Seit rund zehn Jahren wird von einem Team der Seelsorgeeinheit Freiburg-Wiehre-Günterstal die Suppenküche St. Franziskus betrieben. Ehrenamtliche führen hier eine Tradition des früheren Franziskanerklosters Freiburg weiter und versorgen Bedürftige werktags mit Essen.
Vor Renate Heinzmann dampfen Töpfe auf Heizplatten um die Wette. Mit umgebundener Schürze, Schöpfkelle und Teller in den Händen, steht sie an der Essensausgabe der Suppenküche St. Franziskus. Hier im Untergeschoss des Pfarrzentrums im Freiburger Stadtteil Wiehre hat sie einen Rundumblick über alle, die kommen und gehen.
Renate Heinzmann beim Anrichten der Essen.
Noch bevor der ältere Herr, der gerade die Treppenstufen Richtung Suppenküche St. Franziskus herunterläuft, die letzten Stufen erreicht hat, taucht Renate Heinzmanns Kelle in die Tomatensoße. Sie weiß, dass der Mann Vegetarier ist und keinen Thunfisch mag. Vor dem Eingang der Suppenküche stehen drei junge Frauen, die sich lachend unterhalten. Eine hebt ihren Hund zur Begrüßung der Essenden ans Fenster des Speisesaals. Die Zuschauer auf der anderen Seite der Glasscheibe brechen in Gelächter aus. Bei ihnen gibt es Asiapfanne oder Knöpfle und Kuchen als Dessert.
Was neben dem Essen noch wichtig ist
Ohne den Hund, der vor dem Gebäude warten muss, schließt sich die Frau dem älteren Herrn auf seinem Weg zur Essensausgabe an. Renate Heinzmann reicht dem Herrn einen Teller. „Ohne Fleisch?“, erkundigt er sich. „Nur Tomatensoße“, versichert die Ehrenamtliche und wünscht „Guten Appetit“. Dann greift sie zum nächsten Teller und fragt, was die junge Frau gerne essen möchte. Mehr als vierzig Teller füllen Renate Heinzmann und ihre Kolleginnen an diesem Freitag. „Die meisten unserer Gäste sind durch die sozialen Maschen gefallen“, sagt die Ehrenamtliche Gisela Sträter.
Neben einem warmen Essen gibt es in der Suppenküche immer auch die Möglichkeit zu einem guten Gespräch. Die Zahl der Bedürftigen, die in die Suppenküche kommen, wird dabei stetig größer.
Neben Hauptgang, Salat, Nachschlag und Dessert, seien darum noch weitere Faktoren wichtig. Zum Beispiel die Tatsache, dass die Gäste gemeinsam am Tisch sitzen können, so Susanne Stark, die ebenfalls regelmäßig in der Suppenküche hilft. Diese Essenskultur bringe Normalität in den Alltag der Bedürftigen, für die zudem wichtig sei, ein offenes Ohr für ihre Anliegen zu finden.
In ihrer Kaffeepause sitzt Gisela Sträter im Aufenthaltsraum, den die Suppenküche sich mit Jugendgruppen der Seelsorgeeinheit teilt. Sie erzählt von Zukunft und Zahlen: Täglich liefert der Freiburger Caritasverband 25 Portionen eines Gerichts. Durchschnittlich kommen jedoch mindestens 30 Personen zum Essen; heute sind es sogar über vierzig. „Das reicht nicht einmal für den ersten Durchgang“, meint die Ehrenamtliche. „Manche hätten auch gerne Nachschlag. Das heißt: Wir müssen zaubern!“, fügt sie mit einem Augenzwinkern hinzu.
"Wir müssen zaubern"
Renate Heinzmann, Lieselotte Meny, Erna Kuster und Susanne Stark (von links) vom Team der Ehrenamtlichen der Suppenküche St. Franziskus.
Aus 25 gelieferten Portionen bereiten die Ehrenamtlichen schon einmal bis zu 60 Essen zu. Um das zu stemmen, sind sie auf Spenden angewiesen. Vor allem, da mit jedem Jahr mehr Menschen zum Essen kommen. Im Vergleich zu 2022 sei die Anzahl der Gäste 2023 bereits um zwanzig Prozent gestiegen, erklären die Frauen. Dieser Trend wird sich fortsetzen, davon sind hier alle überzeugt.
Am 20. Januar wird die Suppenküche in der Wiehre zehn Jahre alt. Gleichzeitig ist es ihr erster Geburtstag als eingetragener Verein. Insgesamt hat die Suppenküche in den vergangenen zehn Jahren 60 000 warme Mittagessen an Bedürftige ausgegeben. Für eine solche Leistung braucht es Mut und Menschlichkeit. Und Letzteres, erklärt Renate Heinzmann, ist Einstellungsvoraussetzung.
Um Viertel vor zwölf wird es ruhiger in der Prinz-Eugen-Straße Nummer zwei. Der ältere Herr und die Frau mit Hund haben sich verabschiedet. In der Küche summt die Industriespülmaschine, die Tische sind abgeräumt, die Fenster geschlossen. Das Geräusch von Gummirollen und klapperndem Geschirr kündigt den Servierwagen an. Eine Ehrenamtliche schiebt die letzte Fuhre sauberer Teller zurück in den Speisesaal, bevor sich die Türen der Suppenküche für heute schließen.