Kleine, große Insel

27.05.2025 |

Malta war das Ziel der diesjährigen Studien- und Begegnungsreise des Konradsblatts. Die Tage in dem Inselstaat waren geprägt von Erlebnissen, die im Gedächtnis bleiben und von einem herzlichen Miteinander.

Sowohl landschaftlich als auch kulturell eröffneten die Tage in Malta großartige Ein- und Ausblicke. Landestypische Wohnhäuser mit bunten Balkonen und Türen in Rabat.
 
Es gibt wohl kaum ein Reiseland, das so „überschaubar“ ist wie Malta. Die Hauptinsel ist 28 Kilometer lang und 13 Kilometer breit. Zusammen mit den dazugehörigen Inseln Gozo und Tomino ergibt sich eine Fläche von lediglich 316 Quadratkilometern. Gerade mal gut 500 000 Menschen leben auf dem Archipel. Viel mehr könnten es auch gar nicht sein, denn schon jetzt gehört Malta zu den Ländern mit der größten Bevölkerungsdichte.

Für diejenigen, die nach Malta kommen, fällt das alles aber gar nicht ins Gewicht. Kaum haben sie das Areal des Flughafens verlassen, eröffnen sich großartige Ausblicke auf die Landschaft und das Meer. Ganz zu schweigen von den Sehenswürdigkeiten, die auf die Gäste warten. Mag die Insel geografisch noch so klein sein – kulturell ist sie richtig groß. Eben dies erfuhren auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der diesjährigen Studien- und Begegnungsreise des Konradsblatts. Eine ganze Woche lang waren sie in dem Inselstaat unterwegs. Und jeder einzelne Tag war ausgefüllt mit Erlebnissen, die lange im Gedächtnis bleiben werden. 

Dass dabei gerade die maltesischen Kirchen eine wichtige Rolle spielten, liegt auch daran, dass es so viele gibt, geschätzt 365. Und natürlich standen die wichtigsten und interessantesten Kirchen des Inselstaats auf dem Programm der Konradsblatt-Reise. Allen voran die St. John‘s Co-Cathedral in der Hauptstadt Valletta, die mit einem besonderen Schatz aufwarten kann: dem berühmten Caravaggio-Gemälde „Die Enthauptung Johannes des Täufers“. Die gewaltige, über und über goldverzierte Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts vom Ritterorden der Johanniter errichtet, Sie kamen, vertrieben aus Rhodos, im Jahr 1530 nach Malta und wurden in der Folge als Malteserorden bezeichnet. Das gilt bis heute. Wie überhaupt die gesamte Insel von der Jahrhunderte langen Präsenz der Ritter und ihrer jeweiligen Großmeister geprägt ist. Der gewaltige Großmeisterpalast in Valletta stand natürlich ebenfalls auf dem Programm der Reise, die wie immer in Zusammenarbeit mit der Firma Blass-Travel und deren Leiterin Eva Kiefer durchgeführt wurde. 
Eine konkrete Jahreszahl begegnete der Konradsblatt-Gruppe bei ihrer Tour de Malta sozusagen auf Schritt und Tritt: 1565. Das Jahr der „Großen Belagerung“ Maltas durch die Osmanen, die nach harten Kämpfen zurückgeschlagen werden konnten. Um die Insel vor künftigen Angriffen zu schützen, wurde innerhalb weniger Jahre die Festungsstadt Valletta erbaut. Im Kern präsentiert sie sich noch heute in ihrem ursprünglichen barocken Glanz. 
 
Bunt zusammengewürfelt aus ganz  unterschiedlichen Orten fanden sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studien- und Begegnungsreise schnell zu einer harmonischen Gruppe zusammen. 

Die eigentliche Bischofskirche von Malta befindet sich in Mdina, das vor dem Bau Vallettas eine Zeitlang als Hauptstadt fungierte. Hier steht die 1702 geweihte Kathedrale St. Paul. Deren Besichtigung sowie der Spaziergang durch die ebenso engen wie romantischen Gassen von Mdina mit ihren zahlreichen bunten Balkonen gehörten ebenso zu den Höhepunkten der Studien- und Begegnungsreise wie der vorausgehende Besuch der baulich mit Mdina verbundenen Stadt Rabat mit der dortigen Pauluskirche und der darunter befindlichen Paulusgrotte. Nicht zu vergessen das Städtchen Mosta: Die dortige Kirche Maria Himmelfahrt, die auch als Rotunda bekannt ist, verfügt über die viertgrößte Kirchenkuppel der Welt. 
 
Auf Schritt und Tritt begegnet die Jahreszahl 1565

Apropos Paulus: Der Völkerapostel verbrachte nach einem Schiffbruch um das Jahr 60 zwar nur einige Monate auf Malta. Und ob das Christentum tatsächlich bereits von diesem frühen Zeitpunkt an auf der Insel präsent war, ist offen. Aber mit über 90 Prozent Katholiken ist Malta bis heute von der Kirche geprägt. Die Verehrung des Apostels und damit verbunden eine tief verankerte Volksfrömmigkeit spielen in dem Inselstaat eine zentrale Rolle und zeigen sich auch in der überschwänglichen Feier kirchlicher Feste. Das alles bedeutet nicht, dass die maltesische Kirche von der voranschreitenden Säkularisierung verschont bleibt. Der Rückgang ist auch hier erkennbar. Wobei den Teilnehmern der Konradsblatt-Reise beim Besuch der Sonntagsmesse dann doch die im Vergleich zum deutschen Südwesten ungewöhnlich starke Präsenz junger Familien auffiel. Auch im Blick auf die kirchlichen Strukturen wurden den Reisenden Unterschiede vor Augen geführt: Die beiden maltesischen Bistümer sind nicht größer als so manche künftige neue Pfarrei im Erzbistum Freiburg. Und trotz Rückgängen ist auch die Priesterdichte auf der Insel ungewöhnlich hoch: Rechnerisch kommt ein Priester auf 600 Katholiken.
 
Paradise Bay im Norden der Insel. 

Die Insel Gozo wird von Malta aus ununterbrochen rund um die Uhr angefahren. 20 Minuten dauert die Fahrt hinüber. 44 000 Menschen in Gozo. Durchaus vergleichbar mit bekannteren Marienwallfahrtsorten präsentiert sich hier die Kirche Ta’Pinu mit monumentalem Vorplatz, freistehendem Turm und einer großen Anzahl von Votivtafeln. In der Kathedrale von Gozo unterlagen die Besucher aus dem Erzbistum Freiburg wie vermutlich alle Gäste der Insel einer Täuschung: Nach oben schauend, wähnten sie sich unter einer bemalten Kuppel. Dabei ist die Kirchendecke keineswegs gewölbt, sondern flach. Hier fröhnte vor 300 Jahren der Künstler Lorenzo Gafà der Kunst der illusionistischen Malerei. Unbestreitbar echt ist dagegen der großartige Ausblick, den die Reisenden von der über der Kirche gelegenen Citadelle aus genießen konnten. 

So früh das Christentum in Malta heimisch wurde – es lebten auch schon vorher Menschen auf der Insel, die ebenfalls imposante Bauten errichteten. Zeugnis davon geben unter anderem die Reste der Megalith-Tempel in Tarxien und Hagar Qim  – entstanden zwischen 4000 und 2500 vor Christus.

Zu den Elementen der Studien- und Begegnungsreisen des Konradsblatts gehören stets auch Gespräche mit Menschen, die vor Ort leben und arbeiten. So auch dieses Mal. Beeindruckend war die Begegnung mit Martin Zammit, dem Pfarrer der griechisch-katholischen Gemeinde. Der verheiratete Priester erklärte unter anderem die große Bedeutung der Ikonen in der Orthodoxie. Das Leben der sehr kleinen, aber doch aktiven deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in Malta beschrieben bei einem Treffen deren Pastor Matthias Kunze und Miriam Susan Weis vom Kirchenvorstand. 

Was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgrund eigener Beobachtungen bereits erahnt hatten, wurde ihnen schließlich von  William Grech, dem Vorsitzenden der Nichtregierungsorganisation KOPIN, bestätigt. KOPIN kümmert sich unter anderem um die zahlreichen Arbeitsmigranten, die aus Ländern wie Indien, Pakistan, Venezuela oder auch Nepal nach Malta kommen und dort oft unter problematischen Bedingungen leben und arbeiten: Sie werden schlecht bezahlt, wohnen beengt und sind zudem belastet durch rassistische Tendenzen in der einheimischen Bevölkerung. Und das, obwohl sie dringend gebraucht werden, gerade in der Tourismusbranche. 

Bei all diesen Eindrücken ließ die Studien- und Begegnungsreise auch „Luft“ zur Entspannung. Sei es bei einem Bummel durch das Fischerdörfchen Marsaxlokk, bei einem Bootstrip rund um den der Insel Gozo vorgelagerten Fungus Rock und nicht zuletzt bei einer Rundfahrt durch die beiden großartigen Naturhäfen der Hauptstadt Valletta. Und schließlich waren die Tage in Malta geprägt von einem herzlichen Miteinander, gegenseitiger Rücksichtnahme und vielen interessanten Gesprächen innerhalb der Gruppe.  
 
Michael Winter