Der Diözesanrat traf sich zu seiner letzten Versammlung in dieser Wahlperiode. Dabei wurde nicht nur dem scheidenden Vorstand gedankt, sondern auch zukünftige Herausforderungen der Pfarreiräte thematisiert.
Die Herbstvollversammlung des Diözesanrates war die letzte Zusammenkunft des obersten Laiengremiums des Erzbistums in dieser Wahlperiode. Rückblick und Dank prägten das Treffen.
Es war keine „normale“ Herbstvollversammlung des Diözesanrats. Vielmehr war das Treffen im Freiburger Stadthotel immer wieder von Abschiedsstimmung geprägt. „In dieser Besetzung werden wir nicht mehr zusammenkommen“, stellte Martina Kastner, die Vorsitzende des Diözesanrats, in ihrer Begrüßung fest. Und tatsächlich wird das oberste Laiengremium der Erzdiözese in den nächsten Monaten zum einen die übliche Fluktuation von Mitgliedern, zum anderen aber auch eine ganz neue Zusammensetzung erleben: Wurden bis dato aus jedem Dekanat zwei Personen delegiert, so wird künftig aus jeder der 36 neuen Pfarreien eine Person in den Diözesanrat entsandt.
„Es beginnt etwas Neues“, betonte Martina Kastner, um dann als eine Art Anleitung zum Umgang mit all diesen Veränderungen den Apostel Paulus und dessen Mahnung zu zitieren: „Prüft alles und behaltet das Gute“ (1 Thessalonicher 5, 21). Es gehe darum, genau hinzuschauen auf das, was geplant sei und dann kritisch zu fragen, „ob es wirklich der Kirchenentwicklung dient“, so die Vorsitzende. Von dem, was gewachsen sei und sich als gut erwiesen habe, solle nichts über Bord geworfen werden. In diesem Sinn habe der Diözesanrat, insbesondere dessen Ausschuss Kirchenentwicklung, auch das „Projekt KE 2030“ begleitet.
Tatsächlich traf sich dieser Ausschuss Kirchenentwicklung in den letzten Jahren nicht weniger als 26 Mal. Um vor allem die Prinzipien der Synodalität und der Subsidiarität „auf allen Ebenen, bis runter zu den Gemeindeteams“ herauszustellen und einzufordern, wie es hieß. „Ohne das funktioniert es nicht.“
Noch mehr als die meisten Mitglieder Delegierten stand die Vollversammlung für Kastner selbst im Zeichen des Abschieds. Kann sie doch inzwischen drei Wahlperioden – sprich: 15 Jahre – als Vorsitzende des Gremiums Revue passieren lassen. Eine Zeit mit herausragenden Ereignissen wie dem Papstbesuch, dem Mannheimer Katholikentag oder dem Wechsel im Amt des Erzbischofs, aber auch deprimierenden Erfahrungen wie den bitteren Erkenntnissen über Missbrauch und Gewalt im Raum der Kirche. Dazu komme die Tatsache, „dass viele Menschen die Kirche verlassen und wir ihnen keine Heimat mehr geben können“, so Kastner. „Darunter viele, die engagiert waren, jetzt aber müde sind.“ Dabei zeigten aber doch gerade die Erfahrungen im Diözesanrat, „dass es nicht nur Last, sondern auch Lust ist, sich zu engagieren“.
„Macht kritisch Weltkirche“
Zumal dann, wenn es um ganz konkrete Projekte geht, die auch und gerade den gesellschaftlichen und politischen Bereich betreffen. So verwies der Ausschuss Weltkirche und Partnerschaft auf grundlegende Erkenntnisse im Blick auf die Fortdauer kolonialistischer Praktiken und rassistische Vorurteile gegenüber den Ländern und Menschen des Globalen Südens. Unter dem Titel „Macht kritisch Weltkirche“ werden diese Themen in Kürze auf einer Webseite des Ausschusses erläutert und als Anregung für Partnerschaftsgruppen zur Verfügung gestellt. Noch einmal wurde bei der Vollversammlung auch auf die friedensethischen Orientierungen verwiesen, die der Ausschuss Politik und Gesellschaft in akribischer Arbeit erstellte und bereits vor geraumer Zeit veröffentlichen konnte.
Die von Martina Kastner postulierte Lust am Engagement erscheint in diesen Zeiten des Umbruchs und schwieriger Verlusterfahrungen als labil. Insofern ist die Befürchtung nicht so weit hergeholt, dass statt der Lust der Frust um sich greifen könnte, wenn beispielsweise künftig in den Pfarreiräten Beschlüsse zur Schließung und Veräußerung kirchlicher Immobilen gefasst werden. Deshalb stimmte der Diözesanrat einem Initiativantrag zu, die Kommunikationsabteilung des Ordinariats möge einen Leitfaden zur „Kommunikation kritischer Themen“ erstellen. Sprich: Möglichkeiten aufzeigen, einer Gemeinde den möglichen Verlust eines Gebäudes so zu vermitteln, dass keine Verbitterung entsteht. „Eventuell kann man mit einer guten Kommunikation manche Klippen umschiffen“, so die Hoffnung von Benjamin Nohe, der diesen Antrag zusammen mit Klemens Gramlich formuliert und eingebracht hatte.
Eine vorsichtig positive Bilanz zog Martin Müller, der Geschäftsführer des Diözesanrates, im Blick auf die zurückliegenden Pfarreiratswahlen. Zwar sei die Wahlbeteiligung mit 9,6 Prozent im einstelligen Bereich geblieben. Aber dies passe zur jüngsten Mitgliedschaftsuntersuchung, wonach rund 90 Prozent der Katholiken keinen Bezug mehr zur Kirche hätten. Entgegen der Skepsis mancher „Auguren“ habe es 1033 Kandidierende gegeben. 753 von 771 Sitzen seien besetzt. Martin Müller forderte dazu auf, immer wieder ganz bewusst den Kontakt zu Menschen außerhalb des innersten Kreises der Gemeinden zu suchen.
Dank an die Mitglieder des Vorstandes.
Erwartungsgemäß stand die letzte Versammlung des Diözesanrats neben diesen inhaltlichen Akzenten im Zeichen des Dankes: Vor allem an die Vorsitzende Martina Kastner, die über 15 Jahre hinweg durch Höhen und Tiefen das „Gesicht“ des Gremiums sowohl nach innen wie auch nach außen hin darstellte. Aber auch an den gesamten Vorstand mit Ute Fischer, Hermann Schwörer, Benjamin Nohe und Klemens Gramlich und Geschäftsführer Martin Müller. Ebenso galt der Dank Wolfgang Müller, bis zum letzten Frühjahr Bischöflicher Beauftragter für den Diözesanrat, und dessen Nachfolger Thorsten Gompper, Leiter der Abteilung „Pastoral“ im Ordinariat und des Erzbischöflichen Seelsorgeamtes. Mit einem eigens getexteten „Danklied“ wurde Patricia Fuchs als langjährige Mitarbeiterin und sowohl immer präsente, als auch stets freundliche und geduldige, kompetente und zuverlässige Ansprechpartnerin der Geschäftsstelle verabschiedet. Den Dank an das gesamte Gremium übermittelte schließlich per Video auch Erzbischof Stephan Burger. „Ihr Engagement trägt nicht nur unsere Gemeinden, sondern wirkt auch in die Gesellschaft“, betonte er. „Ohne dieses Engagement gäbe es keine Kirche.“