Der Unternehmer Roland Mack berichtet im Konradsblatt-Interview über bewegende Begegnungen im Europa-Park in Rust, der in den 50 Jahren seines Bestehens zum beliebtesten Touristenziel Deutschlands wurde.
„Der christliche Glaube spielt bei uns seit Generationen eine große Rolle“, sagt Unternehmer Roland Mack.
50 Jahre ist der Europa-Park alt – das Unternehmen in Rust eine echte Erfolgsgeschichte: Stattliche 250.000 Gäste kamen im Eröffnungssommer 1975, heute ist das Familienunternehmen mit mehr als sechs Millionen Besuchern das beliebteste Tourismusziel der Nation. Doch der Park der Superlative, der mit mehr als 100 Attraktionen und internationalen Shows Spaß und Unterhaltung garantiert, birgt auch Orte zum Innehalten, ja: zum Beten: Gleich drei Kapellen und Kirchen finden sich auf dem riesigen Areal. Und geben einen beredten Hinweis darauf, dass der Glaube im Hause Mack immer eine Rolle spielt. Auch darüber sprach Roland Mack mit Klaus Gaßner.
Herr Mack, das Wort Glück taucht öfter auf in Interviews und Publikationen rund um den Europa-Park. Was ist für Sie persönlich Glück?
Roland Mack: Glück sind für mich zufriedene Gäste, lachende Familien, strahlende Kinderaugen. Das erlebe ich Tag für Tag. Es gibt auch schwierige Momente. Ich habe neulich einen jungen Mann getroffen, der todkrank war und nochmal in den Europa-Park und mich treffen wollte. Gerade mal vier Wochen später erreichte mich die Nachricht, dass er gestorben sei. Sehr traurig. Ich dachte, möge er ruhen in Frieden und vom Europa-Park träumen. Am nächsten Morgen habe ich eine Kerze für ihn in unserer Kapelle angezündet. Aber auch so ein Fall kann Glück sein, wenngleich nur noch für die letzten Wochen des Lebens. Mich hat die Begegnung mit dem Europa-Park Fan zunächst sehr mitgenommen. Danach habe ich auch ein Glücksgefühl verspürt, weil ich den jungen Mann getroffen hatte. Mir ist wieder bewusst geworden, wie glücklich wir sein können, dass meine Frau Marianne und ich drei gesunde Kinder und sechs Enkel haben.
Mit Glück hat Ihr unternehmerischer Erfolg nun wenig zu tun: So wie sich in den vergangenen Jahren die Arbeitswelt verändert hat, so hat sich auch die Freizeit der Menschen verändert. Wie haben Sie solche Veränderungen wahrgenommen?
Ja, mehr Freizeit ist gut für uns, andererseits wird es für uns immer schwieriger, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. Was wir sehen: Die Familien suchen gerade in schwierigen Zeiten eine Abwechslung, ein Eintauchen in eine andere, ja heile Welt, um wieder aufzutanken. Der Familienaspekt ist bei uns enorm wichtig und deshalb ist auch der Slogan „Zeit.Gemeinsam.Erleben“ sehr treffend.
Das Wachstum Ihres Unternehmens hat Ihnen auch schon Engpässe beim Personal beschert. Ohne ausländische Arbeitskräfte könnten Sie die Angebote nicht aufrechterhalten. Sie beschäftigen Mitarbeiter aus 100 Nationen: Wie gelingt das?
Das ist wirklich eine der ganz großen Herausforderungen. Früher sind die Mitarbeiter einfach gekommen und heute müssen wir bis nach Südafrika, Vietnam oder nach Kirgisistan, um Mitarbeitende zu bekommen. Dafür benötigen wir Wohnraum in großem Stil. Wir haben bereits mehr als 2000 Wohnplätze geschaffen und bauen gerade 500 weitere Wohnmöglichkeiten für unsere Mitarbeiter. Wir haben sicherlich sehr attraktive Arbeitsplätze mit vielen jungen Menschen als Gäste und als Kollegen. Das hilft auch.
Wirtschaftlicher Erfolg ist auch ein Stück Verantwortung, das haben Sie immer betont, und beeindruckend ist, mit welcher Vielfalt der Park sich immer wieder öffnet für ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, für behinderte für kranke Menschen, aber auch für sie sonst wie benachteiligte. Was treibt Sie dabei an?
Ich will das auch nicht überhöhen. Soziales Handeln ist keine Großtat, sondern ist ein Grundgebot der Menschlichkeit. Das haben mir meine Eltern und Großeltern vorgelebt. Deshalb helfen wir sozial, wo es möglich ist. Das hängt auch mit unserem christlichen Wertegerüst zusammen. Es ist aber nichts, was wir unbedingt an die große Glocke hängen. Warmherzigkeit, Gerechtigkeit, Selbstlosigkeit, Bescheidenheit und Optimismus – mit diesen fünf Eigenschaften hat der langjährige Schaustellerseelsorger Ernst Heller meine im Jahr 2004 verstorbene Mutter Liesl treffend beschrieben. Das trifft es sehr gut.
Auch die Kirchen sind immer willkommen. Auf dem Parkgelände selbst gibt es drei Gotteshäuser. Ihre Kinder sind auf dem Gelände getauft. Wie wichtig ist für Sie der Glaube?
Der christliche Glaube spielt bei uns seit Generationen eine große Rolle und so sind alle Kinder und Enkel bei uns in der Böcklins- oder in der Jakobuskapelle getauft worden. Was für ein Glück. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir christliche Werte vor allem durch das Vorbild anderer Menschen aufnehmen. Bei mir waren es meine Eltern, die uns diese Werte vermittelt haben. Meine Mutter, eine lebensfrohe Rheinländerin, und mein Vater, ein eher nüchterner Schwarzwälder, beide katholisch aufgewachsen, haben sich hervorragend ergänzt. Meine Mutter hat unser soziales Engagement begründet. Aus ihrem christlichen Glauben heraus war es ihr ein Herzensanliegen, anderen Menschen zu helfen. Sie hatte immer ein offenes Herz, und das hat uns geprägt.
Auf welche Weise prägt der Glaube Sie bis heute?
Werte zu leben, ist für mich ein unverrückbarer Grundsatz. Glaube prägt mich, aber ist in erster Linie etwas sehr Persönliches. Darüber hier im Interview so abgeklärt zu sprechen wie über die Beschleunigungswerte einer Achterbahn, empfinde ich als schwierig.
Religion hat lange Zeit die Gesellschaft geprägt. Seit sie es weniger tut, scheint auch die Stabilität der Gesellschaft fragil zu werden. Wie können und müssen Unternehmer auf gesellschaftliche Herausforderungen reagieren?
Das ist wirklich sehr schwierig. Wir als Unternehmen können nicht Aufgaben übernehmen, die bislang bei den Kirchen oder den Familien lagen. Wir brauchen ein Wertegerüst in der Gesellschaft und wir müssen auch Vorbild sein. Das wäre schon sehr viel.
Der Name „Europa-Park“ kommt nicht von ungefähr, schon seine Lage direkt an der deutsch-französischen Grenze macht ihn zu einem Brückenbauer. Wie wichtig ist Ihnen Europa?
Als kleiner Junge habe ich bei einem Zeichenwettbewerb des Europarates gewonnen mit einem Bild, wie Grenzen mit Schiffen, Brücken und Flugzeugen zu überwinden sind. Später, als wir den Europa-Park gegründet haben, hat mir der Europa-See an einem anderen möglichen Standort die Vorlage für den Namen Europa-Park gegeben. Damals war das mutig, es waren gerade mal neun Länder in der EWG, wie es damals hieß: der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Ich glaube fest an Europa. Und sehe Europa auch in schwierigen Zeiten als großes Friedensprojekt an. Hier im Europa-Park treffen sich junge Menschen aus vielen Nationen und Kulturen täglich friedlich miteinander. „Vous construisez l’Europe pour les enfants!“ – „Sie erbauen das Europa für Kinder“, sagte Senatspräsident Alain Poher zu mir, als er 1989 den Französischen Themenbereich eröffnete. Genau das ist der Grundgedanke – die europäische Idee muss bereits unseren Kindern eingepflanzt werden, so dass sie erfolgreich gedeihen kann.
Zurück zum Glück: Welche Erfahrungen haben Sie persönlich gemacht in Ihrem Bestreben „Glück zu teilen“?
Glücksmomente im Europa-Park sind vielfältig und einzigartig – kleine Sterne, die unerwartet in den Tag fallen. Sie entstehen durch Nervenkitzel, kindliche Fantasie, gemeinsames Lachen und magische Begegnungen. Kleine Sterne, große Freude! Am Ende des Tages ist es jedoch nicht nur der Park selbst, der das Glück bringt. Es sind die Menschen, mit denen man die Erlebnisse teilt und die Fähigkeit, den Moment zu genießen. Denn, wie es so schön heißt: „Du musst das Glück nicht suchen. Es kommt zu dir. Du musst die Glücksmomente nur erkennen.“ Der Europa-Park bietet dafür die perfekte Bühne.
Zur Person
Roland Mack wuchs als Sohn des Unternehmers Franz Mack in Waldkirch auf. Er studierte von 1969 bis 1974 an der Technischen Universität Karlsruhe Maschinenbau. Als 1975 der Geschäftspartner seines Vaters starb, stieg er in den Betrieb ein und gründete mit seinem Vater den Europa-Park in Rust. Seither leitet er den Freizeitpark als geschäftsführender Gesellschafter. Außerdem ist er Gesellschafter der Mack Rides GmbH & Co. KG in Waldkirch. Roland Mack ist seit 1974 verheiratet mit Marianne Mack und hat zwei Söhne sowie eine Tochter. Sein jüngerer Bruder ist Jürgen Mack.