„Hier leben 900 Menschen täglich christliche Werte“
13.02.2024 |
Das St. Paulusheim in Bruchsal war jahrzehntelang zweierlei – privates Gymnasium und Kommunität der Pallottiner. Nun verlassen die Pallottiner den Klosterberg in der Barockstadt. Wie geht es weiter?
Das Paulusheim steht hoch über der Stadt Bruchsal – jahrelang war es Schule und zugleich Heimat von Patres.
Am Klosterberg in Bruchsal weht ein frischer Wind, sonst ist es ruhig an diesem winterlichen Vormittag. Wie eine Burg ragt das St. Paulusheim auf. Das mächtige graue Gebäude ist über 100 Jahre alt. Daran angeschlossen sind Bauten aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Sie beherbergen ein privates Gymnasium, einst gegründet von den Pallottinern, seit 1994 getragen von der Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg. Im noch winterlichen Park ist es still; die Klassenräume sind hell erleuchtet. Hier wird gelernt und Gemeinschaft gelebt. Und das soll auch künftig so bleiben.
Derzeit unterrichtet das St. Paulusheim rund 800 Schülerinnen und Schüler auf der Basis christlicher Werte, wie Schulleiter Markus Zepp berichtet. „Das Gymnasium erfreut sich einer großen Nachfrage“, bestätigt der Direktor der Schulstiftung, Patrick Krug, und betont: „Wir bekennen uns klar zum Fortbestand der Schule. Das können wir gar nicht oft genug sagen.“ Aber warum bedarf es dieser Erklärung überhaupt?
Die Kapelle des St. Paulusheims in Bruchsal soll auch künftig ein wichtiger Ort für die Schule sein.
Zu Jahresbeginn schreckte eine Nachricht in der regionalen Presse die Menschen in Bruchsal und Umgebung auf: Die Pallottiner verlassen das St. Paulusheim. Für die Stadt Bruchsal bedeutet dieser Schritt tatsächlich einen Einschnitt. Immerhin kamen die ersten Patres der nach ihrem Gründer Vinzenz Pallotti benannten „Gesellschaft des Katholischen Apostolates“ schon 1915 nach Bruchsal. Im Mai 1922 wurde der Grundstein für das Gebäude am Klosterberg gelegt; ab März 1923 zogen die Pallottiner ein. 1927 gründeten sie ein eigenes Gymnasium. Ursprünglich ein Internat für Jungen, nahm das St. Paulusheim ab 1971 auch externe Schüler, ab 1974 auch Mädchen auf. Das Internat wurde 1986 aufgelöst. Die Schule war unterdessen stark gewachsen.
Seit 1994 können auch evangelische Schülerinnen und Schüler das Gymnasium besuchen. Die Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg sorgt als Schulträger für die Erhaltung und Bewirtschaftung der neueren Gebäude sowie des ebenfalls vom Gymnasium genutzten, umfassend sanierten Südflügels des alten Gebäudes. Doch die Pallottiner waren all die Jahre stets präsent – nicht nur als Eigentümer des Geländes, sondern auch als Hausgemeinschaft und als Vorbilder verantwortungsvollen christlichen Engagements in der Welt. Bis 2006 waren die Schulleiter stets Pallottinerpatres, bis heute übernehmen die Pallottiner die Schulseelsorge. Generationen von ehemaligen Schülerinnen und Schülern halten seit Jahrzehnten Verbindung zum St. Paulusheim. In der historischen Kapelle, die sich von der Größe her als Kirche bezeichnen lässt, haben sich viele ehemalige Schülerinnen und Schüler trauen und ihre Kinder taufen lassen. Die darunter liegende Aula mit Bühne bietet den passenden Rahmen für viele schulische Ereignisse, aber auch für Veranstaltungen, die zum kulturellen Leben in Bruchsal beitragen.
Nun also ziehen die letzten noch im St. Paulusheim lebenden Patres aus. Zuletzt war die Hausgemeinschaft immer kleiner geworden. „Sie erlebt das gleiche Schicksal wie viele Ordensgemeinschaften – die Mitglieder werden alt“, sagt der Pressesprecher der Pallottiner in Friedberg, Alexander Schweda. „Die Pallottiner waren immer mit Herzblut vor Ort. Sie gehen mit einem weinenden Auge.“ Wie Schweda berichtet, beschlossen die Pallottiner bereits 2017, die Kommunität in Bruchsal aufzulösen; seit 2023 gehört sie offiziell zu Friedberg. In der bayrischen Stadt hat die deutsch-österreichische Herz-Jesu-Provinz der Pallottiner ihren Sitz. Wie Alexander Schweda versichert, werden die Pallottiner die Schulseelsorge am St. Paulusheim beibehalten: Pater Dieudonné Mebenga wird in Bruchsal bleiben und weiterhin sowohl im Gymnasium als auch in der Seelsorgeeinheit St. Vinzenz tätig sein.
Bleibt die Frage nach den Gebäuden. Fest steht, dass das Gymnasium St. Paulusheim am Standort bleibt. In die neueren Bauten wurde und wird kräftig investiert. So wurden in „Bauteil B“, dem Teil aus den 1970er-Jahren, bereits zwei Geschosse und die Sanitäreinrichtungen saniert, wie Schulleiter Markus Zepp berichtet. „Im kommenden Doppelhaushalt können wir 2,6 Millionen Euro in die Sanierung von zwei weiteren Geschossen sowie der Fassade und der Fenster investieren. Damit wird das Gebäude auch energetisch aufgewertet.“ Den sanierten Südflügel des Altbaus wird die Schule ebenfalls weiter nutzen. Aber was geschieht mit der Kapelle und der Aula sowie mit dem Gebäudeflügel, in dem Küche und Speisesaal liegen? Alle gehörten bisher selbstverständlich zum Schulleben, das Nachhaltigkeit im christlichen Sinn der Bewahrung der Schöpfung und Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts vereint, wie Markus Zepp erklärt. Der Schulleiter verweist auf die eigene Photovoltaikanlage, das gemeinsame Nahwärmenetz mit dem benachbarten evangelischen Altenzentrum, die Zertifizierung als Fairtrade School sowie Projekte zur Digitalisierung, die sich nicht nur auf die technischen Möglichkeiten, sondern auch auf ethische Fragen beziehen. „Hier leben täglich rund 900 Menschen gemeinsam christliche Werte.“
Schulleiter Markus Zepp freut sich über großen Zuspruch, ...
... Patrick Krug ist zuversichtlich, die Weichen für eine gute Entwicklung der traditionsreichen Einrichtung stellen zu können.
Die Voraussetzungen dafür werden erhalten bleiben, erklärt der Direktor der Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg, Patrick Krug: „Zu einer Schule dieser Größe gehören eine Mensa, ein Veranstaltungsraum und ausreichend Sportanlagen mit vielen Nutzungsmöglichkeiten. Zum Selbstverständnis unserer Schulen gehört eine Kapelle für Gottesdienste, Meditationen, liturgische Impulse oder andere schulpastorale Angebote.“ Die Schulstiftung gehe gemeinsam mit der Schulleitung offen in die Gespräche mit den Pallottinern. „Wir sind absolut sicher, eine gute und gegebenenfalls sogar bessere Lösung für die Schule zu finden, als sie derzeit gegeben ist.“ Was die künftige Nutzung des Altbaus betreffe, müsse sie auf jeden Fall kompatibel mit dem Schulleben sein. „Dies müssen und können wir als Schulträger gewährleisten.“
Auch wenn alle Beteiligten sich zurückhaltend äußern – klar ist, dass sich am Klosterberg etwas verändern wird und dass sich die Veränderungen voraussichtlich über einige Jahre erstrecken werden. Dies gilt auch für die Zukunft des nach Plänen des Architekten Hans Herkommer errichteten burgähnlichen Altbaus, der das Stadtbild von Bruchsal prägt. Auch der Freundeskreis St. Paulusheim verfolgt als Förderverein der Schule die Entwicklungen gespannt, wie sein Ehrenvorsitzender Professor Werner Schnatterbeck erklärt. Zum Selbstverständnis des Gymnasiums gehöre neben umfassender Wissensvermittlung, Einübung sozialen Verhaltens und verantwortlichen Handelns auch die Ermöglichung positiver religiöser Erfahrungen in einem ökumenischen Kontext. „Dem Freundeskreis ist es ein Anliegen zu betonen, dass Veränderungen, so sehr sie auch nötig sind, diesen Kern im Auge behalten und bewahren sollen.“