noch öfter in Städten und Gemeinden auf Ausflugsstrecken zu sehen sein. Denn es gibt noch viele Kirchenkilometer im Dekanat Acher-Renchtal zurückzulegen, um mit den Menschen über ihre Bedürfnisse und über die Rolle und die Zukunft der Kirche ins Gespräch zu kommen.