Der Weinberg des Herrn ist so groß wie die Welt. Das wissen auch die Missionare und Missionarinnen aus dem Erzbistum Freiburg, die in zwei Folgen im Konradsblatt von ihrem Leben, ihrer Arbeit und vom Sommer außerhalb Deutschlands erzählen ...
„Mein Leben sei ein Loblied seiner Liebe“
Hier macht Bruder Kuno Stösser mal Pause. So ganz selbstverständlich war das nicht immer bei ihm. Erst nach neu Jahren im Einsatz in Peru machte der Missionar zum ersten Mal Urlaub.
Kuno Stösser ist schon stolze 92 Jahre. Der Bruder der Missionskongregation der Söhne des Heiligen Herzens Jesu ist seit Jahrzehnten in Peru im Einsatz. Für das Konradsblatt hat er einen wunderbaren Text über sein Leben und seine Arbeit geschrieben ...
„Ich bin, ja, wer bin ich eigentlich, das frage ich mich auch manchmal. Nun ja, geboren am 23. Dezember 1930 in Bermersbach, Seelsorgeeinheit Forbach-Weisenbach, Dekanat Rastatt. Wie damals üblich acht Jahre Volksschule, aber während des Krieges Fliegeralarm, Kohlenferien, viele Stunden weniger Unterricht. Mit 15 Jahren erlernte ich den Wagnerberuf. Durch die Zeitschrift „Werk des Erlösers“ fühlte ich mich aber als Bruder berufen und trat in die Missionskongregation „Söhne des Heiligen Herzens Jesu“ in Ellwangen ein.
1954 legte ich meine erste Profess ab. Kurz darauf bekam ich meine Sendung nach Peru. Die Kongregation wurde in Peru eingerichtet für die Aussiedler aus Tirol und Rheinland, die in Pozuzo mitten im Urwald 1859 ankamen und nur mit Esel und Maultier erreichbar waren. Kurz zuvor lernte ich noch etwas kochen, denn ich sollte in einer neu errichteten Pfarrei in Lima als Koch und Messner arbeiten. Im Sommer musste ich wegen der hohen Luftfeuchtigkeit oft schwitzen. In Lima beträgt sie im Sommer bei 25 bis 30 Grad Celsius 60 bis 70 Prozent; im Winter bei etwa 12 Grad 90-95 Prozent.
Im Laufe der Zeit folgten viele weitere Einsatzorte und Aufgaben: In einer neu eingerichteten Prälatur in Tarma war ich wieder als Koch tätig und ich begleitete die Patres zu den Messen in die umliegenden Dörfer zum Spielen und Singen. Dann nahmen wir auch das zusammenklappbare Harmonium auf dem Eselsrücken mit.
Als ich ein Seminar für 80 Studenten bauen musste, musste ich auch wieder viel schwitzen, war ich doch kein Baumeister. In der Folge machte es mir Freude, Pläne für Kirchen und Pfarrhäuser zu entwerfen und den Bau dann auch auszuführen. Das führte dazu, dass mir später die Bauleitung für die Wallfahrtskirche in Acobamba und die Kathedrale in Huánuco übertragen wurde. Sie können es sich vorstellen: Das bedeutete wieder viel Schwitzen.
„Meine schönste Arbeit der Nächstenliebe“
Nach einer kurzen Zeit in Rom, kam ich nach Peru zurück, wo ich erneut als Bauleiter im Einsatz war, bis ich nach Lima ins Provinzialat als Hausökonom und Hausmeister gerufen wurde. Hier hatte ich meine schönste Arbeit der Nächstenliebe: Stundenlang stand ich hier an der Pforte und half den Menschen, der sogenannten Pueblos jóvenes (Junge Völker), die wegen Landflucht oder Angst vor Terroristen an den Rändern Limas ein neues Zuhause suchten und an der Pforte um Hilfe baten. Ich schenkte den Menschen Lebensmittel, Medikamente, gab Schulgelder, aber auch Geld für Taufen oder Begräbnisse. Zugleich nutzte ich die Zeit, um Katechistenunterricht zu geben, denn die religiöse Armut war noch größer.
Vielen hörte ich auch einfach nur zu. Was für Familienschicksale musste ich da hören ... Mit dem Beginn der Corona-Pandemie kam niemand mehr und ich
war auch selbst krankheitsbedingt für lange Zeit in Deutschland.
Sehr wichtig war mir immer die Erfüllung der religiösen Pflichten: die heilige Messe, das Stundengebet. Die tägliche Kommunion und das Gebet waren und sind meine Stärkung. Das persönliche Treffen mit Gott. Ich kann nur sagen: Mein Leben sei ein Loblied seiner Liebe, Güte und Barmherzigkeit. Das betone ich auch jetzt, wo mit dem Alter vieles nicht mehr geht. Anfang Januar bin ich gestürzt und habe mir den Oberschenkel gebrochen. Noch heute bin auf Rollstuhl und Gehhilfe angewiesen.
Zum Schluss noch eine Anekdote von vielen: Während der Fastenzeit war es üblich in Tarma abends in ein Dorf zu gehen. Einmal begleitete ich auch den Bischof. Da wir am nächsten Tag noch ein anderes Dorf besuchen sollten, sollten wir im Dorf übernachten. Der Bürgermeister bot uns das Rathaus an, man würde gleich zwei Betten bringen. Die Zeit verging. Es regnete und wurde immer kälter. Dann sagte der Bürgermeister, des Wartens müde, wir sollen mit zu ihm kommen. Er ging zuerst hinein, nach zehn Minuten holte er uns und führte uns in ein Zimmer mit zwei Betten. Nachdem wir uns hingelegt hatten, bemerkte der Bischof: Das Bett ist warm. Es war das Ehebett und die Frau hatte es für uns verlassen. Ein wunderbares Beispiel der Hilfsbereitschaft, das ich erleben durfte.
Junge Männer für den Orden begeistern
Bruder Thomas Fischer beim Wäsche waschen. Seit vielen Jahren ist er als Missionar in Kenia im Einsatz.
Thomas Fischer ist ein Bruder der Kongregation der Missionare von Mariannhill (CMM). Geboren wurde er in Oberwinden im Elztal. Nach seiner ersten Profess wurde er 1995 nach Simbabwe versetzt. Dort leistete er pastorale Arbeit in einer Pfarrei und war später Bischofssekretär bei Erzbischof Pius Ncube, bis er ans Generalat nach Rom als Rat und Sekretär kam. Nun arbeitet er schon seit vielen Jahren in Kenia. Das Postulat, wo er arbeitet, ist zirka 60 km vom Studienhaus der Kongregation in Nairobi entfernt. Im Interview erzählt er von seiner Arbeit und vom Winter in Kenia, der dort jetzt gerade ist ...
Bruder Thomas, wie sieht denn der „europäische Sommer“ bei Ihnen in Kenia aus?
Da wir nicht weit entfernt vom Äquator sind, ist nicht viel Unterschied in den Temperaturen. Nachts kühlt es momentan ab auf 15 Grad – tagsüber haben wir um die 23 bis 24 Grad – ein recht angenehmer Winter.
Und was steht bei Ihnen zurzeit auf dem Arbeitsplan?
Momentan sind Semesterferien – so ist es etwas ruhiger. Die Mitbrüder sind noch bis Mitte August auf unseren verschiedenen Missionsstationen und leisten dort pastorale Arbeit. Für mich ist diese Zeit gefüllt mit verschiedenen Sitzungen, die unsere Missionskongregation betreffen und dann habe ich jetzt bald auch noch drei Wochen Urlaub.
An was freuen Sie sich bei Ihrer Arbeit?
Ich bin Postulantenmeister und freue mich, wie in dieser unserer Zeit, in einer säkularen Welt (das zeigt sich auch hier mehr und mehr) sich doch noch recht viele junge Männer für einen Ordensberuf entscheiden, gerade im afrikanischen Kontext. Das ist besonders, weil in dieser Gegend nicht alle katholisch sind und es viele kleine evangelische Kirchen gibt.
Ein Haus der katholischen Kirche in Kenia.
Und was bereitet Ihnen Kummer?
Kummer, ja das gibt‘s auch hier: Leider haben wir auch in dieser zurückliegenden Regenzeit nicht genug Regen abbekommen, doch hoffen wir, dass die Leute trotzdem eine einigermaßen gute Ernte haben – die Preise steigen immer mehr. Es ist schon ein harter Überlebenskampf (Schulgeld, Transport, Lebensmittel etc).
Wo entspannen Sie, wenn Sie Urlaub haben?
Im Urlaub besuche ich meine Mitbrüder auf den Missionsstationen, worauf ich mich schon jetzt freue.
Dankbar alles annehmen, was aus Gottes Händen kommt
Isolde Böttger gehört der Fokolar-Bewegung an. Seit vielen Jahren ist sie in der Demokratischen Republik Kongo. Sie erzählt von dem Land und durch welche wichtige Lebensschule sie bei ihrer Arbeit ging.
Mein Name ist Isolde Böttger, ich bin gebürtig aus Bühl/Baden. Dorthin komme ich auch immer wieder gerne zurück, wenn ich auf Deutschlandurlaub bin. Ich gehöre der Fokolar-Bewegung an und führe ein gottgeweihtes Leben. Meine Bereitschaft dort hinzugehen, wo ich benötigt werde, hat mich seit 2016 in die Demokratische Republik Kongo geführt. Hier arbeite ich als Fachkraft für Entwicklungshilfe mit Unterstützung der katholischen Personalvermittlungsorganisation AGIAMONDO.
Zuerst war ich in Kinshasa, der Hauptstadt mit ca. 15 Millionen Einwohnern. Dort ist ein sehr heiß-schwüles Klima das ganze Jahr hindurch und auch die Fülle der Menschen heizt das Leben auf. Seit drei Jahren bin ich in Goma, im Osten des Landes am Rande des Kivu-Sees. Hier sind wir auf 1500 Meter Höhe. Es herrschen immer Temperaturen zwischen 15-28 Grad Celsius und es gibt außer der Trocken- und Regenzeit keine anderen Jahreszeiten. Jetzt, im Juli und August, ist Trockenzeit. Das Unangenehme dabei ist, dass es sehr staubig wird. Sowohl außerhalb als auch im Haus, da kommt man mit Staubwischen gar nicht hinterher.
Wir leben am Fuße eines aktiven Vulkans, der hier im Volksmund großer Onkel genannt wird, denn die Bevölkerung hat gelernt mit seinen Ausbrüchen zu leben. Im Jahr 2002 und 2021 gab es größere Ausbrüche, die auch die Stadt betroffen haben. Aber die Menschen hier geben nicht auf. Die neu gewonnenen Vulkansteine werden zum erneuten Hausbau benutzt und so wird wieder von vorne angefangen.
Das Umland von Goma ist sehr fruchtbar. Alles ist grün, und bergig, fast wie in der Schweiz. Auch unser Kivu-See hat eine geologische Besonderheit: In seinen Tiefen befindet sich ganz viel Methangas, ein weltweit einmaliges Phänomen in dieser Größe. Die Gefahr ist nur, dass der Vulkan unterirdisch seine Lava in den See abgibt und es dann zu einer immensen Implosion kommt, die alles im Umfeld abtöten würde. Ein weiterer Reichtum des Landes sind die unzähligen Coltan-, Kupfer-, Gold- oder Diamanten-Vorkommen. Eine wirklich sehr reiche Erde. Alle diese Schätze haben natürlich immer ihre zwei Seiten. Die Gegend hier im Osten des Kongos ist sehr unruhig und die militärischen Konflikte häufen sich.
Isolde Böttger arbeitet in der Demokratischen Republik Kongo in der Entwicklungshilfe.
Das ist eine wirkliche Lebensschule
Was ich hier gelernt habe, ist im gegenwärtigen Augenblick zu leben und dankbar für alles, was möglich und machbar ist, aus Gottes Händen zu nehmen. Das ist eine wirkliche Lebensschule und diese Erkenntnis wünsche ich vielen Menschen, denn sie führt zu großer Zufriedenheit.
Die Stadt Goma ist Anlaufpunkt für viele geflüchtete Menschen, die sich dann im Laufe der Jahre auch hier ansiedeln, jedoch nur schwierig ihren Lebensunterhalt verdienen können. Meine Arbeit hier ist die Mithilfe beim Aufbau eines Ausbildungs- und Produktionszentrums, in dem wir für diese Menschen handwerkliche Ausbildungen anbieten und ihnen dazu verhelfen ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Es ist immer sehr bereichernd zu sehen, wie dankbar die Menschen für diese Gelegenheit sind und was sie dann daraus machen können.
Ein Blick auf die Stadt Goma mit dem immer wieder aktiven Vulkan im Hintergrund.
In meinem Kontext hier bin ich meistens die Einzige weißhäutige, weshalb ich immer auffalle und Exot bin. Manche Menschen auf der Straße rufen mir „Musungu“ (Weiße) hinterher. So freue ich mich, wenn ich ab und zu mal wieder in den europäischen Kontext kommen darf, wo ich eine unter vielen bin, wo ich ohne große Gefahr mich frei bewegen kann und auch abends auf die Straße gehen kann. So hoffe ich, dass es klappen wird, dass ich im August ein paar Wochen nach Deutschland und auch nach Bühl kommen kann um den deutschen heißen Sommer etwas zu genießen und alles was es an schönen Dingen dort gibt.