In diesen Tagen wählte der Freiburger Diözesanverband der Katholischen Frauengemeinschaft eine neue Spitze. Damit schied Monika Bohn, die langjährige Vorsitzende, aus dem Vorstand aus. Auf ihre zwölfjährige Amtszeit blickt sie positiv, gelassen und mit dem ihr eigenen Humor.
Monika Bohn aus Endingen war seit 2011 Diözesanvorsitzende der kfd. Bei der anstehenden Diözesanversammlung in Rastatt wird sie ihr Amt abgeben.
Die Satzung schreibt den Wechsel vor. Mehr als zweimal darf eine Diözesanvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd) im Erzbistum Freiburg nicht wiedergewählt werden. Monika Bohn hätte aber bei der jetzt anstehenden Neuwahl des Vorstands der kfd auch ohne diese Satzungsvorgabe mit Sicherheit kein weiteres Mal kandidiert. Einfach deshalb, weil sie grundsätzlich davon überzeugt ist, dass es spätestens nach zwölf Jahren einen Wechsel braucht. Und so lange, nämlich seit 2011, stand sie an der Spitze des größten kirchlichen Verbandes im Erzbistum Freiburg: „Die Begrenzung der Amtszeiten habe ich immer vehement vertreten, gerade auch auf Pfarreiebene.“
Hinter der scheidenden Diözesanvorsitzenden liegen bewegte Zeiten. Jahre, in denen sie auch über ihr eigentliches Vorstandsamt hinaus in hohem Maße engagiert war. Sei es in unterschiedlichen Projekten des Erzbistums, als Delegierte der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Erwachsenenverbände (AKE) im Diözesanrat oder auch auf Ebene des kfd-Bundesverbandes. Wer Monika Bohn in diesen Tagen begegnet, trifft aber keineswegs auf eine Frau, die erschöpft die letzten Meter ihres arbeitsaufwendigen Ehrenamts zu bewältigen sucht. Im Gegenteil: Sie wirkt so motiviert und optimistisch, als stünde sie gerade am Beginn ihrer ersten Amtszeit. Und das, obwohl sie immer auch berufstätig war. Als Modekauffrau für nachhaltige und faire Kleidung in einem Fachgeschäft in ihrem Wohnort Endingen. „Ich bin gut organisiert“, stellt Monika Bohn fest. „Außerdem habe ich eine starke Familie und einen toleranten Ehemann.“ Überhaupt sei ihr ganzes Leben auch über den kirchlichen Bereich hinaus vom ehrenamtlichen Engagement geprägt. „Mein Vater hat uns immer gesagt, dass man die Gesellschaft nur dann gestalten kann, wenn man sich engagiert“, betont sie.
Die Frage nach dem schönsten Erlebnis als kfd-Vorsitzende – fast schon so etwas wie eine rhetorische Frage. Denn die Antwort liegt eigentlich auf der Hand. In die Amtszeit Monika Bohns fiel 2017 das 100-jährige Jubiläum des Diözesanverbandes. Rund 5000 Frauen feierten im Europa-Park Rust und präsentierten sich als ebenso starke wie selbstbewusste Gemeinschaft.
Nur wer sich engagiert, kann die Gesellschaft gestalten
„Natürlich war das ein Highlight meines Lebens“, sagt Monika Bohn.Nicht ohne auch auf die Schwierigkeiten und Probleme zu verweisen. Während ihrer gesamten Amtszeit musste sie sich einer eher verbandsinternen und doch zentralen Herausforderung stellen, die sie zuweilen auch als „zermürbend“ empfand: Nämlich die kfd-Mitglieder davon zu überzeugen, wie wichtig es ist, ein über das unmittelbare persönliche Umfeld hinausreichendes „Verbandsbewusstsein“ zu entwickeln. Die langjährige kfd-Vorsitzende hat auf der einen Seite großes Verständnis dafür, dass manchen Frauen die Gemeinschaft vor Ort genügt. „Aber wenn es darum geht, auch in größeren Zusammenhängen etwas zu verändern, dann braucht es dazu Stimmen und Mehrheiten“, betont sie und verweist auf wichtige inhaltliche Themen, die in den letzten Jahren von der kfd aufgegriffen wurden: Vom Diakonat der Frau über den Umgang mit wiederverheiratet-geschiedenen Menschen, die Gleichstellung von Frauen im Arbeitsleben, Verbraucherfragen, fairer Handel und Nachhaltigkeit bis hin zur Gewalt gegen Frauen. Starke Pfarrgruppen und ein starker kfd-Verband dürfen Monika Bohn zufolge nicht gegeneinander ausgespielt werden. Das eine bedinge das andere.
Apropos Verbandsbewusstsein: Zu den schwierigsten Erfahrungen der Vorstandsarbeit von Monika Bohn wurde das 2019 gestartete Projekt „Bundesverbandsmitgliedschaft“. Der Hintergrund: Historisch bedingt war immer nur ein Teil der Mitglieder der kfd auf Diözesanebene auch Mitglied im kfd-Bundesverband. Aus steuerlichen und verwaltungstechnischen Gründen sollte die bestehende Doppelstruktur endgültig beendet werden – sprich: die bis dato nur auf Diözesanebene registrierten kfd-Mitglieder sollten dem Bundesverband beitreten oder aber ganz auf ihre Mitgliedschaft verzichten. Die Verantwortlichen scheuten keine Mühe und Arbeit, um diesen Schritt möglichst vielen Frauen plausibel zu machen und sie zur Mitgliedschaft im Bundesverband zu bewegen. Der Erfolg hielt sich in Grenzen.
Am Ende verzeichnete der kfd-Diözesanverband dann doch einen Aderlass. Die Mitgliederzahl sank auf etwa 13 000 – noch immer noch sehr viel im Vergleich zu anderen kirchlichen Verbänden. Das Projekt habe Klarheit gebracht“, stellt Monika Bohn fest. „Auf dieser Grundlage kann es jetzt gut weitergehen.“
Nicht Müdigkeit und Resignation, sondern Gelassenheit und Humor
Als „krisenhaft“ hat die scheidende Vorsitzende auch das Jahr 2018 in Erinnerung, als neben dem Missbrauchsskandal auch noch Nachrichten über nicht bezahlte Sozialabgaben das Erzbistum einholten. Zudem sei die kfd im Blick auf ihre schon lange vertretenen Forderungen nach einem Zugang für Frauen zu kirchlichen Weiheämtern unversehens von der neu gegründeten Initiative „Maria 2.0“ „überholt“ worden, so Monika Bohn. „Aber auch da haben wir uns dann klar positioniert.“ Die scheinbare „Erfolglosigkeit“ der kfd bei den einschlägigen kirchenpolitischen Themen nimmt die scheidende Diözesanvorsitzende mit auffallender Gelassenheit zur Kenntnis. „Da sind halt dicke Bretter zu bohren“, sagt sie. „Ich empfinde weder Resignation noch Müdigkeit.“
Außerdem, so ist hinzuzufügen, hat sich Monika Bohn durch alle Höhen und Tiefen hindurch vor allem eines bewahrt: ihren Humor. Und damit verbunden ihre Fähigkeit, sich nicht vom Negativen bestimmen zu lassen, sondern zuerst auf das Positive und Gelingende zu schauen. „Ich will fröhlich im Leben sein, das ist mein Naturell und mein Charisma“, betont sie. „Und das hat mir in den zurückliegenden Jahren auch Türen geöffnet.“ Bei all dem legt Monika Bohn größten Wert auf den Hinweis, dass die zurückliegende Vorstandsarbeit der kfd nie eine „One-Woman-Show“ war, sondern nur im Team erfolgreich sein konnte – zusammen mit den ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern Isolde Hauser, Christina Leib-Kessler und Gisela Koop sowie mit der Bildungsreferentin Gabi Fuchs-Bechinger, Geschäftsführerin Theresa Lennartz und der Geistlichen Leiterin Marie Lacaille als Hauptamtlichen. Überhaupt sei die hauptamtliche Unterstützung ein „großes Plus“ der kfd, sagt Monika Bohn. Der neu gewählte Vorstand werde ein „gut funktionierendes Haus“ vorfinden.
Gleichzeitig wird sich dieser neue Vorstand aber auch einer gewaltigen Herausforderung stellen müssen. Denn infolge der „Kirchenentwicklung 2030“ werden die Dekanate aufgelöst. Damit stehen die Strukturen der kfd infrage, die dekanatsmäßig aufgestellt ist. Nach Auffassung von Monika Bohn sollten sich die örtlichen kfd-Gruppen auf keinen Fall in ihren Aktivitäten beeinträchtigen lassen. Im Gegenteil: Weil die leitenden Instanzen in den neuen Pfarreien weiter entfernt seien, würden die Freiräume vor Ort größer. „Die Dinge werden im Leben entschieden“, sagt Monika Bohn. Wenn eine kfd-Gruppe lebendig sei, dann werde sie sich auch frei fühlen, das für sie Passende und Richtige zu tun. „Die gemeindlichen Gruppen zu stärken und zu befähigen, stand bei uns immer an erster Stelle.“