„Den Glauben ins Gespräch bringen“

03.12.2024 |

Nach zwölfmonatiger Vakanz hat Klaus Krämer das Amt als neuer Bischof des Bistums Rottenburg-Stuttgart angetreten. Erzbischof Stephan Burger hat den 60-jährigen Theologen zum Bischof geweiht.

Feierliche Zeremonie: Erzbischof Stephan Burger hat als Metropolit der Kirchenprovinz Klaus Krämer zum zwölften Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart geweiht. 
 
Der entscheidende Moment der Zeremonie war gekommen, als Krämer erstmals auf dem Bischofsstuhl Platz nahm und damit die Diözese offiziell „in Besitz“ nahm. Im vollbesetzten Dom, in dem Halleluja-Gesänge, Trompetenklänge und Trommeln die Weihe angekündigten hatten, brandete Applaus auf. Krämer folgt auf Gebhard Fürst, der seit 2000 als Rottenburger Bischof amtierte und im Dezember 2023 im Alter von 75 Jahren zurückgetreten war. Krämer leitet nun das drittgrößte deutsche Bistum mit rund 1,6 Millionen Katholiken. Es umfasst den württembergischen Landesteil Baden-Württembergs und zählt 1020 Kirchengemeinden.

Krämer ist der zwölfte Bischof der relativ jungen Diözese, die 1828 gegründet wurde. Das Bistum Rottenburg-Stuttgart gehört zur Oberrheinischen Kirchenprovinz. Deshalb spendete der Freiburger Erzbischof Stephan Burger als Metropolit der Kirchenprovinz Krämer das Sakrament der Weihe. Mitkonsekratoren waren der 91-jährige Kardinal Walter Kasper aus Rom, der von 1989 bis 1999 Bischof in Rottenburg war, sowie Krämers emeritierter Amtsvorgänger Gebhard Fürst.

Die Bischofsweihe folgte einem alten Ritus. Zunächst legte sich Krämer bäuchlings ausgestreckt vor den Altar, während rund acht Minuten lang in einer Litanei mehrere Dutzend Heilige angerufen wurden. Dann kniete Krämer vor dem Altar, während ihm zunächst Burger, Kasper und Fürst und anschließend rund 20 um den Altar versammelte in- und ausländische Bischöfe die Hände auflegten. Beim Weihegebet wurde Krämer das Evangelienbuch wie ein Dach über den Kopf gehalten, um deutlich zu machen, dass der Bischof in der Diözese der oberste Verkünder des Evangeliums ist. Sein Haupt wurde gesalbt. Dann überreichte ihm Burger Bischofsring und Bischofsstab und setzte ihm erstmals die Mitra auf. Der Wahlspruch des neuen Bischofs stammt aus dem Johannesevangelium und lautet: „Du hast Worte ewigen Lebens“ (Joh 6,68).

Krämer sagte in seiner Ansprache, die Kirche befinde sich in einem „umfassenden Transformationsprozess“. Er verwies auf sinkende Mitgliederzahlen und die zahlreichen kirchlichen Missbrauchsfälle. Er sei aber überzeugt, dass der christliche Glaube „neue Strahlkraft“ gewinnen könne. Burger sagte in seiner Predigt, die katholische Kirche befinde sich in einem Spannungsfeld zwischen Reformstau und Beharrungsvermögen. „Was ist aus einer Kirche geworden, die sich doch gern als Bollwerk des Glaubens verstanden hat?“ 

„Besser gratulieren oder kondolieren?“

In einer solch schwierigen Situation werde Krämer zum Bischof geweiht. „Ist das Grund, zu gratulieren oder eher zu kondolieren?“, fragte Burger. Er gratuliere dem neuen Bischof jedenfalls und wünsche ihm Mut, Kraft und Segen. Krämer stammt aus Stuttgart und studierte Jura und Theologie. In den 1990er Jahren war er enger Mitarbeiter des damaligen Rottenburger Bischofs Kasper. Von 2008 bis 2019 war Krämer Präsident des Hilfswerks missio in Aachen sowie von 2010 bis 2019 Präsident des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“. 

Den Wahlspruch des neuen Bischofs nahm Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) bei einem Begegnungsfest vor dem Bischofshaus auf. „Sie, Herr Bischof, haben eine große und wichtige Aufgabe vor sich.“ Es gehe darum, den Glauben in einer säkularen Gesellschaft ins Gespräch zu bringen. „Bekenntnis, Nächstenliebe und Liturgie“ – das mache eine christliche Praxis aus, so Kretschmann und fügte hinzu: „Eine solche christliche Praxis braucht unsere Gesellschaft, deren Zusammenhalt durch Lüge, Polarisierung und Extremismus bedroht wird, eine Gesellschaft, die durch Sorgen um Klima, Wohlstand und Geopolitik aufgerieben wird, eine Gesellschaft, der echte Lebensfreude, Zuversicht und Sinn abhanden zu kommen droht.“

Zu dem Festgottesdienst im Rottenburger Dom kamen rund 600 Menschen. Auf den Rottenburger Marktplatz sowie in Festzelten vor dem Bischofshaus wurde das Geschehen auf Großleinwänden übertragen.
 
Norbert Demuth, KNA